Leichtathletik : Laufen ist mehr als nur ein Hobby

Über 4000 Kilometer läuft Jörg Schulze, hier bei der Moormeile in Bad Wilsnack, pro Jahr.
Über 4000 Kilometer läuft Jörg Schulze, hier bei der Moormeile in Bad Wilsnack, pro Jahr.

Jörg Schulze trainiert vor Marathon bis zu 130 km in der Woche / Lindenberger investiert pro Jahr vierstelligen Betrag in seinen Sport

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22. November 2019, 22:24 Uhr

Faszination Laufsport: Ob schon in jungen Jahren oder im hohen Alter . Ob als Freizeitjogger oder ambitionierter Sportler mit Teilnahme an Wettkämpfen – Laufen ist in. Auch in der Prignitz. Die Veranstaltungen werden von den Aktiven genutzt. Zwei Sportler aus dem Kreis starten nicht nur hier bei Läufen. Sie sind in ganz Deutschland, teilweise auch in Europa unterwegs. Wie oft? Wer finanziert das? Was sagt die Familie dazu? Und vor allem: Warum? Nach Yvonne Loock (siehe Ausgabe vom vergangenen Samstag) fragte „Der Prignitzer“ jetzt Jörg Schulze vom Lauftreff Bentwischer Wald im ESV Wittenberge.

„Laufen ist für mich mehr als nur ein Hobby“, sagt Jörg Schulze. Als er vor 18 Jahren mit dem Laufen anfing ahnte er nicht, dass dieser Sport sein Leben irgendwann mitbestimmen wird. Als Kind und Jugendlicher widmete sich Schulze der Leichtathletik als Weit- und Dreispringer bei Dynamo Neuruppin. Später spielte er auch Handball, hörte aber dann während des Studiums mit Anfang 20 mit dem Sport gänzlich auf.

Die Pause dauerte zehn Jahre. Jörg Schulze, inzwischen in der Prignitz beheimatet kam durch ein Fitness-Center zum Laufen. Für die Erwärmung ging er regelmäßig auf das Laufband. Irgendwann war die Zeit auf dem Laufband dann länger geworden, als die an den Geräten. Das fiel Reiner Schwarz auf. Der Trainer sprach ihn an, ob er nicht mal mit zum Rennsteiglauf kommen wolle.

Und so fuhr der Prignitzer im Mai 2002 zu seinem ersten Wettkampf zum Rennsteig-Marathon. „Völlig untertrainiert war ich froh, nach diversen Krämpfen das Ziel erreicht zu haben. Im gleichen Jahr habe ich mich dem Lauftreff Bentwischer Wald angeschlossen. Jede Menge Lauferfahrungen konnte ich hier sammeln, aber auch Spaß und viele tolle Feiern waren hier angesagt“, erzählt Schulze von seiner Laufkarriere.

Doch zu mehr als drei- bis viermal die Woche Training kam es zunächst nicht. Die Kinder waren klein und die Ansprüche an Erfolge eher bescheiden. Inzwischen hat sich das geändert. „Vor etwa sieben Jahren bin ich dann als Gesundheitsberater einer Krankenkasse vom Innen- in den Außendienst gewechselt. Seitdem konnte ich meine Arbeitszeit meinem Training wesentlich besser anpassen. Aktuell trainiere ich fünf- bis siebenmal die Woche“, berichtet Schulze.

Sein Training ist sehr strukturiert, die Jahreshöhepunkte bestimmen die Trainingsintensität. Das bedeutet, wenn er für einen Marathon trainiert, dann über zwölf Wochen möglichst jeden Tag. „Das ist sehr anstrengend und zeitintensiv. 120 bis 130 Wochen-Kilometer kommen da zusammen. Profi-Athleten kommen locker auf das Doppelte-Pensum. Ausdauersportarten sind im Vergleich zu anderen Sportarten zeitlich aufwendiger. Im Jahr laufe ich über 4000 Kilometer“, sagt Jörg Schulze.

In der jüngeren Vergangenheit absolvierte der Lindenberger knapp 20 Wettkämpfe pro Jahr. Die Entfernungen und der Aufwand sind sehr verschieden. Angefangen von den Wettkämpfen in der Prignitz um den Prignitz-Cup bis in diesem Jahr zum Düsseldorf-Marathon, zum Rennsteiglauf nach Thüringen und zur Senioren-EM nach Venedig. „Für Startgelder, Reisekosten, Hotelübernachtungen und Ausrüstung gebe ich pro Jahr einen vierstelligen Betrag aus“, erklärt Jörg Schulze.

Pro Jahr braucht er drei Paar neue Laufschuhe. Aktuell besitzt der Läufer acht davon. Diese teilen sich in Trainings- und Wettkampfschuhe ein. Die Wettkampfschuhe unterteilen sich noch auf die Laufuntergründe und Streckenlängen. Für Waldboden hat er andere Schuhe als für Asphalt. Dazu gilt sein Augenmerk auch stets den neuesten Schuhentwicklungen.

Der Rückhalt in der Familie, hier speziell durch seine Frau Kerstin ist Jörg Schulze sehr wichtig: „Sie hält mir so oft den Rücken frei. Ich könnte den Sport nicht so intensiv und erfolgreich betreiben ohne sie. Als Ausdauersportler bist du oft auf einem Ego-Trip unterwegs. Inzwischen ist sie auch Mitglied im Lauftreff Bentwischer Wald. Nicht als Wettkampf-Läuferin, sondern wegen der Gesundheit und der Geselligkeit. Zu großen Wettkämpfen und schönen Orten kommt sie auch mit.“

Momentan gestaltet sich das Training nicht so einfach. „Das Training in den Wintermonaten Dezember und Januar ist eher schwierig, weil es auch schon mal glatt ist und viel zu früh dunkel. Ich fahre dann die Umfänge zurück, laufe mit Warnweste und teilweise unter Laternenlicht. Im Februar geht es dann wieder richtig los“, berichtet Jörg Schulze. Der übrigens keinen Lieblingsuntergrund hat. Er findet Crossläufe wie Stadtmarathons gleichermaßen reizvoll.

Herausforderungen gibt es für den Lindenberger noch jede Menge. „Ich habe noch Ehrgeiz und Spaß am Laufen, so lange die Gesundheit es erlaubt. Auf der einen Seite Läufe wie New York-, Boston- oder London-Marathon. Aber da will meine Frau nicht hin. Sie findet Rom oder Barcelona interessanter. Vielleicht laufe ich auch mal den Super-Marathon über 73,5 Kilometer am Rennsteig. Es bleibt spannend“, sagt er.

Auch für ihn gilt: Erfolge wie der Sieg im Halbmarathon beim Schweriner Fünf-Seen-lauf, der Landestitek über 5 000 Meter, Platz sieben bei den Deutschen Meisterschaften im Marathon oder der erneute Gesamtsieg im Prignitz-Cup 2019 spornen an. „Auch mit 53 als Altersklassen-Läufer oder sogenannter Agegrouper: Ich habe die Möglichkeit, direkt gegen die ganz Großen zu laufen. Beim Frankfurt-Marathon zum Beispiel habe ich mich zehn Meter neben Arne Gabius und den besten Kenianern warm gelaufen. Ich starte aufgrund meiner Bestzeiten immer im ersten Block, direkt hinter den Super-Stars. Das ist schon toll. Das kann man im Fußball oder Handball eher nicht erleben“, erzählt er begeistert.

Laufen ist aber nicht nur Wettkampf, sondern dient auch der Gesundheit, dem Stressabbau und hält den ganzen Körper fit. „Läufer werden gesünder alt“, meint der ESV-Sportler, der im kommenden Jahr weniger intensiv trainieren und um die Wette laufen will. Erholung muss auch mal sein. 2021 in der AK M55 will er wieder richtig Gas geben. Auch das ist Faszination Laufsport…

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