Handball : Eine Reise durch sieben Jahrzehnte

Feldhandball im Veritas-Sportpark in Wittenberge.
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Feldhandball im Veritas-Sportpark in Wittenberge.

Prignitzer Handball-Club stellt heute auf der Jubiläumsveranstaltung „70 Jahre Handball in Wittenberge“ seine Festschrift vor

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22. August 2015, 09:14 Uhr

70 Jahren Handball in Wittenberge stehen im Mittelpunkt einer Jubiläumsveranstaltung, die der Prignitzer Handball-Club heute ab 11 Uhr in der OSZ-Halle in der Bad Wilsnacker Straße mit Sport, Spaß und Ehrungen feiert. Viel Arbeit steckt auch in der rechtzeitig fertiggestellten Festschrift, für die sich vor allem Kurt Fürböter, Frank Stubenrauch und Andreas Teluk redaktionell verantwortlich zeichnen.

Darin erinnert und würdigt der PHC sieben Jahrzehnte Handballsport in der Elbestadt. Viele Fotos, Anekdoten und Berichte geben auf über 90 Seiten einen groben Überblick, wie sich der Handball seit Ende des 2. Weltkriegs in Wittenberge entwickelte.

Einer, der in der Festschrift seinen angemessenen Platz findet, ist der im positiven Sinne sportverrückte Erwin Rannow. Als die sowjetische Militäradministration kurz nach dem Krieg sportliche Aktivitäten wieder zuließ, war er es, der das Vertrauen und die Genehmigung des russischen Kulturoffiziers für die Austragung eines Handballspiels gewann. Erwin Rannow suchte seine ehemaligen Handballfreunde zusammen, um das erste Training aufzunehmen.

Aber: Womit sollten die Handballer spielen? Die Besatzungsmacht hatte alle Sportgeräte beschlagnahmt. In seiner Not suchte Erwin Rannow das bekannte Sportgeschäft Gehrke in der Wittenberger Wilhelmstraße 6 auf. „Frau Gehrke lächelte verschmitzt, als sie mein Ansinnen vernahm“, erinnerte sich Rannow. „Sie ging die Treppe nach oben und kam zu meinem Erstaunen mit einem neuen Ball herunter. Bitte, hier haben Sie ihren Ball“, erzählte Erwin Rannow. Er wollte bezahlen, doch Frau Gehrke winkte ab: „Den kriegen Sie geschenkt.“

Im Stadion angekommen, wollten die Handballer trainieren. Doch der Platz war besetzt. Ihn nutzten bereits sowjetische Soldaten im Sportanzug. Erwin Rannow schritt zum verantwortlichen Offizier, in seiner Hosentasche die schriftliche Genehmigung des russischen Kulturoffiziers. Er fragte ihn, ob seine Handballer nicht die Hälfte des Sportplatzes nutzen könnten und zeigte zur Bekräftigung seines Anliegens ein russisches Dokument mit Stempel und Unterschrift vor. Die Reaktion war verblüffend: ein kurzer Pfiff des Offiziers, die Soldaten rannten zu den Umkleideräumen, nahmen ihre Uniformen und zogen sich draußen um.


„Hast du Dokument?“


Selbst die Beschwichtigung von Erwin Rannow, sie könnten sich Zeit nehmen, hinderte sie nicht daran, umgehend im Gleichschritt das Stadion zu räumen. Seine Sportfreunde waren verblüfft, wie ein Deutscher es geschafft hatte, eine Kompanie der russischen Armee dazu zu bewegen, die Sportstätte so schnell zu verlassen. Das ausgestellte Dokument wirkte Wunder. Seitdem musste Erwin Rannow damit leben, dass Sportler, Verwandte und Bekannte mit ihm immer wieder frotzelten: „Hast du Dokument?“

Dies ist nur eine von vielen kleinen Anekdoten aus der Festschrift. Viele weitere Seiten sind den Erfolgen, unter anderem der erfolgreichen Handballerinnen der BSG Lok, sowie international amtierenden Wittenberger Schiedsrichtern gewidmet. Berichtet wird auch vom schwierigen Weg der Wittenberger Männermannschaft, die nach dem Zusammenbruch der DDR den Spielbetrieb in der niedersächsischen Landesklasse aufnahm. Und schließlich wird auch die Historie des PHC Wittenberge aufgezeichnet, der sich 2001 als erster eigenständiger Handballverein der Elbestadt gründete.

Wer neugierig geworden ist, kann die Festschrift heute bei der Jubiläumsveranstaltung erwerben. „Der Erlös geht ausnahmslos an die Nachwuchsabteilung des PHC“, verspricht PHC-Vizepräsident Ingo Lipinski.

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