Von Abwarten bis Abbruch

Der Fußball Landesverband hat beschlossen, den gesamten Spielbetrieb erst einmal bis zum 19. April zu unterbrechen. Der vorgesehene Spielplan gerät dadurch in Schieflage.
Der Fußball Landesverband hat beschlossen, den gesamten Spielbetrieb erst einmal bis zum 19. April zu unterbrechen. Der vorgesehene Spielplan gerät dadurch in Schieflage.

Prignitzer Fußballer zeigen Verständnis für Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 19. April / Nachholtermine bereiten Sorge

23-11368052_23-66107971_1416392404.JPG von
18. März 2020, 20:18 Uhr

Der Landesverband Brandenburg (FLB) setzt im Zuge der Coronavirus-Krise den kompletten Fußball-Spielbetrieb bis zum 19. April aus. Das teilte der Verband am Dienstagabend mit. Mit der Verlängerung der Frist, die zunächst bis 22. März galt, reagierte der FLB auf die Umsetzung der vorgegebenen Festlegungen der Bundesregierung durch die Landesregierung.

Ausgesetzt ist der komplette Spielbetrieb (Punkt-, Pokal- und Freundschaftsspiele) in allen Spielebenen des Verbandes und seiner Kreise. Darin eingeschlossen sind auch sämtliche Maßnahmen der Landesauswahlmannschaften, alle Trainer-Aus-, Fort- und Weiterbildungen sowie Schiedsrichterausbildungen. Gremiensitzungen werden abgesagt bzw. als Telefon-/Videokonferenz durchgeführt. Die FLB-Geschäftsstelle wird bis zum 19. April in einer Notbesetzung arbeiten und montags bis freitags von 8 – 15 Uhr unter 0355/4310220 telefonisch erreichbar sein. Darüber hinaus steht der gewohnte elektronische als auch postalische Weg zur Verfügung.

Bei unserer kleinen Umfrage bei Vereinen oder Funktionsträgern in der Prignitz wurde schnell deutlich: Verständnis überall, denn die Gesundheit hat Vorrang. Aber es wurden auch schon das ein oder andere Szenario, wie es denn weitergehen könnte, entwickelt.

„Wir als Verein haben entschieden, das Training auf unbestimmte Zeit auszusetzen, um kein Risiko einzugehen. Wir haben jedem Spieler freigestellt sich selbst für diese Zeit individuell fit zu halten. Der 19. April bedeutet erstmal, dass fünf Spieltage – wenn möglich – nachgeholt werden müssten. Was in meinen Augen schwierig erscheint, wenn es beim Start der neuen Saison am 10. August bleiben sollte. Es ist natürlich im Moment eine außergewöhnliche Situation für alle Vereine, sportlich wie gesellschaftlich!! Wichtig ist, dass alle gesund aus dieser Situation wieder herauskommen“, sagte Maik Arndt, Trainer der Landesligaherren des SSV Einheit Perleberg.

Auch für den Perleberger Nachwuchs „zählt zu allererst die Gesundheit aller und ich hoffe, dass wir gut diese Krise überstehen. In diesem Fall steht der Fussball hintenan. Wir werden die Entscheidungen des Verbandes befolgen und dann alles in Ruhe abarbeiten. Unsere Nachwuchskicker sind natürlich traurig, für uns alle ist der Sport schon ein Mittelpunkt des Lebens geworden“, erklärte Einheit-Jugendleiter Ulf Liebmann.

Bei den Fußballern im Kreis pausiert neben dem Spielbetrieb auch das Training. „Diese Situation ist alles andere als einfach. Aber völlig verständlich. Meine persönliche Meinung ist, die Saison so zu werten, wie sie im Augenblick ist. Der Tabellenführer steigt auf, die Mannschaften, die momentan auf einem Abstiegsplatz stehen, bleiben drin. Dann wird die Spielklasse halt aufgestockt. Ich glaube nicht, dass sich an der Lage schnell etwas verbessert. Und dann haben wir mehrere Wochen nicht trainiert, die Spieler sind nicht fit, die Verletzungsgefahr steigt. Daher wäre die sofortige Beendigung für mich die einzig richtige Lösung. Wann sollen denn die Spiele nachgeholt werden? Die ersten beiden Nachholtermine sind dann schon weg. Und nicht jeder Verein hat unter der Woche die Möglichkeit, Spiele nachzuholen“, sagte Manuel Roeseler, Trainer der Landesklasse-Elf von Veritas Wittenberge/Breese.

Saison beenden, Nachholspieltage, Saison verlängern, Ferien – damit befasst sich auch der Fußballkreis Prignitz/Ruppin (FKPR). „Wir befinden uns in einer Lage, in der es schwer ist, etwas vorauszusagen. Der Stand jetzt ist: Wir haben fünf, sechs Nachholspieltage. Das ist fast unmöglich, denn viele Vereine sind nicht in der Lage, in der Woche Spiele nachzuholen“, meinte der FKPR-Spielausschusschef Thomas Leitert.

Auch eine eventuelle Saisonverlängerung könnte sich als nicht einfach erweisen. „Falls es so etwas geben sollte, Ende Juni beginnen die Ferien. Und der Start der neuen Saison ist dann auch nicht mehr fern. Da sind ganz vielen Sachen zu bedenken. Wir müssen Geduld haben. Sollte die Saison nicht weitergehen, wird es Härtefälle geben. Aber wir sind hier in der aktuellen Situation nicht das Wichtisgte, haben keine Priorität“, sagte Leitert weiter.

Etwas entspannter gestaltet sich die Situation mit den Nachholspielen bislang noch in der Frauen-Kreisliga. „Es betrifft bis jetzt die restlichen beiden Spieltage der Vorrunde und die ausstehenden Nachholspiele. Wie es weitergeht, müssen wir dann im Spielausschuss und im Vorstand besprechen“, teilte Staffelleiterin Marlene Knoll mit.

Noch einmal zur Mitteilung des FLB: Der Verband begrüßt darin die solidarischen Initiativen von schon vielen Vereinen im Land, die sich um ihre Mitmenschen sorgen und für ältere Bürger oder Risiko-Erkrankte Botengänge übernehmen. „Solche Aktivitäten machen nicht nur stolz, sondern zeigen einmal mehr: Der Fußball vermittelt und lehrt nicht nur gesellschaftliche und menschliche Werte, er verbindet und zeigt uns allen – er ist was Schönes, aber nicht das Wichtigste“, heißt es dort.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen