Kein Heimspiel ohne „Schemi“

Günter Scheminowski (r.) erhielt auf dem Neujahrsempfang des Landrates einen Preis für sein Lebenswerk. Neben ihm sein Laudator Bernd Schröder.
Günter Scheminowski (r.) erhielt auf dem Neujahrsempfang des Landrates einen Preis für sein Lebenswerk. Neben ihm sein Laudator Bernd Schröder.

Bürgerpreisträger Günter Scheminowski organisiert weiter Veritas-Auftritte im Thälmann-Stadion / Seit 1954 Fußballzeitschriften gesammelt

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01. März 2019, 23:31 Uhr

In Sachen Fußball macht Günter Scheminowski keiner etwas vor. Seit 66 Jahren Vereinsmitglied, davon lange als Aktiver auf dem Rasen gestanden und nach der sportlichen Karriere auf Funktionärsebene die Geschicke des Clubs geleitet, aktuell immer noch im erweiterten Vorstand des FSV Veritas Wittenberge/Breese in beratender Funktion tätig. Seine Verdienste wurden durch zahlreiche Ehrungen von Verein, Stadt, den Fußballverbänden auf Landes- und Kreisebene sowie Landes- und Kreissportbund gewürdigt. In diesem Jahr kam eine weitere Auszeichnung hinzu: Der von Landkreis und Sparkasse gestiftete Bürgerpreis in der Kategorie „Lebenswerk“.

„Ich war absolut überrascht. ,Was ist denn hier los?’ habe ich mich gefragt“, erinnert sich Günter Scheminowski an die Preisübergabe durch Trainer-Legende Bernd Schröder auf der Feierstunde im Hotel Deutschen Kaiser in Perleberg. „Aber es hat mich sehr gefreut. Es war was besonderes in diesem Rahmen. Und Bernd Schröder kenne ich auch seit vielen Jahren. Die Betonung auf Lebenswerk hört sich dann ja doch schon ein wenig alt an. Aber ich sehe das anders. Bei mir geht es ja noch weiter“, fügt er hinzu.

Es geht weiter. Der in Ostpreußen geborene Scheminowski ist nach wie vor für die Organisation der Veritas-Heimspiele im Ernst-Thälmann-Stadion verantwortlich. Er kümmert sich unter anderem um den Einsatz der Kassiererinnen und Ordner oder auch um die Abrechnung der Schiedsrichterkosten.

Mehr als sechs Jahrzehnte am und mit dem runden Leder unterwegs – da fallen doch Vergleiche zwischen früher und heute leicht? „Ja, das fängt schon mit dem Material an. Ich habe 1953 noch mit geschnürten Bällen gespielt. Hat es dann geregnet oder geschneit, haben die sich vollgesogen und waren sehr schwer. Heute spielen doch schon die jüngsten Kicker mit hochwertigen Bällen“, erzählt Scheminowski. Und er nennt ein zweites Beispiel: „Hattest du früher was am Meniskus, bist du zu einem Arzt nach Thüringen gefahren und hast dann für sechs Wochen eine Schiene bekommen. Jetzt ist es ja fast schon so, dass du heute operiert wirst und morgen wieder spielst“. Eins legt „Schemi“, so der Spitzname des heute 79-Jährigen, noch drauf. „Wenn ich so an die Transportfrage denke. Zu den ersten Spielen sind wir noch auf der Ladefläche eines Lastkraftwagens gefahren. Heute hat doch fast jeder Verein schon mindestens einen Kleinbus“, erzählt er.

Seine Erzählungen sind immer sachlich. Bescheiden. Ruhig. Mit einem großen Erfahrungsschatz im Hintergrund. Auch die Geschichte von der Zusammenarbeit mit der Presse. Die lief früher irgendwie anders. „Nach einem Spiel haben wir den Bericht zum Prignitzer in die Wilhelmstraße gebracht. Dort wurden wir vertröstet. Der Artikel könne aus Platzgründen morgen wahrscheinlich nicht erscheinen, weil die Redaktion die Aufgabe hatte, eine ganze Seite zu Ernteeinsätzen zu produzieren“, berichtet Günter Scheminowski, der bis 1972 selbst aktiv spielte. Im Anschluss war er als Übungsleiter, Trainer, Funktionär und Schiedsrichter im damaligen Bezirk Schwerin, später auch als Schiedsrichter-Lehrwart sowie nach der Wende bis Ende September 2018 als Veritas-Geschäftsführer tätig. Dabei wollte er letztgenannten Posten – eigentlich kaum zu glauben – im Jahr 2002 schon aufgeben. Da sprach dann Ehefrau Ute ein Machtwort. „Du brauchst Abwechslung. Mach weiter – hat sie damals gesagt“, beschreibt Scheminowski heute seinen damaligen Rücktritt vom geplanten Rücktritt.


Seit 1954 die FuWo und den Kicker gesammelt

Noch einmal zurück zum Erfahrungsschatz. Der Bürgerpreisträger aus Wittenberge hat auch ein umfangreiches Archiv. „Seit der Weltmeisterschaft 1954 habe ich die Fußballwoche, die FuWo, gesammelt, nach der Wende bis heute dann den Kicker. Jede Ausgabe“, sagt „Schemi“. So etwas spricht sich herum. Sportbuchautor Andreas Baingo wollte ein Werk über den FDGB-Pokal veröffentlichen. Aus einer Spielzeit fehlte ihm das Resultat einer Partie mit Beteiligung von Veritas Wittenberge. Günter Scheminowski konnte helfen. Er stieg in den Keller, schaute nach und lieferte die gewünschte Information.

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