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Boxen Schwerin : Brähmer: „Das war noch nicht alles“

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Aus der Onlineredaktion

Jürgen Brähmer bezwingt im Viertelfinale um die Ali-Trophy US-Boy Rob Brant und freut sich aufs Halbfinale gegen den Briten Callum Smith

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erstellt am 29.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Am Sonnabend um 0.05 Uhr war es amtlich: Die Boxer-Rente muss warten, Jürgen Brähmer gehört auch mit 39 Jahren noch nicht zum alten Eisen seiner Sportart. Zwölf Runden lang hatte er vor gut 4000 Zuschauern in der Schweriner Sport- und Kongresshalle das Viertelfinale um die Ali-Trophy gegen Rob Brant (USA) dominiert. Mit 119:109, 118:110 und 116:112 sahen ihn alle drei Punktrichter klar vorn. Um die 1,4 Millionen Dollar (rund 1,2 Millionen Euro) soll der Schweriner dem Vernehmen nach für diesen Erfolg kassieren.

Viel war spekuliert worden, ob Brähmer die auf seine verletzungsbedingte WM-Niederlage gegen Nathan Cleverly (GB) folgende 13-monatige Ringabstinenz gegen den zwölf Jahre jüngeren und bis dato ungeschlagenen Brant würde überspielen können. Er konnte, brachte die Fans zum Jubeln und Promoter Kalle Sauerland zum Schwelgen. „Das war der beste Kampf, den ich je von Jürgen gesehen habe“, schwärmte der Chef des Sauerland-Stalls nach dem Duell, das Brähmer mit häufigeren, variableren und härteren Treffern für sich entschied.

„Ein bisschen Rost war noch dran“, wollte Brähmer nicht uneingeschränkt in den Jubel einstimmen und erklärte: „Mit meiner körperlichen Verfassung war ich zufrieden. Aber ein paar kleine Dinge haben schon noch gefehlt und andererseits war Rob sehr gut auf mich eingestellt. Am Anfang wollte ich zu viel und wurde etwas fest. Aber ich habe gemerkt, dass ich vorn liegen müsste und das dann mit Erfahrung runtergeboxt.“

Dass Trainer Michael Timm wegen der Hochzeit seiner Tochter Julia in Indien weilte, statt in der Ringecke zu sitzen, hatte Brähmer nicht gestört. „Er wollte unbedingt hier sein, aber ich sagte ihm, er solle fahren. Mit 39 kann man schon mal allein aus dem Haus.“

Zudem hatte Timm Tipps dagelassen, die Fitnesstrainer Sebastian Förster als Sekundant und Tyron Zeuge als aufmerksamer Beobachter am Ring an den Mann brachten: „Beinarbeit und Deckung!“

Letzteres drang – wie bei Jürgen Brähmer gewohnt – nicht vollständig zu ihm durch, wovon am Ende des technisch sauber geführten Duells ein Cut am Auge, eine blutende Nase und zwei Veilchen zeugten. „Rob Brant hat ja keinen schlechten Kampf gemacht“, kommentierte Brähmer.

Nur hatte es dem US-Boy sichtlich an Schlaghärte gefehlt, um wirklich etwas reißen zu können. „Es war ein guter Kampf mit einem verdient klaren Sieger“, urteilte Callum Smith, der nun als Halbfinalgegner auf den Schweriner wartet. Augenfällig sei gewesen, so der Brite, dass Mittelgewichtler Brant und den Halbschweren Brähmer im Normalfall sieben Kilo trennen. „Für Brant war der Schritt ins Supermittel zu groß. Diese physische Kluft konnte er nie überwinden.“

Das gestand auch Brant ein, der mit seinem Kampf nicht unzufrieden war, als fairer Sportsmann aber die Überlegenheit Brähmers anerkannte. Es dürfte für ihn auf absehbare Zeit der letzte Ausflug ins höhere Limit gewesen sein. „Definitely“ meinte er jedenfalls auf die Frage, ob er nun zurückginge ins Mittelgewicht.

Brähmer und der zehn Zentimeter größere Smith haben hingegen schon ihr Halbfinale im Blick, das im Februar steigen soll. „Jürgen ist ein Topathlet mit riesiger Erfahrung und großen Qualitäten“, brachte Smith seine Live-Eindrücke auf einen Nenner. „Das wird ein sehr interessantes Halbfinale und natürlich gehe ich davon aus, dass ich gewinne – am liebsten zu Hause in Liverpool“, so der 27-Jährige.

„In England – warum nicht? Es wäre nichts Neues für mich, in Europa zu boxen. Wenn die Eckdaten stimmen…“, zeigt sich Brähmer nicht abgeneigt und rechnet sich gute Chancen aus: „Mit Erik Skoglund, den Smith im Viertelfinale schlug, habe ich früher trainiert. Ich weiß also, was ich zu erwarten habe. Und wenn ich nicht überzeugt wäre, die Ali-Trophy gewinnen zu können, hätte ich nicht mitgemacht. Und nach dem heutigen Kampf weiß ich: Ein bisschen was geht noch. Das war noch nicht alles!“


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