Fussball : Vorfreude auf Geisterspiele wächst

Marco Michelis war Teilnehmer am ersten Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Am 11. März spielten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln im Borussia-Park vor leeren Rängen.  Fotos: privat (2)
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Marco Michelis war Teilnehmer am ersten Geisterspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Am 11. März spielten Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln im Borussia-Park vor leeren Rängen. Fotos: privat (2)

Tontechniker Marco Michelis hat wie Bundesligakicker Pause

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17. April 2020, 20:32 Uhr

„Für mich ist es jetzt ein neues Leben, quasi gefühlte Elternzeit. Die hatte ich ja bislang noch nicht. Die Kinder genießen die unfreiwillige Auszeit.“ So beschreibt Marco Michelis seine derzeitige Situation. Anders formuliert: Vom ausverkauften Stadion in der Fußball-Bundesliga in den heimischen Garten. Der gebürtige Bad Wilsnacker ist Tontechniker bei der Potsdamer Firma TopVision Telekommunikations GmbH & KO KG, die für diverse Fernsehsender Fußballspiele überträgt. Auch für Sky. Dazu kommen zum Beispiel Einsätze im Wintersport. Übertragungen von der Vierschanzentournee im Skispringen oder vom Biathlon-Weltcup.

Im Moment aber nicht. „Ich hatte noch als letztes das Montagsspiel am 9. März in Stuttgart gemacht, wo schon einige mit Mundschutz im Stadion waren. Es folgte dann am 11. März das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte in Mönchengladbach“, erzählt Marco Michelis. Und fügt an: „Das war schon ein komisches Gefühl. Sonst ist Gladbach gegen Köln ein Derby. Bei diesen Spielen habe ich schon viel erlebt. Aber diesmal kam es uns vor, als wäre es ein Testspiel. Und wir durften mit dem Team wegen der Ansteckungsgefahr nicht wie sonst durch den Spielertunnel.“

Zwei Tage später, am 13. März, ging es für ihn und sein Team nach Düsseldorf. Zur Partie gegen den SC Paderborn am Freitagabend um 20.30 Uhr. „Das wurde aber dann nach den kompletten Aufbau – wir hatten um 13 Uhr begonnen – um 16 Uhr abgesagt“, erinnert sich Michelis. Das bedeutete: Abbau der Technik und Heimreise.

Seitdem ist er, der acht Endspiele der Champions League live erlebte und bei Länderspielen im Einsatz war, in Kurzarbeit. Und bei der Familie in Potsdam. „Die Zeit verbringe ich natürlich Zuhause, die ersten zweieinhalb Wochen war der halbe Tag mit Schulunterricht schon verplant, am Nachmittag dann Freizeit im Garten oder das Projekt Keller wurde in Angriff genommen. Die Tischtennisplatte wurde reaktiviert. Jetzt werden die Sachen erledigt, wo man schnell immer gesagt hat, mache ich wenn ich Zeit habe“, erzählt Marco Michelis von seinem derzeitigen Alltag. An dem er dank der Familie mal Abschalten kann. „Wir wohnen ja direkt an der Döberitzer Heide, da radeln wir bei schönem Wetter durch und spätestens dann ist die Welt in Ordnung und man denkt keinen Augenblick mehr an Corona“, sagt er.

Im Normalfall jedes Wochenende in den Erst- und Zweitliga-Stadien der Republik unterwegs, da kennt Marco Michelis auch viele der Moderatoren und Kommentatoren. Einen etwas näher: Ulli Potofski. Der war bekanntlich im Dezember des vergangenen Jahres nach Vermittlung von Marco Michelis zu Gast in Bad Wilsnack. Dort hielt Potofski eine Buchvorlesung und kommentierte Spiele bei einem Hallenfußballturnier. „Mit Ulli hatte ich in der Spielpause Kontakt. Er hat ja jetzt sein neues Buch mit Wolfgang Bosbach an die Öffentlichkeit gebracht“, erklärt Michelis. Das gemeinsame Werk des Sportkommentators und des Politikers heißt „52: ein Jahrgang – zwei Leben“ und beschreibt den unterschiedlichen Werdegang der beiden im Jahr 1952 geborenen Personen.

Zurück zur vielleicht bald fortgesetzten Saison mit Geisterspielen. Konkrete Vorgaben wie es sich dann zu verhalten hat, die hat das Team der Produktionsfirma noch nicht bekommen. Marco Michelis freut sich aber, wenn es wieder losgeht. „Das ist im Moment so, als wenn es die Sommerpause wäre. Aber ich finde es gut, dass die Saison fortgesetzt wird. Auch mit Geisterspielen. Für uns bedeutet das ein sehr angenehmes Arbeiten“, erklärt er zum Abschluss. Dann kehrt Marco Michelis wohl bald in sein altes Leben zurück. Obwohl er das neue sehr zu schätzen gelernt hat.

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