Fussball : Karfreitag: Fußball trotz Verbots?

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Feiertagsgesetz des Landes Brandenburg untersagt Sportveranstaltungen - Landesverband setzt trotzdem einige Pflichtspiele an

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07. April 2017, 22:34 Uhr

Die Ansetzung des Fußball-Kreispokalspiels zwischen dem Herzberger SV und dem FK Hansa Wittstock für den 14. April sorgt für Verwirrung. Denn dieses Datum ist der Karfreitag. Ein hoher kirchlicher Feiertag zwei Tage vor dem Osterfest. Und am Karfreitag sind laut Feiertagsgesetz des Landes Brandenburg Sportveranstaltungen verboten.

Das hatten auch Leser unser Zeitung bemerkt und fragten nach. Bislang ist noch nicht geklärt, ob das Spiel – im Internet unter fussball.de für den 14. April terminiert – tatsächlich am Karfreitag stattfinden wird. „Wir müssen das prüfen. Und mit dem Kreissportbund abklären“, sagte Carmen Noack auf „Prignitzer“-Anfrage. Die Leiterin des Ordnungsamtes des Amtes Lindow – in dessen Zuständigkeitsbereich Herzberg liegt – wusste nichts von dieser Ansetzung und will sich auch noch mit den Verantwortlichen des Fußballkreises in Verbindung setzen.

Das Gesetz über die Sonn- und Feiertage (Feiertagsgesetz - FTG) des Landes Brandenburg vom 21. März 1991 verbietet Sport-, Tanz- und sonstige Veranstaltungen am Karfreitag. Unter Paragraf 6 heißt es dort im ersten Absatz: „Öffentliche Sportveranstaltungen sind verboten: am Karfreitag, am Totensonntag bis 11 Uhr und am Vortag des Weihnachtsfestes (Heiliger Abend) ab 13 Uhr“. Beim Vorliegen eines dringenden Bedürfnisses – so Paragraf 8 – kann die Kreisordnungsbehörde von den Verboten Ausnahmen zulassen. Wer dennoch Sportveranstaltungen durchführt, handelt laut Paragraf 10 ordnungswidrig. So eine Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

Die Ordnungswidrigkeit feststellen müsste vor Ort die Polizei. „Aber wenn wir von den Ordnungsämtern keine Mitteilung erhalten, wissen wir ja auch von nichts“, erklärte Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Die Beamten fahren eher zu einem Spiel, wenn „dort Störungen zu erwarten sind oder wir von den Vereinen auf mögliche Störungen hingewiesen werden“.

Angesetzt hatte die Partie Herzberg gegen Wittstock der Pokal-Staffelleiter des Fußballkreises Prignitz/Ruppin, Silvio Wöllmann. „Beide Mannschaften haben sich auf diesen Termin geeinigt“, erklärte Wöllmann. Nach seiner Aussage seien schon öfter Fußballspiele auf Kreisebene von Ostprignitz/Ruppin am Karfreitag ausgetragen worden. Grund dafür sind unter anderem Spielabsagen. „Wir haben viele Spielausfälle und so viele Nachholtermine gibt es ja auch nicht“, meinte Wöllmann.

Nach unseren Recherchen gab es im Bereich des bis zum Jahr 2014 bestehenden ehemaligen Fußballkreises Prignitz zumindest in den vergangen 20 Jahren keine Pflichtspiele auf Landes- oder Kreisebene am Karfreitag. Zuständig in der Prignitz in solchen Fällen wären dann auch die jeweiligen Städte, Ämter oder Gemeinden, nicht der Landkreis. Der kümmert sich um die Belange im öffentlichen Raum, schreitet dann zum Beispiel bei Umleitungen des Verkehrs oder Straßensperren ein.

Die gibt es auch nicht am Karfreitag in Bresch. Dort treffen sich seit einigen Jahren immer an diesem Feiertag die Geländefahrer mit ihren Ein-, Zwei- oder Vierspännern zum gemeinsamen Training auf einem Privatgrundstück. Es handelt sich dabei nicht um einen ausgeschriebenen Wettkampf und Richter sind bei dieser Reitsportveranstaltung auch nicht dabei.

Zurück zum Fußball. Die beiden weiteren Nachholspiele im Kreispokal-Viertelfinale zwischen dem Zernitzer SV und Veritas Wittenberge/Breese sowie zwischen dem SV Buckow und Union Neuruppin finden am Ostermontag statt. Und wird am Feiertag in Herzberg gespielt? Diese Frage stellt sich auch in Sieversdorf. Dort ist ebenfalls für Karfreitag (12 Uhr) das Nachholspiel in der Fußball-Landesliga der Frauen zwischen der SG Sieversdorf und 1. FFC Turbine Potsdam III angesetzt.  

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