Schiessen : Liebesgrüße aus Moskau

Konzentriert das Ziel im Blick: Stefanie Thurmann feierte mit EM-Einzelgold den bislang größten Erfolg ihrer Laufbahn.
Konzentriert das Ziel im Blick: Stefanie Thurmann feierte mit EM-Einzelgold den bislang größten Erfolg ihrer Laufbahn.

Stefanie Thurmann, Europameisterin mit der Luftpistole, über ihr Comeback nach dem Babyjahr und vor Olympia 2016 in Rio

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08. März 2014, 06:28 Uhr

Die heutigen sozialen Netzwerke machen vieles möglich. Auch ein spontanes Interview mit einer Europameisterin. Stefanie Thurmann, in Perleberg geborene und bei der Wittenberger Schützengilde von 1582 ausgebildete Pistolenschützin, gewann vor vier Tagen in Moskau die Goldmedaille mit der Luftpistole (Der „Prignitzer“ berichtete). In ihren „Liebesgrüßen aus Moskau“ – in Anlehnung an den James Bond-Klassiker – schilderte sie ihren Weg zum Titel nach dem Babyjahr und ihre Planungen bezüglich der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro in Brasilien.

„So, die Heimat ist also immer noch an mir interessiert. Freut mich“, beginnt Stefanie Thurmann die Konversation. Ist es ihr schwer gefallen, nach dem Babyjahr wieder in den Leistungssport zurückzukehren? „Was heißt schwer..., als junge Mama, Thore ist gerade 10 Monate alt geworden, muss man seinen Tagesablauf gut organisieren und braucht die nötige Unterstützung. In erster Linie natürlich durch meinen Mann und die Großeltern, die sich gerade um unser Baby kümmern, so dass ich mir hier in Moskau keine Sorgen machen muss“, antwortete sie.

Sorgen machen wohl eher beim spannenden Finale um den EM-Titel. Denn vor dem letzten Durchgang lag ihre Nationalteamkollegin Monika Karsch mit 178,5 Ringen an der Spitze, gefolgt von Stefanie Thurmann mit 176,7 Zählern. Doch mit 10,1 und 10,0 zog die ehemalige Wittenbergerin dann an Karsch vorbei und holte sich mit insgesamt 196,8 Ringen die Goldmedaille.

Die Organisation des privaten Umfelds und das sportliche Resultat wäre damit abgehakt. Aber wie war es mit der Rückkehr in den Schießsport? „Schwer war es nicht, nach der Pause wieder reinzukommen, aber ich habe wirklich von der Pike auf wieder alles antrainieren müssen. Nach dem Mutterschutz lag der Schwerpunkt zwei Monate nur auf Rückbildung und Ausdauer. Dann habe ich einen Monat lang dazu spezielle Kraft trainiert, zum Beispiel Haltetechnik. Und dann einen Monat lang nur Technik, aber ohne Beobachtung. Aber der Plan von meinem Trainer Karl-Heinz Urban hat super funktioniert“, erklärt die Sportsoldatin.

Auf Sohn Thore passten in den Trainingsstunden Familie, Freunde oder sogar die Bundeswehr auf. Manchmal fuhr ein junger Sportler vom Verein in Frankfurt/Oder mit dem Nachwuchs spazieren. Für das Comeback der Sportlerin war das schon eine große Hilfe. Über die 2. Bundesliga und kleinere Pokalwettkämpfe (so wie in jungen Jahren schon bei Trainer Jörg Dittmann) trainierte sich Stefanie die nötige Wettkampfstärke an.

Und wie schätzt sie ihren Erfolg ein? „Der Titel ist wohl neben der Teilnahme bei Olympia das Tollste überhaupt in Sachen Schießen. Ich wollte immer mal, dass die Deutschlandhymne nur für mich gespielt wird. Das war großartig. Mein Trainer, meine Familie, mein Verein und ich natürlich selbst auch, sind stolz auf mich“, sagt sie.

Im Jahr 2008 war Stefanie Thurmann Olympiateilnehmerin in Peking. Hat sich Rio 2016 im Visier? „Natürlich ist Rio mein Ziel. Ich bin Hochleistungssportlerin und ich will und werde weiterhin hart trainieren, um noch einmal bei den Olympischen Spielen an den Start zu gehen und auch dort probieren, Medaillen zu holen. Aber das ist noch ein weiter langer Weg mit großen Herausforderungen, die mir bevorstehen.“

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