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Jens Voigt : Noch einmal im Radsport Vollgas geben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit 42 Jahren ist Jens Voigt der älteste Radprofi in der Weltspitze

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Im Rennen stets nach vorne, im Gespräch stets geradeheraus: Auch mit 42 Jahren weicht Jens Voigt keinen Zentimeter von seiner Linie ab. Entsprechend antwortet der älteste Radprofi auf die Frage nach seiner 17. Tour-Teilnahme, die ihn zum Rekordhalter machen würde: „Ich weiß gar nicht, ob ich das will. So ein gefährliches Rennen, in meinem Alter, mit sechs Kindern“, sagt Voigt: „Und wenn, will ich nicht aus Mitleid zur Tour - sondern nur im Wissen, dass ich gut genug bin.“

Sonntag startet der „ewige Jens“ bei der Tour Down Under in Australien in seine 18. Profi-Saison. Es wird die letzte sein, auch wenn Voigt die Bestätigung in einen seiner typischen Sätze packt: „Ich möchte nicht das Gefühl haben, mich nicht mehr anstrengen zu müssen, weil ich keinen neuen Vertrag mehr brauche. Daher sage ich manchmal, es ist nur wahrscheinlich die letzte Saison“, sagt Voigt: „Ich will mir Druck machen, denn ich möchte die letzte Saison fahren wie alle anderen, mit Vollgas und Kampfgeist.“

Der gebürtige Mecklenburger ist ein Phänomen: In den USA wird er wegen seiner offensiven Fahrweise ebenso verehrt wie in Frankreich und Belgien. In der deutschen Öffentlichkeit, die beinahe jeden Radsportler reflexartig an den Doping-Pranger stellt, genießt er uneingeschränkte Sympathie. Und sportlich ist Voigt immer noch über jeden Zweifel erhaben. „Es ist ein großes Glücksgefühl, mit 42 einen Vertrag zu haben, mit Jungs zu fahren, halb so alt wie ich“, meint Voigt: „Kopf und Körper sagen aber: Es ist langsam gut, ein Jahr noch, dann lass uns mal in Ruhe.“

Noch aber hat das „Moped“, wie sie ihn mitunter nennen, Sprit im Tank. Deshalb war es für das neu formierte Team Trek keine Frage, den Senior trotz reduzierten Etats zu verpflichten. Bei der Team-Präsentation in Roubaix saß Voigt als einer von nur vier Fahrern auf dem Podest, mit den Schleck-Brüdern und Olympiasieger Fabian Cancellara. Letzterer witzelte dabei über Voigts Alter. „Ich habe breite Schultern, ertrage das. Und die jungen Kerle fühlen sich besser dadurch“, sagt Voigt: „Das geht ständig so. Die fragen mich manchmal: Wie war das denn damals in der Eiszeit mit Dir und den Mammuts? Hast Du die aussterben lassen?“

Mit Gelassenheit formuliert Voigt auch die Ziele für seine letzte Saison. Die Tour, die er seit 1998 stets bestritten und geprägt hat? „Natürlich ist sie das Größte. Die letzten beiden Male lief sie sehr gut für mich. Vielleicht sollte ich einfach sagen: Lass es gut sein.“ Und überhaupt: „Ich hatte meine Tage im Rampenlicht. Wenn es am Ende des Jahres im Team heißt: War schön, dass Du noch da gewesen bist, du hast uns geholfen. Oder ein junger Fahrer sagt: War toll, dass Du noch mit mir gefahren bist, ich habe etwas gelernt. Dann war es ein gutes Jahr.“

An dessen Ende wird sich Voigt im Gefühl in den Ruhestand verabschieden, dass „der Radsport in Deutschland in guten Händen“ ist: „Wir haben großartige Sprinter mit John Degenkolb und Marcel Kittel, mit Tony Martin einen super Zeitfahrer, Talente, die locker für mich einspringen können. Da kann nix schiefgehen.“ Wohin der Weg des ewigen Ausreißers ab 2015 führt, ist offen. „Meine Erfahrungen habe ich mit Blut, Schweiß und Tränen erkauft. Die wegzuwerfen, wäre Verschwendung. Ich werde dem Sport verbunden bleiben“, sagt Voigt: „Aber selber Fahrrad fahren - nie im Leben! Ich werde jede sportliche Aktivität verweigern, für mindestens ein Jahr!“

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