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Boxen : Integration von Boxern vorgelebt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Boxsportverein (BSV) Veritas Wittenberge bietet Kindern und Jugendlichen eine sportliche Heimat

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 05:03 Uhr

Sie sind dabei, sich still und leise wieder nach oben zu boxen: Die Faustkämpfer des Boxsportvereins (BSV) Veritas Wittenberge. Der Zulauf der Abteilung ist ordentlich, einige Kämpfer steigen des Öfteren in den Ring. Was zum Glück noch fehlt, ist eine Boxveranstaltung in Wittenberge mit den BSV-Kämpfern.

Der Boxsport war lange Jahre ein sportliches Aushängeschild der Stadt Wittenberge. Vor rund zehn Jahren, als es mit dem BSV Veritas und dem Box Club Prignitz auf einmal zwei Vereine dieser Art gab, wurde es eigentlich begraben. Es wurde still. Mike und Rüdiger Balzuweit wollten das nicht wahr haben und machten weiter. Beide sind ehemalige Boxer, den Kampf gewohnt. Mit Hilfe von Freunden, Sponsoren, Institutionen und auch der Kommune gelang es, die alte Veritas-Halle zu erhalten. Damit auch den Trainingsraum und die Sanitäranlagen. Und langsam fand auch der ein oder andere Jugendliche wieder den Weg zum BSV. Es gab auch wieder erste Erfolge, Axel Hanf wurde Landesmeister 2010.

Heute tummeln sich beim Training gleich 20 Boxer im Übungsraum. Seit dem Zuzug der Familie Talatov aus Tschetschenien ist die BSV-Familie noch etwas größer geworden. Der Vater ist Sportlehrer und Boxtrainer, der ältere Sohn Mansur hat bereits Kämpfe für den BSV bestritten und sein jüngerer Bruder Ansar ist auch im Training dabei.

Kurz vor Beginn der Übungsstunde schaut der Trainer auf die Uhr. Sehr viel deutsch spricht er noch nicht. Aber wenn aus seinem Mund das Wort „Disziplin“ kommt, weiß die Trainingsgruppe, worauf er wert legt. Das beginnt bereits mit den ganz normalen Umgangsformen wie der Handschlag zur Begrüßung.


Rüdiger Balzuweit: „Wir sind manchmal schon Streetworker“


„Er ist ein guter Trainer. Bezahlen dürfen wir ihn nicht, sonst würde er sein Anrecht auf soziale Unterstützung verlieren“, erklärt Mike Balzuweit. Interessant auch, dass der Nachwuchs bis 18 Jahre keinen Mitgliedsbeitrag im Verein zahlen. Sponsoren und einige Vereinsmitglieder helfen, dass der Club das finanziell stemmt. „Du musst ja erst mal einen Anreiz schaffen, um die Kinder von der Straße zu holen“, sagt Mike Balzuweit. Der Anreiz funktioniert.

Und so treffen sich Spätaussiedler, Afghanen oder Kinder aus sozial schwächeren Familien mit gut bürgerlichem Nachwuchs zum Sport. „Wir sind manchmal schon Streetworker und betreiben die so oft beschriebene Integration“, beschreibt Rüdiger Balzuweit die Aufgaben eines Trainers, „aber der Sport eint alle, sie lernen miteinander und dabei sind sie dann auch diszipliniert“.

Und zum Sport gehören Wettkämpfe. Das ist nicht so einfach. „Unsere Suche konzentriert sich auf Veranstaltungen in Brandenburg. Dann muss es dort aber auch Gegner in der gleichen Alters- und Gewichtsklasse für unsere Kämpfer geben. Das ist nicht immer der Fall“, berichtet Mike Balzuweit, der für das organisatorische im Verein zuständig ist. In den Ring steigen für einen Kampf dürfen junge Boxer ab zehn Jahren, mit dem Training wird in der Regel zwei Jahre früher begonnen.


Wettkampf in Wittenberge geplant


Nur trainieren, kaum oder keine Kämpfe – springen die jungen Sportler dann nicht irgendwie ab? „Nein, sie sind eine Gemeinschaft. Es macht sie stolz, wenn sie zum Beispiel auf dem Schulhof ältere Vereinskameraden treffen und wissen, wir gehören dazu. Und sie haben Spaß am Boxen“, sagt Rüdiger Balzuweit. Deshalb arbeiten die BSVer auch darauf hin, sich irgendwann den eigenen Fans zu präsentieren. „Wir wollen im Sommer vielleicht etwas versuchen.

Im Winter ist die Halle für eine Veranstaltung zu kalt. Aber es ist halt ein großer Aufwand, alles vorzubereiten und Kämpfer zu bekommen“, erklärt Mike Balzuweit, der sich auch um die Fußballabteilung des Vereins kümmert. Vielleicht helfen den Wittenbergern dabei ihre guten Kontakte nach Schwerin oder Frankfurt/Oder. Dann finden sich eventuell Gegner für einen Mansur Talatov, Niklas Fester oder Leon Langmann. Oder für andere Kämpfer. Denn der BSV sucht nach wie vor Kinder und Jugendliche, die Interesse an dieser Sportart haben. Das Nachwuchstraining findet immer am Dienstag um 15 Uhr im Übungsraum der alten Veritashalle statt. Die älteren Boxer treffen sich dort Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils um 18.30 Uhr zum Training.



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