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Sport in der Prignitz

18. November 2017 | 00:18 Uhr

Tanzen : Richterin trübt EM-Erlebnis

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fragwürdige Verwarnung wirft Wittenberger Rock’n’Roll-Paar Johanna Wolf/Niklas Bahr bei Europameisterschaft in Kaliningrad weit zurück

von
erstellt am 14.Mai.2014 | 06:51 Uhr

Unglücklich verlief die Europameisterschaft (EM) im Rock’n’Roll im russischen Kaliningrad für Johanna Wolf und Niklas Bahr vom Eddie’s Rock’n’Roll-Club aus dem Tanzcentrum Wittenberge. Die Schützlinge von Trainerin Sybille Rösel belegten nach einer für viele nicht nachvollziehbaren Verwarnung in der Schülerklasse den 27. Platz von 29 Startern. Und auch das Paar aus dem Tanzcentrum Stendal, Pauline und Lucas Dobberkau, erhielt beim Start in der Juniorenklasse eine Verwarnung und landete weit hinten im Feld. Die Familien Bahr und Wolf beschreiben hier ihr „Abenteuer Kaliningrad“, außerdem fragte „Der Prignitzer“ nach bei Nicole Bahr, der Mutter von Niklas.

Statt der erwarteten vier- bis zwölfstündigen Wartezeit am Grenzübergang von Polen nach Russland, trafen die Prignitzer auf freundliche und hilfsbereite Grenzpolizisten und erreichten nach einem einstündigen Stopp an den Grenzen nach zwölfstündiger Anreise Kaliningrad. Sicher chauffiert – und das auch auf der Rückreise – von den Vätern von Johanna und Niklas.

Das Drei-Sterne-Hotel in Kaliningrad entpuppte sich als eine kleine Baustelle. Abenteuerlich erwies sich die Einnahme des Frühstücks. Unter Zeitmangel durfte man dabei nicht leiden. War Brot da, gab es keine Messer, gab es Kaffee, konnte man keine Tasse finden, wollte man Saft, gab es keine Gläser. Auch der Versuch, das Auto zu betanken, scheiterte vorerst kläglich an der Sprachbarriere. Nach einer halben Stunde Erklärungen mit Händen und Füßen hatten die Familien ungefähr verstanden, wie in Russland Autos getankt werden. Dennoch behielten alle ihren Humor.

Der zweite Tag begann mit einer Militärparade. Es folgte eine dreistündige Stadtrundfahrt. Die Gruppe traf dabei auf Ljuba, eine gebürtige Kaliningraderin, die Deutsch unterrichtet. Die Prignitzer waren auf geschichtlichen Pfaden des alten Ostpreußens unterwegs, inklusive Besuch des Ostseebades Rauschen, und fanden in Ljuba eine sehr aufgeschlossene und interessierte Einheimische, die viel zeigte und erklärte, was nicht nur von Niklas Bahr und Johanna Wolf interessiert aufgenommen wurde. Beim Abschied wünschte Ljuba den Tänzern, dass sie gewinnen mögen. Niklas Bahr konnte sein erlerntes Schulrussisch anwenden, die anderen mussten schnell feststellen, dass Englischkenntnisse nicht gefragt waren. So war Johanna´s Opa, der gelegentlich dolmetschen und viel erklären konnte, eine große Hilfe.

Es folgte der Wettkampf um den EM-Titel. Angekommen am Yantari Sportkomplex, ein neu erbautes großes Gebäude, bemerkte Niklas Bahr beeindruckt: „Diese Halle ist der Vater der O2 World“, und zog Vergleiche zu der Halle in Berlin. Leider wurden die deutschen Rock’n’Roll-Paare vor Ort nicht vom Bundestrainer betreut. Andreas Dudos musste wegen Krankheit absagen. Spontan nahm Tanzcentrum-Trainerin Sybille Rösel fast alle deutschen Paare der Schüler- und Juniorenklasse unter ihre Fittiche.

Beim Wettkampf wurde erstmals international nach neuen Bestimmungen gewertet. Niklas Bahr und Johanna Wolf erhielten nach ihrer Vorrunde aus ihrer Sicht ungerechtfertigt eine gelbe Karte. Verteilt von der obersten Wertungsrichterin der EM, der Slowenin Miriam Kerpan Izak. „Wir haben sie nach dem Grund gefragt und sie hat gesagt, Johanna hätte nicht regelkonform getanzt, das ginge so nicht“, berichtete Nicole Bahr auf Nachfrage.

Ein von der obersten Richterin verwarntes Paar steht nicht mehr so in der Gunst der übrigen Wertungsrichter und bekommt niedrige Noten. Die Prignitzer waren geschockt. „Es ist schwierig, das dann den Kindern klar zu machen“, sagte Nicole Bahr, die auf die Frage nach der Reaktion von Trainerin Sybille Rösel antwortete: „Auch sie war geschockt. Sie konnte es sich nicht erklären“.

Die Gründe für die Verwarnung müssen im Nachhinein durch den Bundestrainer geklärt werden. Trotz allem zeigten beide Paare Nervenstärke, lieferten eine prima Leistung in der Hoffnungsrunde ab und erhielten jeweils die endgültige Platzierung 27.

Zu den Finalrunden füllten 4000 Zuschauer die Halle. Es war erkennbar, welchen Stellenwert der Sport in Russland hat und mit welcher Begeisterung die russischen Paare unterstützt wurden. „Das würden wir uns für unsere Paare auch wünschen. Unsere deutschen Sportler wurden sehr umschwärmt und oft und ausgiebig zu Fotoshootings gebeten. Ebenso ganz neu für unsere Kinder“, schilderten die Eltern ihre Eindrücke. Den EM-Titel in der Schülerklasse gewannen Sergey Svirin/Angelina Mushto (Russland) vor Marty Delatorre/Ophélie Portillo (Frankreich) und Oleksandr Yankovskiy/ Varvara Filatova (Ukraine). Das zweite deutsche Paar, Elisabeth und Johannes Horsch aus Neutraubling belegte Rang 26.





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