Judo : 20 Jahre mit Höhen und Tiefen

Zum 20-Jährigen Bestehen des 1. Schweriner JC präsentierte eine kleine Gruppe Kämpfer eine kleine Vorführung. Hier wirft Fiete Engelhardt Ivo Dümpelfeld. Beide gehören derzeit mit zu den größten Talenten im Verein.  Fotos: Hagen Bischoff (2)/1. SJC (2)
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Zum 20-Jährigen Bestehen des 1. Schweriner JC präsentierte eine kleine Gruppe Kämpfer eine kleine Vorführung. Hier wirft Fiete Engelhardt Ivo Dümpelfeld. Beide gehören derzeit mit zu den größten Talenten im Verein. Fotos: Hagen Bischoff (2)/1. SJC (2)

Der 1. Schweriner Judoclub feiert am 1. Juli sein 20-jähriges Bestehen und blickt auf schöne aber auch turbulente Jahre zurück.

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25. Juni 2019, 01:48 Uhr

20 Jahre im Vereinssport können eine lange oder aber eine kurze Zeit sein. Je nach Betrachtungsweise. Für den amtierenden Champions-League-Sieger im Fußball, den Liverpool Football Club, der vor kurzem sein 127-jähriges Bestehen feiern konnte, sind 20 Jahre nur eine kleine Periode in der Vereinshistorie. Für den 1. Schweriner Judoclub dagegen bedeuten die 20 Jahre, die es den Verein seit der Gründung am 1. Juli 1999 gibt, eine halbe Ewigkeit. Selbstverständlich gibt es Judo in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns schon bedeutend länger. Bereits in den 50er Jahren wurde die japanische Kampfsportart bei der SG Dynamo Schwerin betrieben, seit den 60er Jahren auch bei Post Schwerin. Und aus der Judoabteilung bei Post Schwerin wurde über den „Umweg“ als Abteilung beim Schweriner SC nach der Wende im Sommer 1999 der 1. Schweriner Judoclub gegründet.

Der blickt nun auf 20 bewegende Jahre mit vielen Höhen und einigen Tiefen zurück. Fast wäre es gar nicht so weit gekommen, stand der Verein doch Ende 2003, Anfang 2004 aufgrund interner Querelen kurz vor dem Aus, berappelte sich aber wieder und ist heute – fast schon wie eine große Familie geführt – aus der Schweriner Sportlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Man wollte nicht mehr einem Großverein angehören, wollte finanziell unabhängig, und so flexibler in seinen Entscheidungen sein. Also sagte man sich 1999 vom Schweriner SC im Einvernehmen los und gründete, unter anderem mit Schwerins späterer Oberbürgermeisterin und Judo-Mutti Angelika Gramkow, einen eigenständigen Verein.

Mit dem 1. SJC ging es steil bergauf. Frank Neumann wurde im Jahr 2000 deutscher Meister der U20 bis 81 Kilogramm, 2001 landete er zusammen mit Eric Keske – noch einmal in der U20 – bei den nationalen Titelkämpfen auf dem Bronzerang. Der jüngere Nachwuchs der U17 erkämpfte sich 2001 bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften die Bronzemedaille, im gleichen Jahr bewies die U15 mit einem ungefährdeten Sieg bei den nordostdeutschen Mannschaftsmeisterschaften gegen die Stützpunkte aus Frankfurt/Oder sowie aus Potsdam, dass der Verein im Leistungsbereich richtig gut aufgestellt war. In den Anfangsjahren sicherte man sich auch mit einem 40 Mann starken Tross mit starken Leistungen, im belgischen Lommel eine komplette Judomatte im Wert von mehreren tausend Mark und zu SJC-Turnieren in der Sport- und Kongresshalle pilgerten zudem fast 900 Sportler in die Landeshauptstadt.

So hatte man im Verein auch große Pläne für die Zukunft. Wie sich späer herausstellen sollte, vielleicht auch zu große. Bundesliga-Judo wollte man anbieten, dazu nach Möglichkeit die damalige alte Mensa neben dem Sportgymnasium in ein modernes Trainingszentrum umbauen – samt eigener Geschäftsstelle, mit Tribüne und einem zweiten hauptamtlichen Trainer.

Die Leistungen stimmten in den ersten drei Jahren, intern brodelte es allerdings bei den Schwerinern. Ende 2001 kam es zum Bruch zwischen verschiedenen Personen. Ein Weiterarbeiten mit Trainer Heinz Stiller war vorerst nicht möglich. Prompt verabschiedeten sich wegen fehlender Perspektive etwa 70 Sportlerinnen und Sportler in andere Vereine. Einige gingen nach Leipzig, Berlin oder Frankfurt Oder, einige Athleten hörten ganz auf mit dem Judosport. Größter Profiteur des personellen Aderlasses war aber Ortsnachbar PSV Schwerin. „Als wir 1999 den Verein gegründet haben, hätten wir uns nicht denken können, dass wir irgendwann um seine Existenz kämpfen müssen. Das Szenario gab es bei uns nicht“, sagt der heutige Vereinsvorsitzende Uwe Keske.

Der 1. Schweriner Judoclub war im Prinzip klinisch tot, wäre da nicht Ralph Gabler gewesen. Der Neuanfang beim SJC ist stark an die Person Ralph Gabler geknüpft. Eigentlich nur als Elternteil in den Verein gekommen, engagiert sich Gabler bis heute im Club. Heute trägt der ehemalige Vereinsvorsitzende sogar den ersten Meistergrad, ist Vereinssportlehrer und so etwas wie die gute Seele bei den Schwerinern. Gabler holte 2004 Heinz Stiller wieder zurück in den Verein, der dann in einer Baracke auf dem Großen Dreesch trainierte. 2007 zog man, mit bereits einigen zurückgekehrten Sportlern, nach Lankow. Einer der Nachwuchskämpfer war Johannes Karsch, der nach dem Neustart mit einer Bronzemedaille 2007 bei den deutschen U20-Meisterschaften an alte erfolgreiche Zeiten anknüpfte.

Irgendwann hörte Stiller dann erneut auf, dieses Mal stand der Verein aber auf festeren Füßen und brach nicht zusammen. Im Gegenteil. Heute trainieren beim 1. Schweriner JC etwa 170 kleine, große, junge und alte Judoka. Insgesamt hat der 1. SJC derzeit mehr als 200 Mitglieder. In naher Zukunft hofft Uwe Keske, das 1 200. Mitglied in den 20 Jahren begrüßen zu können.

So etwas wie 2001 soll dem Verein nicht mehr passieren. Wird es aber auch nicht, wenn es nach Keske geht: „Dafür arbeitet unser jetziger Vorstand zu gut zusammen. Jeder macht bei uns das, was er kann – und nur so viel, wie er kann. Es gibt keinen Zwang. Wir machen alles auf dem kurzen Dienstweg. Wenn das heißt, eine Vorstandssitzung an der Tischtennisplatte draußen vor der Halle abzuhalten, dann machen wir das.“ Der Familienvater weiß, wovon er spricht, kennt er doch noch die andere Zeit aus den Anfangsjahren.

Wenn man beim 1. SJC auf die einzelnen Jahre zurückblickt, dann bleibt man schnell 2008 hängen. Damals zog der Verein von Lankow wieder auf den Großen Dreesch in die Sporthalle in der Hamburger Allee 122. „Das war ein absoluter Glücksgriff für den Verein. Die Stadt hat uns dabei gut geholfen, sie hilft uns ja immer noch“, erläutert Vorstandsmitglied Ullrich Knye. Die Halle haben die Judoka gehegt und gepflegt und zu einer ordentlichen Trainingsstätte ausgebaut. Schritt für Schritt.

Schritt für Schritt soll es auch künftig im Verein weiter gehen. „Wir sind nicht nur auf große Erfolge stolz, sondern sind auch mit kleinen Dingen zufrieden“, sagt Vereinsvorsitzender Keske. Sein Vorgänger Hartmut Schröder sorgte 2014 übrigens 14 Jahre nach Frank Neumann wieder für einen deutschen Meistertitel. Den holte er sich bei den Titelkämpfen der Veteranen. Darauf ist man beim 1. SJC genauso stolz wie zum Beispiel auf die frisch gestrichene Eingangstür in der Judohalle oder aber auf zahlreiche Medaillen der Nachwuchssportler bei Turnieren in MV und ganz Deutschland.

Ein paar Wünsche haben sie aber dennoch beim 1. SJC. „Vielleicht könnten wir unseren Herbstpokal etwas größer aufziehen und noch mehr Sportler zum Turnier locken“, sagt Ullrich Knye. Nicht jeden Tag um das liebe Geld zu kämpfen, wäre ebenfalls schön. Und wieder ein Eigengewächs, das es bei nationalen Meisterschaften aufs Podest schafft, würde man bei den Schweriner auch gern noch einmal sehen. Die Talente haben sie mittlerweile wieder dafür.

20 Jahre 1. Schweriner Judoclub – für einige nur eine Etappe, für andere eine Ewigkeit... Herzlichen Glückwunsch.

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