Fussball : Die Geburt der Bouletten-Elf

Seit der Jugend sehr gut befreundet: Klaus Stiegert (l.) und Günter Scheminowski während eines Spiels von Veritas Wittenberge/Breese auf dem Sportplatz in Hennigsdorf.  Foto: Oliver Knoll
Seit der Jugend sehr gut befreundet: Klaus Stiegert (l.) und Günter Scheminowski während eines Spiels von Veritas Wittenberge/Breese auf dem Sportplatz in Hennigsdorf. Foto: Oliver Knoll

Der ehemalige Wittenberger Klaus Stiegert stellt eine Jahrhundert-Mannschaft aus den 50ern auf

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15. April 2020, 19:49 Uhr

Klaus Stiegert ist Fußballfan. Durch und durch. Und auch wenn er Wittenberge im Jahr 1961 verließ, das Interesse am sportlichen Werdegang der Mannschaften aus der Elbestadt ist nie erloschen. Bis heute. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Stiegert sich Gedanken über eine Jahrhundertmannschaft des Wittenberger Fußballes gemacht hat. Die zweite Elf übrigens.

Denn es ist drei Monate her, da präsentierten wir an dieser Stelle eine Jahrhundertmannschaft der BSG CM Veritas Wittenberge/FSV Veritas Wittenberge-Breese. Aufgestellt vom Veritasklub, dem offizielle Klub des Nähmaschinenwerkes Wittenberge mit Sitz in Berlin. Die Mannschaft setzte sich überwiegend aus Spielern zusammen, die in der DDR-Ligazeit von Veritas in den 70er Jahren die Stiefel für den Verein schnürten.

Klaus Stiegert reist für seine Jahrhundert-Elf noch weiter in die Vergangenheit zurück. Bis in die 50er Jahre. Damals hieß der Klub Chemie Wittenberge. Für die Torhüterposition hat er gleich zwei Kandidaten. „Zwischen den Pfosten stand Königsmark. Er hat sehr gut gehalten und legte eine stoische Ruhe an den Tag. Dann war da noch Willy Marquardt. Der ging dann zu Vorwärts Ostberlin und bestritt später sogar noch ein Länderspiel für die DDR“, erzählte Stiegert.

Die Abwehr bildeten Leu, der spätere Trainer Karl-Heinz Stech und Hensch. Davor die Läufer Hermann Reinhardt und Hanne Berndt. Vorne entschied sich der heute in Berlin lebende Stiegert für Walter Henning, Hörnicke, „Boxer“ Beck, Straßburg und Willi Klinke. Dazu nominierte er noch Conrad.

Zu Beginn der 50er Jahre spielte Chemie Wittenberge noch in der Landesklasse Brandenburg. Musste teilweise bis in die Lausitz reisen. Die Belastung war groß, die Punkteausbeute klein. Der Abstieg drohte. Dann ging es nach Welzow. Auf Einladung der Gastgeber fuhren die Wittenberger einen Tag früher. Dabei auch Betreuer Arnold Kasper. Der hatte 15 Pfund Gehacktes im Gepäck und machte daraus Bouletten. Scharf gewürzt. Die Welzower Spieler tranken einen über den Durst und verloren am nächsten Tag nach einer Führung noch das Spiel gegen Chemie. Die Boulettenmannschaft war geboren.

„Im Jahr 1952 wurde in Wittenberge der neue Chemie-Sportplatz an der Bad Wilsnacker Straße eingeweiht. Zum Eröffnungsspiel kam der damalige DDR-Meister Chemie Leipzig. Es gab nur eine knappe 2:3-Niederlage“, erinnerte sich Stiegert. Ein Jahr später ging Chemie Wittenberge nach der Verwaltungsreform der DDR in der Bezirksliga Schwerin an den Start.

Klaus Stiegert spielte damals in der B-Jugend. Zusammen mit Günter Scheminowski, dem Veritas-Urgestein. „Schemi stand im Tor, ich war rechter Verteidiger“, erklärte er. Die beiden sind bis heute befreundet, tauschen sich bei Besuchen oder telefonisch vor allem über den Fußball in Wittenberge aus. Und Klaus Stiegert ist sicher gespannt, ob er Reaktionen auf seine Jahrhundert-Elf erhält. Oder ob noch ein weiterer Fan des Fußballs in der Elbestadt ein Team aufstellt.



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