Fussball : Ulli Potofski reißt Spiel an sich

Ein Kommentator, Moderator und Buchautor zum Anfassen: Ulli Potofski  begeisterte die Gäste bei seinem Auftritt in Bad Wilsnack.
Ein Kommentator, Moderator und Buchautor zum Anfassen: Ulli Potofski begeisterte die Gäste bei seinem Auftritt in Bad Wilsnack.

Kommentator und Autor unterhält Publikum bei Buchlesung in Bad Wilsnack nicht nur mit Fußballgeschichten

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27. Dezember 2019, 22:37 Uhr

Ein Fußballspiel im Fernsehen mit Ulli Potofski als Kommentator dauert in der Regel 90 Minuten. Eine als Fußballspiel mit Ulli Potofski deklarierte Buchlesung länger. Doppelt so lange. 180 Minuten. Im ausverkauften Nebenraum in der Bad Wilsnacker Karthanehalle haben die Besucher aber keine Sekunde der zusätzlichen Zeit bereut. Der Stargast aus dem Fernsehen unterhielt die Gäste, bezog sie aber auch mit ein.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt zum Jubiläum von Muttis Bester. Das Hallenfußballturnier Prignitzer Freizeitteams erlebte gestern seine 20. Auflage (Die Spiele waren bei Redaktionsschluss dieser Seite noch nicht beendet). Die Initiatoren Nico Schütt, Stephan Michelis und Marco Michelis, der die Verbindung zu Ulli Potofski herstellte, präsentierten dem Publikum schon vor dem Hallenkick einen Höhepunkt. Ein Vorspiel.

Dies begann Potofski offensiv. „Hört doch auf mit dem Beifall. Ich bin der Ulli“, begrüßte er die Gäste. Damit hatte der eingefleischte Schalke-Fan („Ich kann doch nichts dafür, ich bin dort geboren.“) die Partie an sich gerissen. In der ersten Häfte widmete sich der Autor von 14 Kinderbüchern der Jugend. Holte sie nach vorn und veranstaltete den ein oder anderen Quiz oder stellte mit ihnen den Dialog zwischen Reporter im Stadion und dem Studio oder ein Interview nach. Stets mit Humor. „In einem der Bücher geht es um einen jungen Spieler beim HSV, der sehr erfolgreich wird. Nun, das ist Science-Fiction“, sagte Potofski und brachte damit auch HSV-Fans zum Lachen.

„Ich kämpfe dafür, dass Kinder lesen“, erklärte der 67-jährige Ruhrpottler. Und seine Bücher basieren zum Teil auch auf eigene Erfahrungen. In Kapstadt in Südafrika betreute Potofski eine Zeit lang drei Nachwuchskicker aus einer Familie mit 13 Kindern. Auch daraus entstand ein Buch.

Die erste Halbzeit war beendet. Auch die Pause dauert bei Ulli Potofski länger. Rund 25 Minuten. Zeit für Gespräche, unterschreiben von Autogrammkarten oder signieren von Büchern.

Zu Beginn der zweiten Hälfte gerät der Gast kurz in die Defensive. Die Organisatoren überraschen ihn mit einer Einspielung seines Schlagerliedes „Ich kann an keinem Girl vorübergehen“. Das war 1969. Doch sofort übernahm Potofski wieder das Kommando auf dem Spielfeld: „Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit zu gehen“, nahm es der aus einer Bergmannsfamilie mit drei Kindern stammende gelernte Koch mit Humor. Nach seiner Lehre („Als Lehrling verdiente ich 50 DM im Monat.“) ging er zum Radio, später zum Fernsehen. Wurde bei RTL Sportchef. Erzählte von den Fernsehrechten an der Fußball-Bundesliga, die der Sender 1988 erwarb und die Sendung „Anpfiff“ startete. Es folgte Tennis. „Ich saß beim Turnier im Wimbledon im Studio in London. Die erste Woche nur Regen. Jeden Tag sechs Stunden Sendezeit. Wir hatten keine Alternativen. Da musste ich mich schon mal mit dem Maskottchen, einem Bärchen, vor dem Mikrofon unterhalten“, berichtete er.

Die Schlussphase des Spiels – das mittlerweile 165 Minuten andauerte – gehörte ebenfalls Potofski. Der erzählte von der Bambi-Verleihung 1989. Bei der Vergabe des Fernsehpreises setzte er sich gegen Günter Jauch und Thomas Gottschalk durch. Und, um bei einem Fußballspiel zu bleiben, auch die Pressekonferenzen mit dem Fußballkommentator scheinen anders zu verlaufen. Das lag aber eventuell an den Organisatoren. Die hatten Wegbegleiter und Kollegen von Ulli Potofski befragt. Der stellte diesmal keine Fragen, sondern lauschte den per Video eingespielten Urteilen seiner Mitstreiter. Nach 180 Minuten erfolgte der Abpfiff einer zu keiner Zeit langweiligen Partie.

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