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Fussball : Auch in der Prignitz wird bestraft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fußball: Vereine im Kreis führen einen Vorschriftenkatalog

von
erstellt am 21.Feb.2015 | 10:14 Uhr

Trinken im Trikot, Rauchen in der Kabine oder das Handyklingeln bei der Besprechung: Die Fußballtrainer und Mannschaftsverantwortlichen haben viele Gründe, ihre Spieler für Vergehen zur Kasse zu bitten. Ein Strafenkatalog mit Vorschriften soll das Zusammenleben in der Kabine und auf dem Platz regeln. Auch in der Prignitz. Allerdings im überschaubaren Rahmen, denn für die Kicker hier ist der Fußball eher ein Hobby. Wie läuft das im Kreis mit Strafenkatalog und Kassenwart? Der „Prignitzer“ fragte bei einigen Clubs nach.

„Wir haben so etwas die letzten Jahre immer gemacht. Da war das dann auch sehr ausführlich – kein Trainingsanzug oder ungeputzte Schuhe wurden schon bestraft. Kassenwart war ich, aber aufgrund des Aufwands und der Nachhaltung haben wir einen offiziellen Katalog ad acta gelegt. Wir haben aber noch heute Verhaltensregeln: Rauchen im Trikot, unentschuldigtes Fehlen, Gelbe Karte wegen Meckern etc. wird sanktioniert“, berichtet Tony Hoppe von der Landesklasse-Mannschaft des SV Rot-Weiß Gülitz. Der Gülitzer Kapitän fügt hinzu: „Aktuell gibt es aber keine feste Person, die das Geld einsammelt. Es wird beim allgemeinen Kassenwart abgegeben und für Mannschaftsevents gespart. Saisonabschlussfeier oder Unternehmungen zwischendurch, zum Beispiel Paintball. Die härtesten Strafen gibt es wegen persönlich verschuldetem und unentschuldigtem Fehlen. Zum Beispiel wegen Trunkenheit nicht zum Spiel erscheinen. In diesem Fall ist man mit 50 Euro dabei.“

Mit Humor und Ironie kommentiert Matthias Steffen die Vorgehensweise bei den Landesligakickern des SSV Einheit Perleberg. Der Mannschaftskapitän erzählt: „In Fachkreisen wird unser Kassenwart das Phantom genannt. Er erledigt seine Aufgabe sehr akribisch und kann ganz schön nerven. Unser Katalog bleibt aber geheim. Ich kann nur so viel verraten das sich jeder Kassenwart in meiner Einheit-Gruppe ein Haus gebaut hat. Woran das wohl liegt…“

Von drastischen oder rigorosen Maßnahmen in einem Strafenkatalog hält Jens Bartkowiak wenig. „Für uns ist es immer noch ein Freizeitsport, wir sollten das nicht so eng sehen. Die vielen jungen Spieler von uns, die zum großen Teil noch in der Ausbildung sind, haben auch nicht so viel Geld“, meint der Co-Trainer der Landesklasse-Fußballer des FSV Veritas Wittenberge/Berge. Aber auch bei Veritas sind bestimmte Regeln zu beachten. Klappt das nicht, tritt Kassenwart Christoph Nitsche auf den Plan und fordert das Strafgeld ein. „Das ist schon ein Anreiz, wenn von den eingenommenen Geldern eine Feier ausgerichtet wird“, sagt Bartkowiak.

Auch die Spieler des Fußball-Kreisligisten SV Blau-Weiß Lenzen verwenden laut Trainer Enrico Niemann ihre Strafgelder für Weihnachtsfeiern oder gesellige Abende wie zum Beispiel Bowling. Wer in Lenzen mit ungeputzten Fußballschuhen erscheint, ist mit einem Euro dabei, wer sich wegen Meckerns eine Gelbe Karte einhandelt, der zahlt 10 Euro und und die Nichtbeachtung des Handyverbots bei Besprechungen oder in der Kabine kostet immerhin auch schon fünf Euro.

Die Fußballfrauen des SSV Einheit Perleberg legen ebenfalls großen Wert auf die Sauberkeit ihres Schuhwerks. Bei Nichtbeachtung dieser Regel sind zwei Euro Strafe fällig. Geht eine Fußballerin im Einheit-Trainingsanzug zu einer Feier, dann kostet das zehn Euro. Und wer sich nicht rechtzeitig vom Training oder Spiel abmeldet, der ist mit zwei oder vier Euro dabei.

Beim Oberhavel-Kreisligisten SV Glienicke (siehe Bild) wird das Unangenehme mit dem Nützlichen verbunden. In dem Strafenkatalog wird darauf hingewiesen, dass sich jeder Spieler über seinen Geburtstag freut und deshalb freiwillig einen Kasten Bier für die Mannschaft mitzubringen hat. Eine Frist gibt es auch: innerhalb der nächsten sieben Tage. Und man soll es kaum glauben, aber diese Vorschrift gilt auch für die Trainer. Bei Veritas Wittenberge/Breese braucht es dazu keinen Geburtstag. „Trainer Swen Bober hat auch schon mal so ein Frühstück ausgegeben“, berichtet Jens Bartkowiak.

Klaus Augenthaler – so wird es überliefert – war kein großer Freund von Geldstrafen. Als Trainer des Bundesligisten VfL Wolfsburg ließ der Fußball-Weltmeister von 1990 säumige Profis ein Lied trällern oder sogar einen Witz erzählen. Sein Hintergedanke dabei: Vor der Mannschaft etwas aufzusagen, tut den meisten Spielern mehr weh. Nach Aussage des damaligen Coaches hatten seine Jungs vor ihrem Auftritt meistens eine schlaflose Nacht und fingen beim Singen an zu zittern und wurden sogar rot.  


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