fussball : Nach 20 Jahren leise Tschüss gesagt

Einer der schönsten und emotionalsten Momente in der Laufbahn von Michael Jahns: Seine Mannschaft gratuliert ihm zur Wahl des Trainers des Jahres auf der Sportlergala 2012 in Karstädt.
Einer der schönsten und emotionalsten Momente in der Laufbahn von Michael Jahns: Seine Mannschaft gratuliert ihm zur Wahl des Trainers des Jahres auf der Sportlergala 2012 in Karstädt.

Michael Jahns zog sich nach zwei Jahrzehnten Trainer im Wittenberger Frauenfußball mit vielen schönen Erinnerungen zurück

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07. Dezember 2018, 23:00 Uhr

Der Abgang vollzog sich eher leise. Ein Mann der lauten oder vielen Worte war Trainer Michael Jahns nie. Eher bescheiden und sympathisch. Rund 20 Jahre betreute er die – unter verschiedenen Vereinsnamen – auftretenden Wittenberger Frauenfußballteams. In diesem Sommer war Schluss, Jahns übergab die Mannschaft an Patric Kamprad und Maria Lenz.

„Bei einem Freundschaftsspiel wurde ich angesprochen. Die Mädels bestritten gerade das Vorspiel. Und so habe ich die Mannschaft dann 1998 von Heini Muschke übernommen“, berichtet Michael Jahns von seinen Anfängen als Coach der Frauen. Angesprochen wurde er übrigens von den damaligen Spielerinnen Susi Kintat und Birgit Brun. Die erste Saison – das Team nahm am Spielbetrieb in der Altmark teil – war nicht einfach. Es gab hohe Niederlagen. „Die Frauen mussten sich erst hocharbeiten. Das wollten sie, kamen immer wieder zum Training“, erzählt Jahns.

Aus der Altmark wechselten die Wittenberger Kickerinnen in den Spielbetrieb nach Mecklenburg-Vorpommern. Erneut Großfeld. Weite Fahrten. Aber der Trainer war begeistert. „Das war mit die beste Zeit. Die Frauen haben das alles so gut organisiert. Die Spielerinnen von auswärts wurden unterwegs auf dem Weg nach Schwerin oder Rostock eingesammelt“, schwärmt er. Nach zwei Jahren, das ESV-Team hatte zu wenig Spielerinnen für das Großfeld, folgte erst einmal der Rückzug vom Spielbetrieb.

Und ist es schwer, Fußballerinnen zu trainieren? „Du musst ein Mittelmaß finden. Nicht zu streng, nicht zu sehr Kumpel. Ich habe versucht, nie irgendwelche Spielerinnen zu bevorzugen. Aber dennoch gab es Zickereien“, antwortet der ehemalige Ringer und langjährige Fußballer Jahns. Und er nennt seine persönliche Vorgehensweise in so einem Fall: „Ich habe nur gesagt, auf dem Platz seid ihr eine Mannschaft. Hinterher könnt ihr euch wieder anschreien.“

Nach dem Großfeld-Aus und einer einjährigen Pause ging es auf dem Kleinfeld weiter. Die erfolgreichste Zeit mit vielen Titeln auf dem Feld und in der Halle schloss sich an. In der Prignitz und weiterhin in Mecklenburg-Vorpommern. In den jeweiligen Kreisligen. Probleme, die Kickerinnen trotz vieler Erfolge zu motivieren, gab es nicht. „Wir wollten dann das Triple aus Meister, Pokalsieger und Hallenmeister erneut schaffen. Oder mal eine gesamte Serie ohne Gegentor spielen“, nennt Michael Jahns die Ziele von damals.

Heute hat das Team, das jetzt für Veritas Wittenberge/Breese spielt, starke Konkurrenz im Kreis. Der SSV Einheit Perleberg – mit der ehemaligen ESV-Spielerin Karo Torster – hat in der vergangenen Saison den Wittenbergern erstmals das Double weggeschnappt. Das erkennt Michael Jahns an. „Hut ab, was Karo da alles aufgebaut hat“, sagt er.

Überhaupt ist er voll des Lobes über die von ihm trainierten Fußballerinnen. „Das wichtige war der Zusammenhalt. Sie haben mir auch viel abgenommen, bei Turnieren alles selber organisiert. Spaß haben auch die Feiern und Trainingslager gemacht. Zum Beispiel der Hochseilgarten in Neukloster. Oder wenn ich zu Hause Hilfe brauchte, haben die Spielerinnen einen Arbeitseinsatz daraus gemacht“, berichtet Jahns. Der aber auf jeden Fall auch die Rolle seiner Frau Karin hervorheben möchte: „Sie hat von Anfang an ohne irgendwelche Probleme toll mitgezogen.“

Das hat Michael Jahns ebenfalls. Und bekam neben den Siegen auf Rasen oder Parkett auch abseits davon viel Beifall. „Das schönste Dankeschön für mich war der Ehrenamtspreis des Deutschen Fußballbundes 2009. Wir haben ein Wochenende in Köln verbracht, ein Bundesligaspiel im Stadion gesehen“, denkt er gern daran zurück. Oder die Auszeichnung zum Prignitzer Trainer des Jahres bei der Sportlerwahl 2011.

Erinnerungen, die immer bleiben werden. Wie auch der Kontakt zur Mannschaft. „Ich gehe mal beim Training vorbei oder schaue mir auch mal die Spiele. So ganz kann ich doch nicht loslassen“, sagt der 61-jährige Jahns. Aber nicht weil ihm langweilig ist. Im Gegenteil. „Montags spiele ich mit meiner Frau in einer Volleyball-Gruppe, ich engagiere mich im Ortsclub von Lindenberg und in einer Sicherheitspartnerschaft. Dazu kommt Angeln als Hobby. Einmal im Jahr fahren wir mit einer Gruppe von Fußballern nach Norwegen“, zählt er seine Aktivitäten auf. Ganz nebenbei und kurz.

Eben ohne viele Worte und laute Worte. Und Michael Jahns bleibt anscheinend so wie in seinen 20 Jahren als Frauentrainer: Bescheiden und sympathisch.

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