Turnen : Jubilarin erobert das Fernsehen

Maria Rieck mit einem Bild, das die Kirche und das Jahn-Museum in Lanz zeigt. Die Jubilarin engagiert sich sehr für den Geburtsort und die Gedenkstätte des Turnvaters.
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Maria Rieck mit einem Bild, das die Kirche und das Jahn-Museum in Lanz zeigt. Die Jubilarin engagiert sich sehr für den Geburtsort und die Gedenkstätte des Turnvaters.

Maria Rieck feiert morgen ihren 80. Geburtstag

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04. Januar 2018, 21:54 Uhr

„Ich bin ganz schön aufgeregt“. Ein Satz, der aus dem Mund von Maria Rieck etwas merkwürdig klingt. Aber in diesem Fall verständlich. Die Turnerin der TG 1863 Wittenberge vollendet morgen das achte Jahrzehnt ihres Lebens. Wie es sich für eine stets aktive Sportlerin gehört – bei bester Gesundheit.

Und dennoch aufgeregt. Der 80. Geburtstag. Eine größere Feier. Zahlreiche Gratulanten. Sicher der Hauptgrund. Aber Maria Rieck darf sich auch feiern lassen. Als junge Sportlerin war sie in der Region ebenso bekannt wie später als Lehrerin, als Generationen von Prignitzer Mädchen ihren Sportunterricht erlebten. Oder als sympathische Verfechterin der Anerkennung für Lanz, dem Geburtsort von Turnvater Jahn. Nicht zuletzt heute noch als aktiver Gast auf Sportfesten und als Leiterin von Sportkursen in der TG 1863 Wittenberge.

Dem ist allerdings noch etwas hinzuzufügen: Die Jubilarin ist demnächst auch ein „Fernsehstar“. Torsten Michels vom rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) drehte die 45-minütige Dokumentation „Gesund statt alt – Wie Sport hilft, fit zu bleiben“. Darin stellen die Turnerin Maria aus Wittenberge, Leichtathlet Ralf (77 Jahre) aus Werder/Havel und der Berliner Kraftsportler Leopold (85) ihre ganz eigenen Fitness-Programme für Spaß und Gesundheit vor. Lebensbejahend und humorvoll zeigen sie, dass die Risiken beim Sporttreiben in hohem Alter kleiner sind als die positiven Nebenwirkungen.

Zwei Tage begleiteten Michels und sein Team Maria Rieck in der Prignitz. Waren bei den Übungsstunden dabei. Sprachen mit ehemaligen Schülerinnen (und heute ebenfalls Übungsleiterinnen) „der strengen, aber gerechten“ Lehrerin. Und statteten zusammen mit ihr auch der Hausärztin einen Besuch ab. „Maria hat doch nie was. Da wird es erst ernst, wenn sie mit dem Kopf unter dem Arm durch die Tür kommt“, lautete die ärztliche Diagnose. Ein Rezept für ihre Fitness verrät die Jubilarin: „Mein tägliches Programm mit Spagat und Kopfstand.“

Die Auswirkungen sind in der Dokumentation, die der RBB am 17. Januar (Mittwoch) um 21 Uhr ausstrahlt, zu sehen. Die drei Senioren gehen jeden Tag sportlich durchs Leben und erhalten sich so ihre körperliche und geistige Fitness. Das Trio bestätigt dabei den allgemeinen Trend: Runter von der Coach, rein in die Sportvereine. Bei den über-60-Jährigen sind in Berlin mehr als 100 000, in Brandenburg über 60 000 Senioren in Sportvereinen angemeldet.

Zum Turnen kam Maria Rieck 1953 durch eine Klassenkameradin. Bald wurde sie Übungsleiterin bei der BSG Lokomotive. Die Ausbildung schloss sich an. „Sportlehrerin war mein Berufswunsch“, berichtet sie. „Durch ihre fröhliche und lebensbejahende Art ist Maria überall gern gesehen“, beschrieb der damalige KSB-Geschäftsführer Holger Lattorf vor zwei Jahren auf der Sportgala in Bad Wilsnack – dort wurde Maria Rieck für ihr Lebenswerk ausgezeichnet – die morgige Jubilarin treffend. Und so hat sie auch bestimmt Torsten Michels und sein Team erobert.

Später folgen Teilnahmen an mehreren Turn- und Sportfesten der DDR, auch erforderte der Wechsel der Gymnastikabteilung den „Aufbau“ der TGW von 1863. Engagiert bis heute ist Maria Rieck für den Turnvater Jahn, die Gedenkstätte und das Kolloquium in Lanz. Dort ist sie ebenso Mitglied im Förderverein wie in Freyburg. Aber die Wittenbergerin nimmt auch noch an Wettkämpfen teil. So am Turnmemorial in Cottbus oder am Friedrich-Ludwig-Jahn-Turnfest in Freyburg/Unstrut.

Und was hält sie vom heutigen Leistungssport Turnen? Vom sportlichen Aufschwung der deutschen Frauen? „Das ist unglaublich toll. Aber es ist auch der Wahnsinn, wie sich das Turnen entwickelt hat. Zu meinen Anfängen waren das nur die turnerischen Bewegungen. Heute kommen Gymnastik und Akrobatik hinzu oder ganze Übungsteile werden gleich mit zusammen mit Musik einstudiert“, erzählt Maria Rieck. Es ist zu spüren, dass sie immer noch mit Begeisterung hinter ihrer Sportart steht. Und wenn morgen auch vielleicht ein klein wenig aufgeregt...

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