Schießbetrieb wird aufrecht erhalten : Schützengilde kämpft um Existenz

Schützenkönigin Angelika Körber (M.) mit ihrem 1. Ritter Dieter Körber (2. v. r.) und der 2. Hofdame Ute Günther präsentieren sich nach der Proklamation gemeinsam mit Bürgermeister Oliver Hermann (r.) und dem Gildepräsidenten Ingo Rodowski (l.).
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Schützenkönigin Angelika Körber (M.) mit ihrem 1. Ritter Dieter Körber (2. v. r.) und der 2. Hofdame Ute Günther präsentieren sich nach der Proklamation gemeinsam mit Bürgermeister Oliver Hermann (r.) und dem Gildepräsidenten Ingo Rodowski (l.).

Nachwuchstraining wohl erst wieder 2021

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26. August 2020, 22:00 Uhr

Die Schützengilde Wittenberge von 1582 steckt in einer schwierigen Situation. Der unerwartete Tod von Trainer Jörg Dittmann hat ein großes Loch in das Vereinsleben gerissen. Die Schützen haben – um bei der Sportart zu bleiben – derzeit Ladehemmung. Die wollen Gilde-Präsident Ingo Rodowski und seine Mitstreiter beseitigen, krempeln die Arme hoch und suchen nach Wegen in die Zukunft. Leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Aber Rodowski und Co. geben nicht auf.

Ein Rückgang der Mitgliederzahlen von 223 auf 195, momentan kein Training und Wettkampf für die Jugend. Auch die Kooperation mit der Elblandschule ruht derzeit. „Wir können das Jugendtraining im Moment nicht gewährleisten. Wir haben keine Aufsicht“, erzählt Ingo Rodowski. Und es fehlt der Trainer. Das ist der aktuelle Stand. Bitter für den Schützenverein mit vielen sportlichen Erfolgen und Tradition. Aus dem Olympiasieger wie Norbert Klaar oder Uwe Potteck, Militär-Weltmeisterin und Olympia-Teilnehmerin Stefanie Thurmann sowie Junioren-Weltmeister Martin Behrendt hervorgegangen sind.

Beim Thema Trainer/ Übungsleiter hat der Verein zuerst den Hebel angesetzt. „Vier Mitglieder nehmen an dem im Oktober beginnenden Übungsleiterlehrgang des Kreissportbundes statt. Damit haben wir eine neue Grundlage gefunden, um 2021 wieder Jugendarbeit zu machen“, sagt der Gilde-Präsident. Der dann nicht alle neuen Coaches gleich voll in die Verantwortung schicken will, sie sollen erstmal das „Rückgrat in Sachen Fördermaßnahmen sein“. Denn wird die Zahl an erforderlichen Übungsleitern nicht erfüllt, bleiben die Fördergelder von den Sportbünden aus.

Rodowski hätte fast noch einen großen Coup gelandet. Er stand in Kontakt mit Norbert Klaar. Der Goldmedaillengewinner von Montreal 1976 sollte einmal die Woche in Wittenberge Training anbieten. Bei der Finanzierung hätte der Landesschützenbund der Gilde unter die Arme gegriffen. Fahrtkosten und Übernachtung wären auch geregelt worden. Doch Klaar bildet – obwohl Rentner – ab und zu Lehrlinge aus. Da passte Wittenberge nicht mehr in den Zeitplan. „Diese Absage hat mich sehr traurig gemacht“, gesteht Rodowski.

Ein Rückschlag, aber der Chef der Wittenberger Schützen kämpft weiter. Und erfährt Unterstützung. Rund 20 Mitstreiter stehen an seiner Seite. Ehemalige Aktive aus dem Nachwuchsbereich wollen organisatorische Aufgaben übernehmen. Die lagen bislang fast ausschließlich in der Verantwortung von Jörg Dittmann. Auch die Wettkämpfe.

„So etwas wie die internationale Schießsportwoche wird es vorerst nicht geben. Wir haben ja keine Einnahmen, können keine Kampfrichter bezahlen. Hast Du keine Kampfrichter, kann Du noch nicht mal Kreismeisterschaften ausrichten. Dann können sich deine Sportler auch nicht für die Landes- oder die Deutschen Meisterschaften qualifizieren“, erklärt Rodowski. Die für Anfang September in Wittenberge geplanten Landesschützentage waren schon vorher wegen Corona abgesagt worden.

In Zukunft will die Schützengilde zunächst einmal kleinere Wettkämpfe ausrichten. „Die Idee ist, interne Veranstaltungen zu machen. Warum nicht mal ein Frühjahrsschießen oder einen Wittenberger Schützenpokal? Oder wir suchen den besten Wittenberger Schützen. Nicht nur während des Schützenfestes, sondern über einen längeren Zeitraum. Und warum sollen denn nicht Sportler anderer Wittenberger Vereine daran teilnehmen? Wir müssen Aufmerksamkeit erlangen“, sagt Ingo Rodowski, der die Tradition der Gilde unbedingt beibehalten will.

Der Schießbetrieb geht weiter. Künftig wohl bei neuen Öffnungszeiten. Vorgesehen sind Mittwoch, Freitag und Samstag. Näheres gibt der Verein demnächst bekannt. Der Vorsitzende endet mit einem Appell, um die momentane Ladehemmung zu beseitigen: „Wir wollen den Jugendsport am Laufen halten, aber dafür brauchen wir die Unterstützung aller Mitglieder.“

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