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Fussball : Skepsis gegenüber Ticker-Pflicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fußball-Landesverband plant Live-Berichtertstattung der Spiele ab Landesliga aufwärts im Internet

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 21:09 Uhr

Der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) will ab der kommenden Saison alle Klubs ab der Landesliga in die Pflicht nehmen, via dfb-Net live zu tickern. Das sorgt bei vielen Vereinen für Ärger und Kritik. Die sehen die zumeist ehrenamtlichen Helfer schon an der Belastungsgrenze und befürchten weniger Zuschauer. Im Fußballkreis Prignitz/Ruppin würde diese Neuregelung die Brandenburgligisten MSV Neuruppin und Schwarz-Rot Neustadt sowie aus der Landesliga Nord den SSV Einheit Perleberg betreffen.

Die Idee ist gut, wenn auch nicht neu: Amateurfußball live im Internet. Der FLB hat beschlossen, die Vereine in die Pflicht zu nehmen und so das DFB-eigene Portal fussball.de zu stärken. Dort soll ab der kommenden Saison von der Regionalliga bis in die Landesliga hinunter jedes Spiel live getickert werden. Als Pflicht. Eine konkrete Strafanordnung gegen Ticker-säumige Klubs gibt es in Brandenburg zwar laut FLB-Spielbetrieb-Koordinator Martin Hagemeister nicht. Aber ein Blick nach Süden zeigt: Schon jetzt sanktioniert der Bayrische Fußballverband nicht getickerte Spiele mit einer Gebühr. 30 Euro pro Spiel.

„Wir haben bei uns im Verein darüber diskutiert, die Meinungen sind verschieden“, sagte Einheit-Vorsitzender Frank Döring auf „Prignitzer“-Anfrage. „Ich finde es eine tolle Geschichte. Aber ich frage mich, was passiert mit den Zuschauern? Es wäre schade, wenn dann weniger kommen würden. Denn Fußball bedeutet doch nach wie vor auch die Geselligkeit, die der Besuch eines Spiels mit sich bringt“, fügte er hinzu.

Auch Karina Legde, Teambetreuerin von Schwarz-Rot Neustadt befürchtet einen Rückgang der Besucherzahlen bei den Partien. „Warum soll ein Zuschauer dann noch auf einen Fußballplatz gehen, dort Eintritt bezahlen, wenn er das Spiel durch den Liveticker doch kostenlos miterlebt und nebenbei noch auf der Couch liegen und Bundesliga gucken kann? Es wird wohl ziemlich leer auf unseren Sportplätzen werden, denn der Liveticker ist doch nur für die Zuschauer“, wird sie in der Märkischen Oderzeitung zitiert.

Die Neustädterin plädiert für den Ticker auf freiwilliger Basis: „Der Liveticker sollte weiterhin freiwillig und jedem Verein selbst überlassen sein. Trainer und Verantwortliche haben oft nicht den Nerv und die Zeit sich darum zu kümmern, können dafür aber auch nicht noch extra jemanden abstellen, der immer da ist.“

Eher gelassen sieht Frank Plokarz, Fußball-Abteilungsleiter des SSV Einheit Perleberg, dem Vorhaben des FLB entgegen. „Wenn der Verband diese Forderung stellt, dann wird uns auch etwas einfallen, um sie zu erfüllen. Es wurde schon darüber geredet, es findet sich bestimmt einer. Und wir haben ja bei uns im Verein schon Gruppen, die in den sozialen Netzwerken aktiv sind, dort Zwischenstände und Ergebnisse veröffentlichen“, berichtete Plokarz. Persönlich findet er den Liveticker eine „vom Grundsatz her gute Idee“ und sieht die Gefahr sinkender Besucherzahlen „eher weniger“.

Zusätzliche Kosten für Laptop oder Tablet sowie „die personelle Kraft lieber in andere ehrenamtliche Arbeit im Verein stecken“ und die Frage „Was passiert in einer Gegend mit schlechtem Empfang?“ werden von den Vereinen in Umfragen als weitere Argumente gegen den Ticker angeführt.  

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