Wassersport : Australien macht Lust auf mehr

Die sechs Prignitzer Teilnehmer an der Drachenboot-WM am Strand von Adelaide.
Die sechs Prignitzer Teilnehmer an der Drachenboot-WM am Strand von Adelaide.

Sechs Prignitzer starteten nach Wintertraining bei Minusgraden in Adelaide bei Drachenboot-WM

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01. Juni 2016, 23:38 Uhr

In den Wintermonaten jedes Wochenende – teilweise bei Minusgraden – mit dem Drachenboot auf den Schweriner Seen trainieren? Diese Sportler haben vermutlich Kopfschütteln oder auch Spott geerntet. Das war ihnen egal. Sie hatten ein Ziel und diesem wurde viel untergeordnet. Die sechs Prignitzer Simone Kalinowski, Sonja Kruwinnus, Marina und Dietmar Pietrzyk sowie Doreen (als aktives Reserve-Mitglied und Dolmetscherin) und Ralf Plesse nahmen an der Drachenboot-Weltmeisterschaft in Adelaide in Australien teil.

Die Prignitzer stammen aus dem Team Wittenberge Ü50, fahren aber schon länger für die Schweriner Red Devils. „Der Kontakt zu den Schwerinern entstand durch Wettkämpfe. Wir hatten beide nicht genug Teilnehmer für Großboote“, erzählt Marina Pietrzyk, die bei früheren Elbbadetagen im Boot der erfolgreichen „Elbfrösche“ saß.

Im Sommer 2015 reifte der Entschluss: Wir wollen zur WM nach Australien. Die größte Hürde dahin schaffte das ehrgeizige Team. Es gewann die Deutsche Meisterschaft auf dem Beetzsee in Brandenburg und schaffte so die Qualifikation. Über die Wintermonate wurde trainiert. „Wir sind jedes Wochenende nach Schwerin gefahren dort auf die Seen. Bei bis zu minus sieben Grad sind wir gepaddelt...aber wir wollten unbedingt nach Australien“, sagt Sonja Kruwinnus. Parallel zur sportlichen Vorbereitung lief die organisatorische. Nach den Wettkämpfen sollte es noch eine Rundreise über den fünften Kontinent geben.

Dann war es endlich soweit. Es ging nach Adelaide. Das Schwerin-Prignitzer Team startete im „Smallboat“, dem kleinen, rund zehn Meter langen Boot mit zehn Paddlern. „In der Altersklasse Ü40. Wir sind alle in der Ü50, aber das war unsere Herausforderung“, berichtet Marina Pietrzyk. Bis zu drei Läufe am Tag von 200 bis 2000 m absolvierte die Truppe. „Es waren schon schwere Bedingungen. Das waren andere Boote als die, die wir gewohnt waren. Einmal sind wir sogar gekentert“, erinnert sich Sonja Kruwinnus.

Am Ende lief es gut. Die Red Devils belegten bei den Frauen über die 200 m Rang fünf, mit dem Mixedboot über die gleiche Distanz den 6. Platz. „Es gab Lob von der Konkurrenz. Sie sagten, dass wir immer besser geworden sind. Und wenn die Rennen noch etwas länger gedauert hätten, wäre vielleicht eine Medaille drin gewesen“, meint Marina Pietrzyk. Apropos Konkurrenz: Die Gegner kamen zum Beispiel aus Ungarn, Hongkong, Canada, Malaysia, den USA, Australien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wo fährt es sich besser, im Frauen- oder im Mixed-Boot? „Im Frauenboot. Das ist mehr Rhythmusgefühl und Frauen fahren mehr mit Technik, Männer mehr mit Kraft“, antwortet Marina Pietrzyk. Das war nach den Wettkämpfen egal. Alle genossen die anschließende Rundreise. Die wurde aus der eigenen Tasche finanziert. Unterstützung bekam das Team vom Schweriner Verein aber bei Startgebühren und Ausrüstung.

Das Australien-Abenteuer hat Lust auf mehr gemacht. Die Drachenboot-Europameisterschaften 2017 in Frankreich sind das neue Ziel. Qualifiziert sich das Team bei den deutschen Titelkämpfen im Juni in Schwerin für die EM, dann gibt es wohl wieder Trainingsfahrten im Winter – auch bei Eiseskälte. Aber den Kopf schüttelt dann bestimmt keiner mehr…

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