Mädchenfussball : Weihnachtswunsch: Gesunde Trainer

Die jungen Fußballerinnen des Projekts „Kicking girls“ und ihre Trainer Bianca Göttling (l.) sowie Anne-Kathrin Kwasny und Michael Jahns (hinten)  in vorweihnachtlicher Stimmung.  Fotos: Oliver Knoll (2)
1 von 2
Die jungen Fußballerinnen des Projekts „Kicking girls“ und ihre Trainer Bianca Göttling (l.) sowie Anne-Kathrin Kwasny und Michael Jahns (hinten) in vorweihnachtlicher Stimmung. Fotos: Oliver Knoll (2)

Junge Mädchen aus dem Wittenberger Teil des Projekts „Kicking girls“ feiern mit ihren Trainern Bescherung in der Jahnschule.

svz.de von
23. Dezember 2013, 23:42 Uhr

Die Weihnachtsfrau hat heute keine Rute. Bianca Göttling, Fußballerin beim ESV Wittenberge, trägt einen Trainingsanzug und hat eine Trillerpfeife. Die braucht sie und die Pfeife wirkt Wunder. Tobten eben gerade noch 20 junge und fußballbegeisterte Mädchen durch den Pausenraum der Jahnschule, herrscht nach dem Pfiff Ruhe und Ordnung. Die jungen Kickerinnen sitzen auf ihren Stühlen und warten. Auf das der große Sack, den die Weihnachtsfrau und ihre beiden „Kollegen“, ESV-Trainer Michael Jahns und Spielerin Anne-Kathrin Kwasny, vor dem Tisch aufgebaut haben, sich bald öffne. Auf der Weihnachtsfeier des Projekts „Kicking girls“ steht die Bescherung unmittelbar bevor.

„Kicking girls“ ist eingebunden in „Intergration durch Sport“, ein Programm des Deutschen Olympischen Sportbundes. Zielsetzung ist es, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen Leben zu stärken und damit auch am Sport. Unterstützt wird das Projekt von der Laureus Sport for Good Stiftung. Bis 2014 sollen 30 regionale Projekte mit 3600 fußballbegeisterten Mädchen ins Leben gerufen und langfristig gefördert werden. In der Prignitz hat das Projekt, dass im Kreis am 16. Februar gestartet wurde, drei Standorte. Neben Wittenberge stehen in Perleberg Ulf Liebmann vom SSV Einheit und in Bad Wilsnack ESV-Spielerin Melanie Korbel den „kicking girls“ bei ihrem Versuch, die Prignitz zu erobern, mit Rat und Tat zur Seite und bringen ihnen die fußballerische Grundschule näher.

Das ist heute Nebensache. Statt Training wird heute gefeiert. Mit Keksen, Schaumküssen und Brause sowie Säften. Jetzt warten die Mädchen auf ihre kleinen Geschenke und werden vertröstet. Erst steht noch der Fototermin an. Dann ein paar Fragen. Und während im Erwachsenenbereich der ein oder andere Sportler etwas scheu im Umgang mit den Medien wirkt, gibt es hier keine Berührungsängste. „Es macht viel Spaß“, sagt die siebenjährige Phoebe. Dann meldet sich Jaana. Sie ist acht Jahre alt und kommt aus Estland. „Fußball ist toll und wir verstehen uns hier alle“, lautet ihre Einschätzung. Lea-Marie bringt mit ihren elf Jahren schon etwas Erfahrung mit: „Ich spiele schon seit zwei Jahren Fußball. Aber die Trainer hier bringen mir noch viel bei“.

Mittlerweile wird es wieder etwas lauter im Raum. Die Geschenke… Es ertönt ein Pfiff und es herrscht Ruhe. Von der Frage, welchen der drei Trainer die jungen Damen denn am liebsten haben, lassen sie sich nicht aufs Glatteis führen. „Wir wünschen allen drei Trainern ein gutes, neues Jahr“, kommt die diplomatische Antwort. Und die siebenjährige Alina setzt noch einen drauf: Ich wünsche mir, dass die Trainer gesund bleiben.“

Seit Februar betreuen Bianca Göttling, Anne-Kathrin Kwasny und Michael Jahns die Mädchen der Klassenstufen 1 bis 6, einmal pro Woche wird geübt. „Das Projekt geht über zwei Jahre, mal sehen, was dann übrig bleibt. Vielleicht spielen zwei oder drei Mädchen später weiter im Verein Fußball. Aber hier lernen sie auch Ordnung und Disziplin und wir passen auf, dass es keinen Zickenkrieg gibt“, erzählt Bianca Göttling.

Und woran erkennen die Trainer, wer Talent hat und wer nicht? „An der Ballführung, am Umgang mit dem Ball allgemein. Und am Ehrgeiz oder auch daran, dass man nicht so schnell aufgibt“, antwortet Michael Jahns. Zu mehr Fragen reicht es nicht mehr… die Geschenke.

Und die wollen die Mädchen nicht so ohne weiteres. Jaana sagt ein estnisches Weihnachtsgedicht auf, dann greift Bianca Göttling tief in den Sack und holt ein Präsent. Ein paar andere tun sich zusammen und singen ein Weihnachtslied. Viele, auch die Trainer, stimmen mit ein. Und wieder der Griff in den großen Sack… Bei leuchtenden Kinderaugen ist auch die Weihnachtsfrau zufrieden. Und braucht keine Pfeife mehr…

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen