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Fussball : Im Veritas-Trikot bei den Bayern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Pritzwalker Tony Arjen Daugals macht für seine Mannschaften alles möglich. Mit den Spielern des deutschen Rekordmeisters in Katar

von
erstellt am 09.Jan.2017 | 05:49 Uhr

„35 Euro für den Burj Khalifa? Nee. Das sind ja zwei Tickets für FC Bayern München.“ Tony Arjen Daugals winkt ab. Dann schaue er sich das Gebäude lieber nur von außen an. Der Burj Khalifa steht in Dubai und ist der größte Turm der Welt. Tony hingegen kommt aus Pritzwalk und ist der wohl größte Fußballfan der Welt. Das kann man zumindest annehmen. Und das nicht nur, weil er alle seine Ausgaben in FC-Bayern-München-Tickets umrechnet oder für die Mannschaft um die halbe Welt reist. So wie aktuell nach Doha und Dubai zum Beispiel. Auch ein Tattoo und sogar sein Name zeugen von seiner Leidenschaft.

20 000 Kilometer: Das ist die Strecke, die Tony für sein Hobby bereits zurückgelegt hat. Der 24-Jährige feuerte die Bayern schon in den Stadien von Basel, London, Mailand, Barcelona und Madrid an. Vor knapp einer Woche begab er sich auf seine bisher längste Reise. Zusammen mit der Mannschaft des Rekordmeisters flog er ins Trainingslager nach Doha, der Hauptstadt des Wüstenstaats Katar auf der arabischen Halbinsel. Und weil zehn Tage Training selbst für einen eingefleischten Fan ziemlich viel sein können, besuchte er noch die Stadien im 400 Kilometer entfernten Dubai.

So kommt es, dass der 24-Jährige am Freitag bei 27 Grad im Schatten mit Basecap und grüner Sonnenbrille in den blauen Himmel zur Spitze des Burj Khalifa blinzelt, während in Deutschland der Winter einbricht.

Wer jetzt einen Fan mit Trikot, Schal und Fähnchen in Vereinsfarben erwartet, der irrt sich. „Das brauche ich nicht“, sagt Tony. „Ich weiß ja, dass ich Fan bin.“ Doch ein kleines unauslöschliches Detail beweist dann doch Schwarz auf Hautfarbe seine Fußballleidenschaft. Der Schriftzug „Veritas“ ziert sein linkes Handgelenk und steht für seinen Heimatverein FSV Veritas Wittenberge/Breese. Denn in Tonys Brust schlagen zwei Herzen: Eins für den FC Bayern und eins für Veritas. Und wenn er von letzterem erzählt, schwingt ein bisschen Patriotismus in seiner Stimme mit.

Ende vergangenen Jahres fuhr der Sport- und Eventmanagement-Azubi sogar für ein Spiel von Veritas von seinem derzeitigen Wohnort Hannover bis nach Teltow bei Berlin. Insgesamt 540 Kilometer für ein Landesklassespiel. Doch Tony hatte Pech. Kurz vor Anpfiff wurde das Punktspiel wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgeblasen. „Das Team war ja da und es war schön, alle mal wiederzusehen“, tröstet er sich. Ende Februar will er zum Spitzenspiel zwischen dem FK Hansa und Veritas nach Wittstock reisen.

Wer nun denkt, sich den Namen seines Lieblingsverein unter die Haut stechen zu lassen, wäre irgendwie schon verrückt genug, der kennt Tony nicht. Pardon. Tony Arjen. Na? Klingelt es? Genau. Tony hat sich seinen zweiten Vornamen „Brian“ in den Namen „Arjen“ umbenennen lassen. Nach den Bayern-Spieler „Arjen Robben“. Das hätte ihn nicht nur 170 Euro sonder vor allem Nerven gekostet. „Ich musste neun Monate mit den Behörden kämpfen, mehrere Begründungen schreiben und sogar ein psychologisches Zeugnis ablegen“, erzählt Tony. Für die Namensänderung überreichte der FC-Bayern München dem Pritzwalker im vergangenen März einen Fan-Award. Warum gerade Arjen? „Der hat immer gekämpft und nie aufgegeben.“

Doch wie wird man eigentlich zu so einem Fußball-Fan? An der Familie lege es schon einmal nicht meint Tony. Er selbst hätte sich, bis er 14 Jahre alt war, nicht für den Sport interessiert. Geändert habe das erst die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, in der sich Deutschland ins Halbfinale und in die Herzen der Menschen spielte und dann knapp gegen Italien scheiterte. Das Fußballfieber, das damals umging, steckte auch Tony an. Er begann selbst zu kicken, spielte auch erfolgreich für Veritas und gründete den FC Bayern München Fanclub in Pritzwalk. Mehr als 100 Mitglieder zählt der heute. Seine Liebe zu den Bayern war für ihn damals eine logische Konsequenz. Immerhin ist der Gründer des Vereins, Franz John. Und der kommt nun einmal aus Pritzwalk.

Auch in Hannover Fanclub gegründet

Inzwischen ist Tony wegen seiner Ausbildung nach Hannover gezogen. Für sein Hobby opfert er immer noch jede freie Minute. „Es ist wie ein Nebenjob“, meint er. Auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat er einen Bayern-Fanclub gegründet. Der erste dort überhaupt. Wann immer er kann fährt er an den Wochenenden zu einem Spiel. Von Veritas oder Bayern. Zwischen 30 und 40 sind es im Jahr, schätzt er. Nach München ziehen möchte er aber nicht. „Dafür liebe ich Pritzwalk zu sehr.“

In Doha ist Tony seiner Mannschaft noch bis zum kommenden Freitag ganz nah, bevor es wieder nach Hause geht.

Zu der Weltmeisterschaft 2020 würde er aber nicht in die Wüstenstadt reisen. „Die Bedingungen sind wunderbar. Aber es werden wieder Stadien gebaut und die stehen dann leer. So wie in Brasilien. Wo ist der Mehrwert?“, fragt Tony. Und überhaupt: „Die WM war immer in der Sommerpause. Dieses Mal müssen wir die Spiele bei Glühwein gucken und die Bundesliga wird auch verschoben.“

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