zur Navigation springen

Reitsport : 82 Kilometer fest im Sattel

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schloss Birkholz war Rastplatz für 30 Distanzreiter der Tour „Durch die Griese Gegend 2017“

von
erstellt am 23.Aug.2017 | 21:19 Uhr

Die ersten Begleitpersonen stehen in der Ortsdurchfahrt von Birkholz auf der Straße. Richtung Schloss werden es immer mehr. Das Zeichen dafür, dass die Distanzreiter sich nähern. Das Areal vor dem Schloss Birkholz war Rastplatz für rund 30 Reiter und Pferde sowie zahlreiches Begleitpersonal. Teilnehmer an der Tour „Durch die Griese Gegend 2017“

Ross und Reiter absolvieren mit dem Distanzreiten eine Pferdesportart, in der es darum geht, eine große Entfernung so schnell wie möglich zu überwinden und dabei die Pferde nicht zu überfordern. Die Strecken für Ein-Tages-Ritte liegen bei 25 bis 160 Kilometer, gehen durch Wälder, über Felder oder auf abgelegenen Wegen. Seltener sind Mehrtagesritte.

Vom Startplatz in Stuck bei Eldena im benachbarten Landkreis Ludwigslust-Parchim hatten sich rund 60 Teilnehmer vor allem aus Norddeutschland, aber auch aus den Niederlanden am frühen Morgen auf die Distanzen von 40, 62, 82, 120 bzw. 160 Kilometer begeben. Die kurzen Distanzen über 40 und 62 Kilometer führten nicht bis zum Umkehrpunkt nach Birkholz.

In Abhängigkeit von der Streckenlänge sind drei bis sechs Pausen vorgeschrieben. Bei der Tour „Durch die Griese Gegend“ – organisiert von Siebke und Vivien Angelbeck vom Schöne-Ritte-Team Angelbeck aus Stuck – gibt es alle 20 Kilometer einen Halt. An jedem Pausenort erwartet Pferd und Reiter ein Helferteam. Darunter auch Tierärzte. „Wir müssen aufpassen, dass die Belastung für das Pferd nicht zu viel wird“, sagte Tierärztin Claudia Herrmann aus Bernau, die zusammen mit ihrer Kollegin Astrid Solga (Hamburg) die ankommenden Pferde untersucht.

Aber erst dann, wenn das Tier einen Puls von unter 64 Schlägen in der Minute hat. „Wir achten auf den Gang, ob das Pferd im Takt geht. Der Wasserhaushalt wird durch die Untersuchung der Hautfalten und Schleimhäute getestet. Anhand der Darmgeräusche stellen wir fest, ob das Tier genug gefressen hat. Pferde sind dazu geboren, 16 Stunden am Tag zu fressen. Dazu werden Sattellage, Sattelgurtlage und Muskulatur kontrolliert“, erklärte die Tierärztin die umfangreiche Prozedur.

Ist alles in Ordnung, begeben sich Ross und Reiter in die vorgeschriebene Pause. Diese beträgt 40 Minuten, beginnt mit dem Eintreffen am Kontrollpunkt. Sollten bei einem Pferd Probleme auftauchen, erfolgt am Ende der Pause ein weiterer Check. Sind die Probleme immer noch vorhanden, nehmen die Tierärzte das Pferd auf dem Wettkampf.

Hier kein Thema. Pferde und Reiter lassen sich vom Begleitpersonal ver- und umsorgen. Einige der Teilnehmer tauschen sich untereinander aus, andere studieren auf der Karte den nächsten Abschnitt.

„Wir hatten im Wald tiefen Boden und viele Pfützen, mussten langsam im Zickzack gehen“, schilderte Nicole Rosenthal die Kilometer mit ihrem Pferd Haziba vor Birkholz. Seit 21 Jahren betreibt die Frau aus Badenhausen bei Osterode (Niedersachsen) Distanzreiten. „Es ist Leidenschaft, es macht Spaß, ein Hobby“, erzählte sie. Dann ging der Blick zu Haziba. „Sie hat bislang zu wenig getrunken“, berichtete Nicole Rosenthal. Aber Haziba war durch die ärztliche Kontrolle gekommen. Untersucht werden die Pferde ein letztes Mal im Ziel.

Langsam rüstet sich der Tross zum Aufbruch. Auch die Tierärztinnen. Der Tag ist noch lang. „Die letzten erreichen das Ziel in der Dunkelheit. Aber sie werden groß gefeiert. Denn erst wenn alle drin sind, können alle schlafen gehen“, erzählte Claudia Herrmann.

Sie und ihre Kolleginnen sind an so einem Tag auch aus Liebe zum Pferdesport dabei. Viel zu verdienen gibt es nicht. „Wenn ich am Vormittag die Praxis für zwei Stunden aufmache und zwei Patienten behandele…“, beendete sie den Satz nicht.

Beendet hatten Pferd und Reiter aber ihre Pause. Das Areal vor dem Schloss leerte sich. Auch die Fahrzeuge des Begleitpersonals setzten sich in Gang. Zeichen dafür, dass die Distanzreiter die nächste Etappe in Angriff genommen hatten.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen