Fussball : Hilfspakete statt Trikots und Ball

Mit Mundschutz überreichen Tony Arjen Daugals (r.) und einer Trainerkollege (l.) zwei Nachwuchskickern des SFC Swakopmund die Hilfspakete.
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Mit Mundschutz überreichen Tony Arjen Daugals (r.) und einer Trainerkollege (l.) zwei Nachwuchskickern des SFC Swakopmund die Hilfspakete.

Tony Arjen Daugals bleibt in Namibia und unterstützt mit Spendenaktion die notleidende Bevölkerung

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03. April 2020, 20:37 Uhr

„Ich habe mich bewusst dafür entschieden in dieser schwierigen Zeit hier in Namibia zu bleiben, und den Menschen hier zu helfen.“ Der Pritzwalker Tony Arjen Daugals, seit November Nachwuchs-Fußballtrainer des SFC Swakopmund, teilte das auf seiner Facebook-Seite mit. Er hat sich in der Corona-Krise gegen eine Rückkehr aus dem afrikanischen Staat nach Deutschland entschieden.

An Fußball ist momentan nicht zu denken. Andere Dinge stehen im Vordergrund. „Die Lage ist noch entspannt und friedlich. Das große Problem neben Corona ist die Armut. Viele Menschen haben jetzt kein Einkommen“, schrieb er dem „Prignitzer“. Es fällt den Familien schwer, sich selbst zu versorgen. Das betrifft auch die Kinder. „Wir machen hier seit knapp zwei Wochen kein Training mehr mit den Kids. Die sind jetzt zuhause“, berichtete der 28-Jährige. Und müssen dort bleiben. In Namibia herrschen ebenfalls Ausgangsbeschränkungen.

Tony Arjen Daugals, der Verein SFC Swakopmund und die vom Prignitzer 2018 ins Leben gerufene Hilfsorganisation „Dein Ball für Namibia“ verteilen daher Hilfspakete. Diese bestehen aus einem Maisporridge in verschiedenen Geschmacksrichtungen, Reis, Seife, Chips und einer Sachspende des SFC Swakopmund – zum Beispiel ein Tuch. Ein Paket reicht für eine Familie zwei bis drei Tage, daher ist es notwendig, weiterhin neue Hilfspakete packen zu können. Ein Paket kostet 3,50€.

Etwas mehr als vier Wochen ist es her, da begann für die rund 140 Nachwuchskicker – darunter auch ein Mädchenteam – des SFC Swakopmund die neue Saison. Stolz präsentierten sie sich mit ihren Trainern – derzeit fünf an der Zahl – auf Mannschaftsfotos. Zur Eröffnung gab es ein Beachfußballturnier. Mit dem Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Die Kids kickten in der Ausstattung beider Vereine. Die Revierclubs hatten diese gespendet. Aber bevor es richtig mit der Saison losging, wurde diese durch das Virus jäh gestoppt.

Jetzt zählen Hilfspakete statt Trikot, Schuhe oder Ball. „Wir haben schon mehr als 600 Pakete ausgeliefert. Wir werden dabei fast überrannt und auch wenn wir alles verteilt haben, laufen die Kids noch lange unserem Wagen hinterher“, erzählte Tony Arjen Daugals, der 2018 im Rahmen seiner Ausbildung zum Sport- und Eventmanager zum ersten Mal in Namibia war und vor Ort ein Praktikum absolvierte. Und so ganz ohne ist der Einsatz von Daugals und seinen Mitstreitern bei den geltenden Ausgangsbeschränkungen nicht: „Das ist auch eine Gefahr für uns. Aber ich glaube nicht, dass uns etwas passiert. Denn wir tun ja etwas Gutes“, erklärte er.

Der Kontakt nach Deutschland ist nach seiner Aussage sehr gut, läuft über Telefon oder Internet. Und natürlich verfolgt Tony Arjen Daugals in Namibia die Diskussionen über ein vorzeitiges Saisonende in der Fußball-Bundesliga. „Ich bin dafür, die laufende Saison für beendet zu erklären und warten, bis wieder Normalität einkehrt. Gesundheit ist wichtiger als Sport“, teilte der leidenschaftliche Fan des FC Bayern München mit.

Gleiches gilt für ihn für die Spielzeit auf Landesebene. „Der Landesfußball sollte im August bei null neu anfangen. Der Sport und der Fußball werden dann wieder viel mehr Bedeutung erlangen. Wir vermissen ihn“, sagte er. Das gilt sicher auch für die Nachwuchskicker in Swakopmund.

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