Boxen : Brähmer zurück auf dem Thron

Endlich am Ziel: Der alte/neue Weltmeister Jürgen Brähmer (3.v.l.) mit Promoter Kalle Sauerland, dem Trainerteam Karsten Röwer, Sebastian Sylvester und Torsten Schmitz sowie seinem persönlichen Manager Peter Hanraths (v.r.). Fotos: Klaus Frevert
1 von 2
Endlich am Ziel: Der alte/neue Weltmeister Jürgen Brähmer (3.v.l.) mit Promoter Kalle Sauerland, dem Trainerteam Karsten Röwer, Sebastian Sylvester und Torsten Schmitz sowie seinem persönlichen Manager Peter Hanraths (v.r.). Fotos: Klaus Frevert

Schweriner lässt sich von Don Kings Störfeuer nicht aus der Ruhe bringen und holt sich in Neubrandenburg seinen Titel

svz.de von
15. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Don King war am Sonntag früh um zwei in der Pressekonferenz von seinem Psychotrick noch hellauf begeistert. In lautstarker Pose vor der Kamera – und sogar noch lauter ohne Kamera – hatte der Kult-Boxpromoter aus den USA gegen Mitternacht durchgesetzt, dass sein Halbschwergewichtler Marcus Oliveira allen Absprachen zum Trotz erst nach Jürgen Brähmer zum Duell um den vakanten WM-Titel der WBA in den Ring des Neubrandenburger Jahnsportforums einmarschierte. Das gebiete der Respekt. Schließlich sei sein Schützling und nicht der Schweriner Nummer 1 der Rangliste.

In knallbunter Jeansjacke mit dem typischen keckernden Lachen seine unvermeidlichen Fähnchen schwenkend, krähte der 82-Jährige, der Muhammad Ali zum Allergrößten machte, vor der Presse radebrechend auf deutsch: „Ick bien ain Njubrändenbörgerr“ und fuhr dann fort: „Ich habe gleich nach dem Kampf eine E-Mail bekommen. Da hieß es: Endlich ist mal was los beim Boxen im deutschen Fernsehen. Sonst bringen die doch immer nur ganz nüchtern einen Kampf nach dem anderen. Heute war mal richtig Show.“

Und ob! Dank Don King werden sich die Fans hierzulande an die Neubrandenburger Dezembernacht von anno 2013 noch erinnern, wenn alle anderen Boxabende schon längst vergessen sind. Jürgen Brähmer allerdings zu verunsichern oder gar aus dem Konzept zu bringen, dieses Ziel hatte der umtriebige Ami mit seiner Aktion glatt verfehlt. Ungerührt gewann der Schweriner den Gürtel und darf sich nun zum zweiten Mal Weltmeister nennen, nachdem er von 2009 bis 2011 schon den WM-Gürtel der WBO innegehabt hatte.

„Wann ich einmarschiere, ist mir doch scheißegal“, sagte der mittlerweile 35 Jahre alte Routinier hinterher trocken. „Und ob Oliveira nun als Erster, Zweiter oder auch als Dritter kommen würde – klar war, wenn wir um die WM boxen wollten, müsste er auf alle Fälle kommen. Daher blieb ich ganz entspannt.“


Ritterschlag vom Kritiker: Ulli Wegner lobt den Champion


Das war auch im Ring zu sehen – in den meisten Runden. Mit seiner besten Leistung seit Jahren ließ der Schützling von Trainer Karsten Röwer keinen Zweifel daran aufkommen, dass er ohne WM-Gürtel hier nicht wieder weggehen wollte. Gefahr drohte eigentlich nur von der hammerharten Rechten Oliveiras, die der aber viel zu selten in die Debatte werfen konnte.

„Jürgen Brähmer hat das sehr clever gemacht. Er hat seine eigenen Schlagkombinationen gebracht und das meiste vom Gegner unterbunden, auch mal mit Klammern und Halten. Oliveira war ihm taktisch nicht gewachsen“, verpasste in Startrainer Ulli Wegner ausgerechnet einer der härtesten Brähmer-Kritiker dem Schweriner den Ritterschlag.

Da redete auch Don King nicht groß herum und ließ Erklärungsversuche von Oliveira und dessen Trainer Erik Riley vom Jetlag beim Europadebüt und einem geschwollenen Auge ab der ersten Runde – von dem im übrigen nichts zu sehen war – nicht gelten. „Es gibt keine Ausreden, nur Ergebnisse. Und danach ist Jürgen Brähmer zu Recht Weltmeister. Er ist ein exzellenter Boxer und war in einem großen Kampf in allem besser als mein Mann.“


„Ich muss jetzt nach Hause, einen Weihnachtsbaum kaufen“


Auch Brähmer-Trainer Karsten Röwer war „begeistert“, fand aber trotzdem noch das berühmte Haar in der Suppe. „Hinten heraus und vor allem in der letzten Runde bin ich um ein paar Jahre gealtert“, bekannte der 51-Jährige, „da hat sich Jürgen zu sehr auf den Nahkampf eingelassen.“

Wie es nun weitergehen soll, darauf wollte am frühen Sonntagmorgen im Sauerland-Lager noch niemand eingehen. Im Raum steht eine Titelvereinigung, die die WBA für April 2014 zwischen dem Neubrandenburg-Sieger und Beibut Shumenow ins Auge gefasst hat. Nach dessen 14-monatiger Ringabstinenz hatte die WBA den kasachischen Weltmeister zum Superchampion und im Gegenzug den nun von Brähmer gewonnenen WM-Titel als vakant erklärt. Shumenow gab übrigens ebenfalls an diesem Wochenende sein Comeback und schlug dabei den Ungarn Tamas Kovacs in der dritten Runde K.o.

„Ich bin überglücklich, hier in Neubrandenburg vor einem derart tollen Publikum geboxt und gewonnen zu haben“, sagte Brähmer. „Ansonsten muss ich jetzt erst einmal nach Hause und einen Weihnachtsbaum kaufen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen