Fussball : „Turbine war seit 1971 mein Kind“

Bernd Schröder (l.) war auf dem Neujahrsempfang des Landrates in Perleberg Gastredner und Laudator für Günter Scheminowski, der einen Preis für sein Lebenswerk erhielt. Hanno Taufenbach
Bernd Schröder (l.) war auf dem Neujahrsempfang des Landrates in Perleberg Gastredner und Laudator für Günter Scheminowski, der einen Preis für sein Lebenswerk erhielt. Hanno Taufenbach

Potsdamer Trainerlegende Bernd Schröder anlässlich seines Besuchs in Perleberg im Gespräch mit dem „Prignitzer“

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25. Januar 2019, 23:55 Uhr

Viel Zeit bleibt nicht. Auch wenn Bernd Schröder kein Amt als Fußballtrainer mehr bekleidet, so ist er doch eine gefragte Person. Am Mittwoch als Gastredner und Laudator auf dem Neujahrsempfang des Landrates im Deutschen Kaiser in Perleberg. Aber dennoch nahm sich der ehemalige Coach des 1. FFC Turbine Potsdam ein paar Minuten für ein Gespräch.

Das begann mit einem Rückblick in vergangene Zeiten. In der Prignitz. „Daran habe ich zu DDR-Zeiten riesengroße Erinnerungen. Fahrten nach Perleberg, Wittenberge oder Maulbeerwalde“, erzählte er von Auswärtsspielen mit seinen Kickerinnen. „Das gehört für mich zur persönlichen Erinnerungskultur“, fügte Schröder hinzu.

Im Anschluss erklärte der Potsdamer, der von 1971 bis 2016 Trainer der Turbine-Fußballerinnen war, diesen Begriff. Erinnerungskultur beschreibt so etwas wie Tradition. „Schön, dass das Ernst-Thälmann-Stadion in Wittenberge noch so heißt. Bei uns wäre das nicht möglich“, sagte Bernd Schröder. Und: Das hängt davon ab wie man zu seiner Gegend steht und wie man mit Tradition umgeht.“

Tradition hatten die Auftritte der vom heute 76-jährigen Schröder betreuten Turbine Teams in der Prignitz. Kurz nach der Wende, Ostern 1990, spielte Potsdam in Putlitz gegen Sachsenroß Hannover, später fand in Perleberg mal ein Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg statt. Nicht zu vergessen die Auftritte in Wittenberge. Erst 2009 und dann 2013 das Hochwasser-Benefizspiel. Damals verzichtete der Bundesligist auf Fahrt- und Antrittskosten sowie seinen Anteil an den Zuschauereinnahmen.

Nach 45 Jahren stand Bernd Schröder ein letztes Mal von der Trainerbank auf. Nach je sechs DDR- und Bundesliga-Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiegen sowie dem zweimaligen Gewinn der UEFA Women’s Champions League. Das war 2016. Ein Jahr später erhielt er vom DFB als siebter deutscher Trainer den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Gleichzeitig erschien sein Buch „Ein Trainerleben für den Frauenfußball“. Dazu kommen viele weitere Auszeichnungen. Der frühere Abteilungsleiter in einem Energieversorgungsunternehmen mag von denen besonders gern die mit praktischem Bezug. „Bei der Auszeichnung durch den Nordostdeutschen Fußballverband erhielt ich zudem die Goldene NOFV-Karte“, erzählte Schröder. Diese Karte berechtigt zu freiem Eintritt bei alles Spielen im NOFV-Bereich.

Wir bleiben bei 2016. Nach seinem Rücktritt erklärte Schröder, er wolle ein Jahr lang kein Heimspiel seines ehemaligen Teams besuchen. „Turbine war seit 1971 mein Kind. Es ist schwierig, dass da jetzt andere in deinem Wohnzimmer sitzen“, beschrieb er die damalige Situation. Und ging wirklich nicht ins Stadion. Wollte Gerede oder Spekulationen, wenn es unter seinem Nachfolger sportlich nicht gut laufen sollte, aus dem Wege gehen. Mittlerweile steht er bei den Turbine-Heimspielen wieder auf der Tribüne.

Auf knifflige Fragen gab Bernd Schröder schon immer Antworten mit guten Beispielen. Bisweilen zum Schmunzeln. In Anlehnung an die erfolgreiche Zeit des damals 66-jährigen Horst Hrubesch als Übergangstrainer der deutschen Frauennationalmannschaft fragten wir dem im Erzgebirge aufgewachsenen Schröder, ob denn nur ältere Herren die Frauen trainieren können. „Nein, Horst Hrubesch hatte es doch einfach. Die Bundesligavereine sind die Henne. Sie arbeiten zu. Und die Nationalmannschaft ist dann das fertige Ei. Aber es stimmt, mit Erfahrung und einer bestimmten Erscheinung hast du es leichter“, lautete seine Antwort.

Außerdem spielt auch der heute umfangreiche Trainerstab seiner Meinung nach eine große Rolle. „Ich hätte nie Erfolg gehabt, wenn nicht immer drei oder vier hinter mit gestanden hätte“, erklärte der sympathische Bernd Schröder zum Abschluss des kurzweiligen und doch mehrere Themen behandelnden Gesprächs… obwohl nicht viel Zeit blieb.

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