zur Navigation springen

Schweriner bei Paralympics : „Der Druck ist schon enorm“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die sehgeschädigten Judoka Carmen und Ramona Brussig wollen wie schon 2008 und 2012 mit einer Medaille von den Paralympics heimkehren

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2016 | 07:30 Uhr

Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London haben die Judo-Zwillinge Carmen und Ramona Brussig binnen weniger Minuten beide die Goldmedaille gewonnen. Es war wohl der schönste Moment in der langen und äußerst erfolgreichen Sportlerkarriere der beiden 39-Jährigen. Vier Jahre später stehen die sehgeschädigten Geschwister wieder bei paralympischen Spielen am gleichen Tag auf der Matte – dieses Mal nur im brasilianischen Rio de Janeiro.

„Nach London wollten Carmen und ich von Jahr zu Jahr schauen, ob es noch weitergeht. Und es geht. Unsere Körper spielen mit und Spaß am Sport haben wir auch noch“, erzählt Ramona Brussig vor dem Abflug nach Südamerika. Dabei haben die beiden Sportler des PSV Schwerin schon alles erreicht, waren Weltmeister, Europameister und vor vier Jahren auch Paralympics-Sieger. Für Ramona war es nach 2004 in Athen sogar bereits der zweite Triumph bei den Spielen. „Olympia ist immer noch einmal etwas anderes als Welt- und Europameisterschaften. Die Spiele sind größer und vielfältiger. Wir bekommen dann auch was von den anderen Sportarten mit“, freut sich Ramona Brussig auf ihre mittlerweile vierten Paralympics und erklärt auch noch einmal den Reiz, vier Jahre weitergearbeitet zu haben.

Am Mittwochabend flog die deutsche Mannschaft von Frankfurt nach Rio. Gelandet ist die Lufthansa-Maschine in Brasilien in den frühen Morgenstunden. Die Athleten haben bis zum Wettkampfbeginn also noch genug Zeit, sich zu akklimatisieren. Eröffnet werden die Paralympischen Spiele am 7. September – und wie auch bei den Olympischen Spielen findet die Feier im legendären Maracanã-Stadion statt. Carmen und Ramona Brussig sind dann aber nicht dabei. „Unsere Wettkämpfe sind einen Tag später. Die Eröffnungsfeier fällt für uns also flach. Dafür sind wir immer früh dran und haben im Anschluss noch etwas Zeit, uns alles anzusehen“, bleiben die Judo-Zwillinge bis zum Schluss der Spiele.

Heimkehren wollen sie am liebsten mit einer Medaille, egal welche Farbe. „Das ist das erklärte Ziel“, so Ramona Brussig, die im Limit bis 52 Kilogramm startet.

Ihre wenige Minuten ältere Schwester geht in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm an den Start. Wie es sich anfühlt, bei Paralympics Edelmetall zu gewinnen, wissen sie. Und das wird auch in diesem Jahr von „Außen“ erwartet. „Der Druck ist schon enorm, die Erwartungshaltung ist riesig. Man ist immer eine Medaille von uns gewohnt. Dabei ist die Leistungsdichte in den letzten Jahren extrem groß geworden“, bremsen die Geschwister ein wenig die Erwartungshaltung. Beide sind aber fit, Ramonas Kreuzbandriss ist ausgeheilt und auch der Spiralbruch im Fuß der letzten Europameisterschaften bei Carmen macht keine Probleme mehr. Am Ende wollen beide auf dem Podium stehen.

Etwa 4  500 Sportlerinnen und Sportler aus 176 Nationen messen sich in Rio in insgesamt 23 Sportarten. Die russischen Athleten werden nicht dabei sein. „Ob das alles richtig oder falsch ist, möchte ich nicht beurteilen. Carmen und ich profitieren allerdings von dem Ausschluss. Für uns fallen starke Konkurrentinnen weg“, sagt Ramona. Dennoch warten auf sie und ihre Schwester jeweils sieben starke Gegnerinnen. Die russische Weltmeisterin des 52-Kilo-Limits wird aber ebenso fehlen, wie die russische Europameisterin bis 48 kg.

An die Spiele 2020 in Tokio haben die in Leipzig geborenen Geschwister noch nicht gedacht. In vier Jahren wären sie 43 und bis dahin kann noch viel passieren. Aber reizvoll sind die Spiele im Mutterland des Judos schon und vielleicht geben Medaillen am 8. September ja noch einen gehörigen Motivationsschub.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen