Super Euro Ride : Mit dem Rad über Pyrenäen und Alpen

Angekommen: Jürgen Bertkau (l.) und seine Mitstreiter auf dem Gipfel des Mont Ventoux, bekannt durch die Tour de France.
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Angekommen: Jürgen Bertkau (l.) und seine Mitstreiter auf dem Gipfel des Mont Ventoux, bekannt durch die Tour de France.

Jürgen Bertkau absolviert Super Euro Ride mit Bergetappen durch fünf Länder / In 21 Tagen 19 Etappen mit 2 556 Kilometern und rund 46 000 Höhenmetern

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12. August 2016, 22:06 Uhr

Jürgen Bertkau ist bekannt für seine Leidenschaft für den Radsport. Neben Rennen auf der Straße sucht der Wittenberger mit der beruflichen Wahlheimat Minden öfter mal die Herausforderung. So die Teilnahme an der Tour SwissAlpenRide, die mehrtägige Überquerung der Schweizer Berge, oder Start bei einem Rennen am Rand der Rocky Mountains während eines Canada-Urlaubs. Jetzt setzte er noch einen drauf: Jürgen Bertkau absolvierte den Super Euro Ride. Eine 21-tägige Tour mit 19 Etappen durch Spanien, Andorra, Frankreich, Italien und die Schweiz. Dabei sind 2 556 Kilometer und rund 46 000 Höhenmeter zurückzulegen.

Insgesamt 29 Frauen und Männer – nach Leistungsstärke aufgeteilt in drei Gruppen – nahmen an der von der Schweizer Firma Zollinger Radsportreisen organisierten Tour teil. Dabei wurden die Pyrenäen von West nach Ost durchquert, weiter ging es entlang des Mittelmeeres durch die Provence. Ab Nizza befuhr der Tross die Route des Grandes Alpes und überquerte zum Abschluss den Grimselpass und die Große Scheidegg in der Schweiz.

Zunächst ging es ans Meer. Der Prolog startete in Durango, in der Nähe von Bilbao. Das erreichte Jürgen Bertkau mit Verspätung. Der ursprüngliche Flug von Hannover nach Bilbao fiel aus. Beim Umweg über Frankfurt musste er in der Mainmetropole acht Stunden warten. Aber dann war es geschafft. Fast. Am nächsten Morgen wurden noch die Räder präpariert.

„Ich bin kurz vorher bei einem Rennen in Malliß gestürzt und habe dabei meine Maschine zerlegt“, erzählt Bertkau. Mitgebracht hatte er seinen Sattel und die Pedalen. Die wurden an das Leihfahrrad montiert.

Dann ging es los. Der erste Abschnitt führte über 92 Kilometer. Ansonsten waren die Etappen zwischen 52 und 178 Kilometer lang. Begleitet wurden die Sportler von zwei Fahrzeugen. Beladen mit dem Gepäck der Teilnehmer sowie Reparaturmaterial. „Wir haben eigentlich wie die Profis aus der Tasche gelebt“, sagt Jürgen Bertkau.

Die Gruppe erreicht Pamplona. Einen Tag bevor dort in den Straßen das Stierrennen stattfand. Von dort aus geht es erstmals in die Pyrenäen und über die Grenze nach Frankreich. Auf der Schlussabfahrt in Richtung Zielort Oloron verlangen Nebel und Weidetiere auf der Straße den Super-Euroridern noch einmal alles ab. Dann war mit 173 Kilometern und 3035 Höhenmetern eine der längsten Etappen der Tour geschafft. Zum besseren Verständnis: Es wurden natürlich auf jeder Etappe Pausen eingelegt. Mit Verpflegung. „Es gab viel Obst, Energieriegel“, berichtet Jürgen Bertkau. Unterwegs. Abends wurden die Energiereserven aufgefüllt.

Die folgenden Tage führte die Route über den, durch die Tour de France bekannten, Col d’Aubisque, durch den Wallfahrtsort Lourdes, über die Tour-Berge Col de Tourmalet, Col d’Aspin sowie Col de Peyresourde. Vor der 5. Etappe erlebten die Super-Eurorider zunächst eine unruhige Nacht. Frankreich hatte am Abend das EM-Halbfinale gegen Deutschland gewonnen und feierten das mit allem, was dazu gehörte – inklusive der mit Inbrunst gesungenen Nationalhymne.

Am nächsten Tag ging es wieder über vier Pässe. Darunter der Col de Port Aspet. Dort verunglückte der italienische Radsportler Fabio Casatelli bei der Tour 1995 tödlich. Die Gruppe hielt kurz am Denkmal an. Nach sieben Etappen gab es dann den ersten Ruhetag. Cap d’Agde, direkt am Mittelmeer. „Ein wenig locker radeln und dann ab zum Baden“, beschreibt Jürgen Bertkau das Programm Radsportler aus der Schweiz, Deutschland, England, Neuseeland und Frankreich an diesem Tag.


Auf dem Gipfel des Mont Ventoux


Dann wird wieder in die Pedalen getreten. Zum Mont Ventoux. Einen Tag, bevor die Tour de France dort fährt. Es ist voll. Wohnmobile, Begleitfahrzeuge, viele andere Radsportler. Doch Jürgen Bertkau („Einmal wurde ich fast von einem Wohnmobil abgedrängt.“) meistert die durchschnittlichen Steigung von sieben Prozent. „Und wir waren auf dem Gipfel – die Tour-Etappe einen Tag später endete wegen des starken Windes sechs Kilometer unterhalb des Gipfels“, erklärt das Mitglied des ESV Wittenberge.

Vom Zentralmassiv wieder in Richtung Mittelmeer. Vorbei am Grand Canyon du Verdon nach Nizza. Das erreichen die Sportler einen Tag nach dem Anschlag auf Promenade des Anglais. Erst beeindruckt von der Natur, jetzt beeindruckt von der Gewalt. Nach dem Ruhetag legt die Gruppe bei der Abreise Blumen am Tatort nieder.

Es ging wieder in die Berge. Eine 24 km lange Anfahrt zum Col de la Bonette. „Und dort oben lag tatsächlich noch Schnee“, erzählt Jürgen Bertkau über ziemlich frische Augenblicke auf dem Gipfel. Ähnlich war es auf dem Col du Galibier, mit 2645 m Scheitelhöhe der fünfthöchste asphaltierte Alpenpass. Oder auf dem Col d’Iseran mit 2770 m.

Die abschließenden drei Etappen führen durch die Schweiz. Der Kleine und der Große Sankt Bernhard, der Grimselpass und die Große Scheidegg werden überquert. Auf dem Weg zum Etappenziel Grindelwald gibt es noch ein besonderes Erlebnis. „Da war eine Kapstraße mit bis zu 20 Prozent Steigung. Außerdem kann es dort Gegenverkehr geben. Und wenn es der Postbus ist – der hat immer Vorfahrt“, erinnert sich Jürgen Bertkau.

Einen Tag später war es geschafft. 29 Velofahrer wurden mit Applaus und Musik in Zug empfangen. Jeder Teilnehmer bekam eine Urkunde und das Finisher-Trikot. Und so darf sich auch Jürgen Bertkau jetzt offiziell „Bergfloh“ nennen.

„Ich wollte das einfach mal machen und habe mich schon 2015 dafür angemeldet“, nennt der 58-jährige Wittenberger seinen Beweggrund für die Teilnahme an der Super Euro Ride Tour. Billig waren die drei Wochen mit Unterkunft und Verpflegung nicht. Außerdem hat er dafür seinen Jahresurlaub genommen. Aber das ist halt Jürgen Bertkau. Bekannt für seine Leidenschaft für den Radsport.


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