zur Navigation springen

handball : Sechs Pässe bis zum Abschluss

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit dem 1. Juli gelten neue Handballregeln

Ab dem 1. Juli gelten im Handball die vom Weltverband IHF ausgearbeiteten und bei Profis und Amateuren kontrovers diskutierte Regeländerungen. Unter anderem führt der Weltverband eine Blaue Karte ein, um Regelverstöße in der Schlussphase eines Spiels härter zu ahnden. Auch das Zeitspiel wurde grundlegend überarbeitet. Die neuen Richtlinien werden auch beim heutigen Prignitz-Cup des PHC Wittenberge in der OSZ-Halle angewendet.

Doch wie drastisch sind die Neuerungen wirklich – und wie zu bewerten? „Ich finde einige Regeländerungen gut, manche sind aber auch unnötig“, sagte Marcin Feliks, Coach von Brandenburgligist PHC, im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf die Frage, für wen die Regeländerungen die größere Herausforderung seien, für Spieler oder Schiedsrichter, entscheidet sich der 37-Jährige klar für die Referees. „Durch die neuen Regeln wird mehr Druck auf die Schiris aufgebaut. Erfahrene Schiedsrichter können sicher damit umgehen. Junge und unerfahrene Unparteiische könnten aber, gerade bei knappen Spielständen, überfordert sein. Ich habe jedenfalls großen Respekt vor denen, die die Regeln anwenden müssen.“

Kein Leibchen für 7. Feldspieler

Der Torhüter darf weiterhin für einen siebten Feldspieler fliegend ausgewechselt werden. Neu ist, dass der Feldspieler kein Leibchen mehr tragen muss. Dann darf er aber nicht den eigenen Torraum betreten, sondern muss wieder gegen den Torhüter ausgetauscht werden. „Das ist eine rein taktische Sache. Es kann Vorteile für Mannschaften bringen, die das gut umsetzen können“, findet Marcin Feliks. Allerdings bürgt die Anwendung der Regel auch die Gefahr, dass die angreifende Mannschaft bei Ballverlust Gegentore durch Fernwürfe kassieren kann.


Passives Spiel

Gravierendste Änderung ist die neue Regelung des Zeitspiels. Um zeitlich ausufernde Angriffe zu vermeiden, hat die Mannschaft in Ballbesitz nach der Anzeige des Vorwarnzeichens (gehobener Arm des Schiedsrichters) künftig nur noch maximal sechs Pässe für den abschließenden Torwurf, bevor die Referees das Zeitspiel abpfeifen. Bislang lag diese Entscheidung im Ermessen der Schiedsrichter. „Da bin ich gespannt, wie die Schiedsrichter auf diese Regeländerung reagieren. Wenn zum Beispiel der zweite Pass defensiv nach hinten gespielt wird, pfeifen sie dann schon ab?“, äußerst Marcin Feliks seine Skepsis und fügt hinzu: „Die Schiedsrichter werden schon sehr beansprucht. Und wenn dann das Publikum in der Halle die Pässe laut mitzählt…“


Blaue Karte

Die Blaue Karte wird zusätzlich zu Gelb und Rot eingeführt. Damit wird nach einer Roten Karte angezeigt, dass ein Zusatzbericht des Schiedsrichters folgt, der weitere disziplinarische Maßnahmen wie Sperren nach sich ziehen kann. „Diese Regelung finde ich gar nicht so verkehrt. Man spart sich unnötig Diskussionen am Kampfrichtertisch und längere Spielunterbrechungen“, meint der PHC-Trainer dazu.


Die letzten 30 Sekunden

Statt in der letzten Minute werden nun grobe Regelwidrigkeiten oder verhinderte Würfe (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf) in den letzten 30 Sekunden besonders hart geahndet. Der Spieler erhält nun eine Rote Karte (ohne Bericht) und der Gegner einen Siebenmeter.

Allerdings werden „normale“ Fouls auch in den letzten 30 Sekunden nicht automatisch mit einem Siebenmeter bestraft. „Bei dieser Regel müssen die Schiedsrichter, gerade in engen Spielen, mit viel Fingerspitzengefühl agieren“, findet Marcin Feliks und gibt zu bedenken: „Ein Team, das mit einem Tor zurückliegt, könnte kurz vor Schluss einen Strafwurf provozieren, den vielleicht der eigene Torwart hält. Dann hätte man selbst noch die Chance auf den Ausgleich.“


Verletzte Spieler


Ein verletzter Spieler, der auf dem Spielfeld medizinisch behandelt wird, muss künftig zwingend das Feld verlassen und darf erst nach drei abgeschlossen Angriffen seiner Mannschaft zurückkehren. Kommt er vorher zurück, wird auf Wechselfehler entschieden. Ausgenommen davon ist ein Torhüter, der nach einem Kopftreffer liegen bleibt. Als einzige der neuen Regeln gilt diese nicht bei den Amateuren und Nachwuchsbereich. „Find ich gut. Aber wir sind ja keine Profis“, meint Marcin Feliks zu dieser neuen Regel. „Manche Gästeteams reisen manchmal ja nur mit sieben, acht Feldspielern an. Wenn dann noch der eine oder andere eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen muss, haben die ja keine Wechselmöglichkeiten mehr.“
zur Startseite

von
erstellt am 22.Jul.2016 | 22:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen