Fussball : Odyssee endet nach 247 Tagen

Der Gülitzer Angreifer Andy Wolgast (M., hier gegen Fortuna Babelsberg) erlebte acht interessante Monate im Umgang mit Sportgerichten. Am Ende stand sein Freispruch.
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Der Gülitzer Angreifer Andy Wolgast (M., hier gegen Fortuna Babelsberg) erlebte acht interessante Monate im Umgang mit Sportgerichten. Am Ende stand sein Freispruch.

Andy Wolgast vom SV Rot-Weiß Gülitz wurde vom Landessportgericht freigesprochen

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17. Juni 2016, 22:31 Uhr

Die sportgerichtliche Irrfahrt, die Rot-Weiß Gülitz mit seinem Angreifer Andy Wolgast in den letzten Monaten erlebte, sucht ihresgleichen. Seit dem 10. Mai 2016 steht aber fest, dass sich der Kampf für Gerechtigkeit gelohnt hat. Der Fußballer der Prignitzer Landesklasse-Elf wurde in allen Vorwurfspunkten freigesprochen.

Begonnen hatte die Geschichte am 6. September 2015 in der 104. Minute des Kreispokalspiels Eiche 05 Weisen – Rot-Weiß Gülitz. Der damalige Schiedsrichter bestrafte Wolgast nach einer vermeintlich rassistischen Äußerung. Grundlage der Entscheidung war die Deutung des Assistenten, der gesehen haben wollte, dass sich die Lippen des Gülitzer Spielers bewegt hatten und daraus frei interpretierte, dass die Äußerungen von ihm stammen mussten.

Bereits zum damaligen Zeitpunkt machten die Offiziellen des Vereins als auch der Spieler darauf aufmerksam, dass der Vorwurf ohne klare Beweise im Raum stand. Nichtsdestotrotz erteilte der Fußballkreis Prignitz/Ruppin eine Sperrstrafe wegen grober Unsportlichkeit von vier Pflichtspielen. Dies geschah, obwohl im offiziellen Spielbericht lediglich eine Gelb-Rote Karte beim betroffenen Spieler vermerkt worden war.

Aus diesem Grund legte der SV Rot-Weiß Gülitz Einspruch gegen die verhängte Sperrstrafe des Fußballkreises ein und forderte den Sonderbericht, der die Basis des Urteils bildete, an. Ohne dass dem Sportverein der Sonderbericht – trotz mehrmaliger Aufforderung - zugesandt wurde, verhandelte das Sportgericht den Fall am 22. Oktober 2015.

Das Urteil gab wiederum neue Rätsel auf. Das Sportgericht des Fußballkreises verurteilte Andy Wolgast nun zu einem Spiel Sperre im Pokalwettbewerb wegen der im Spielbericht eingetragenen Gelb-Roten Karte. Die Rote Karte wegen der vermeintlich rassistischen Äußerungen wurde nicht mehr gewertet. Neu hinzu kam aber ein anderer Punkt. Der Spieler erhielt wegen einer Schiedsrichterbeleidigung eine Sperrstrafe von zwei Pflichtspielen. Welche Aussagen der Spieler getätigt haben sollte, wurde dem Verein wiederum nicht mitgeteilt. Außerdem wurde auch der Sonderbericht nicht verlesen. Dies führte dazu, dass das Urteil aus Gülitzer Sicht unangemessen ausfiel, was zur Folge hatte, dass das Rechtsmittel der Berufung eingelegt wurde.


Einladung verursacht Kopfschütteln


Die erste Berufungsverhandlung fand am 7. Dezember 2015 in schriftlicher Form statt. Der Sportgerichtsvorsitzende des Landesverbandes Brandenburg hatte bis zum Zeitpunkt der Verhandlung keinerlei Unterlagen vom Fußballkreis erhalten, so dass er die Berufung als erfolgreich beurteilte. Als Ergebnis wurde das Sportgerichtsverfahren aufgrund von Verfahrensmängeln an das Sportgericht des Fußballkreises mit dem Hinweis der Neuverhandlung zurückverwiesen.

Zweieinhalb Monate später fand die geforderte Neuverhandlung in Heiligengrabe statt. Zum Erstaunen der Gülitzer Verantwortlichen erhielten sie die Einladung mit dem Zusatz „Es brauchen keine Vertreter beider Vereine vor dem Sportgericht erscheinen, denn dieses Verfahren wird schriftlich verhandelt!“.

Anstatt in diesem Fall das Verfahren neu zu verhandeln, sollten wohl Kosten gespart werden und so kam es zum nächsten Kopfschütteln. Das zweite Urteil entsprach inhaltlich exakt dem ersten. Es wurden lediglich einige Worte ergänzt sowie die bemängelten Formfehler korrigiert. Der Sonderbericht, der den Vorwurf der Strafe gegen Andy Wolgast beinhalte, lag dem Verein immer noch nicht vor.

Nach dem Übermitteln des ergänzten Urteils legte der Sportverein erneut Berufung ein. Dieser Schritt zeigte erste Wirkung und die Gülitzer erhielten am 23. März 2016 endlich den Sonderbericht des Schiedsrichters.


Sportgericht vertagt Entscheidung erneut


Am 21. April fand in Eberswalde eine mündliche Anhörung statt, bei der sich alle Anwesenden nochmals zu den Geschehnissen äußerten. Das Sportgericht war sich nach eigener Aussage aber immer noch nicht sicher und vertagte die Entscheidung erneut, um einen weiteren Zeugen zu befragen. Zu dieser Verhandlung kam es am 10. Mai. Im Vorfeld stellten die Gülitzer nochmal ausführlich ihre Sicht der Dinge dar und forderten einen Freispruch. In der Anhörung konnte wiederum nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass die Anschuldigungen gegen den Gülitzer Spieler der Wahrheit entsprachen. Daher beendete das Landessportgericht nach ausgiebiger Beratung die Odyssee mit einem Freispruch für Andy Wolgast.

Wolgast selbst kommentierte die ganze Angelegenheit im Anschluss nur kurz: „Danke nochmal für die ganzen Bemühungen. Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, teilte er auf der Homepage der Rot-Weißen mit. 


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