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Fussball : Zwei Mann an Karte und Pfeife

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Fußballkreis Prignitz/Ruppin schiebt der Schiedsrichter-Ausschuss ein neues Projekt an

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 22:33 Uhr

Ein wenig irritiert das optisch schon, wenn statt der 23 Sportler 24 aufs Grün laufen. Doch der Schiri-Ausschuss im Fußballkreis Prignitz-Ruppin (FKPR) schiebt ein Pilotprojekt an, das dem Hauptschiedsrichter einen zweiten an die Seite stellt. Ihr Abstand liegt im Idealfall bei fünf Metern. Bei strittigen Szenen ist das Beraten nicht nur gestattet, sondern gewollt.

Damit geht der Fußballkreis einen neuen Weg, um Jungschiedsrichter optimal an die Spielleitung heranzuführen. Das Projekt „Tandem-Schiri“, bei dem ein erfahrener und ein Neuling gemeinsam auf dem Feld stehen, soll die Sicherheit steigern und den zu befürchtenden Praxisschock reduzieren, erklärt Lehrwart Fabian Schulte. Die Idee zum Tandemprojekt stammt aus Bayern. Ins Leben gerufen wurde das Projekt in Bad Tölz.

Die Tandem-Premiere in Prignitz/Ruppin gab‘s vor Weihnachten im Kreisligaspiel Herzberger SV gegen SG Linum. Debütant Christian Berger nahm zunächst auf dem hinteren Sitz Platz. Den Lenker hielt in den ersten 45 Minuten Fabian Schulte in den Händen. Er pfeift seit fast neun Jahren und schiedst Partien bis zur Landesliga.

Angelehnt an das bayerische Projekt entschloss sich der Schiri-Ausschuss im Herbst 2015, seinen frisch ausgebildeten Referees punktuell als „Tandem“ unter die Arme zu greifen – primär bei den C- oder B-Junioren und nicht gleich in der zweithöchsten Männer-Spielklasse (von vier) des FK. Früher als gedacht, fand Schulte die Zeit, um sich als zweiter Mann zur Verfügung zu stellen. Berger: „Wir haben aber sofort gesagt: Bei groben Verstößen greift Fabian ein.“ Sein Herz flatterte vor Nervosität dennoch, gestand der 28-Jährige, obwohl Fabian Schulte zur ersten Halbzeit anpfiff und Berger in die passive Rolle schlüpfte. „Unglaublich lehrreich“, seien diese ersten 45 Minuten gewesen.


Lehrwart sieht Experiment gelungen


Unterm Strich schätzt Christian Berger das Tandem-Projekt als sehr hilfreich ein. „Es kommt zu einem ziemlich großen Lerneffekt. Vor allem die schnelle Entscheidungsfindung ist gar nicht so leicht.“ Er gesteht, dass „man sich zunächst wie ein fünftes Rad am Wagen vorkommt“ und so manches Schmunzeln hinnehmen muss. „Will man aber Jung-Schiris unterstützen und halten, dann ist das eine sehr gute Variante.“

Für Fabian Schulte ist das Experiment „Tandem-Schiri“ gelungen. Wo und wann 24 Akteure das nächste Mal ein Spielfeld betreten, entscheidet der Schiri-Ausschuss kurzfristig. Am ehesten wohl im Junioren-Bereich.

Und wie denken die Prignitzer darüber? „Grundsätzlich finde ich die Idee gut, sie hat sich in anderen Bundesländern bereits bewährt, da hier vor allem die neuausgebildeten Schiedsrichter profitieren. Ich finde aber, dass dieses Modell hier im Kreis sehr kurzfristig erprobt und hätte besser eingeführt – was Kommunikation, Kosten und Spielklasse betrifft – werden müssen“, sagte der Pritzwalker Oberliga-Schiedsrichter Andy Stolz. Tony Hoppe, Spieler von Rot-Weiß Gülitz erklärte: „Ich habe von diesem Test gehört und glaube, dass es eine gute Idee ist, die man weiterentwickeln sollte. In meinen Augen ist es aber sehr wichtig, dass die Hauptschiedsrichter dabei eine gewisse Qualität und Qualifikation vorweisen können. Nur dadurch können junge Leute lernen und einen Mehrwert gewinnen“.

Grundsätzlich zustimmen tut auch Steffen Stolz, ehemaliger Spieler und jetzt Jugendtrainer beim SV Eche 05 Weisen. Aber er macht einen klein wenig anderen Vorschlag: „Wenn der Hauptschiedsrichter richtig Ahnung hat, finde ich das gar nicht schlecht. Aber besser wäre es – und das sehe ich ja auch jetzt im Nachwuchs – erst mal dafür zu sorgen, dass auf Großfeld Linienrichter da wären, denn Abseits ist schnell erklärt und die dann jungen Linienrichter könnten eine gewisse Zeit von den Schiedsrichtern lernen“.


Fußballkreis trägt Kosten für zweiten Schiri


Noch anders stellt sich die Situation im Frauenfußball dar. Gekickt wir hier auf Kleinfeld mit sieben Spielerinnen. „Ich finde es gut, die jungen Schiedsrichter so anzulernen. Beim Kleinfeldspiel ist es etwas schwieriger zu gestalten. Vielleicht könnte man dort die Jugend pfeifen lassen und einen Schiri-Beobachter nach dem Spiel die Situation mit dem jüngeren auswerten lassen. Leider wird viel zu viel von außerhalb, von den Fans, beurteilt. Es wäre gut, wenn einer von Fach noch ein paar Wörter dazu sagt“, meinte Karolin Torster, Torhüterin des SSV Einheit Perleberg.

Übrigens kostet der Sozius dem gastgebenden Verein unwesentlich mehr Geld: Die Auslagen und das Honorar für den zweiten Mann trägt der Fußballkreis. Einzig der zweite Tee und die zweite Bockwurst belasten die Kasse.

 


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