Leichtathletik : 42 Kilometer zum Heiratsantrag

Der Prignitzer Stephan Krakow (vorn) auf der Strecke des Mainova Marathons in Frankfurt.
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Der Prignitzer Stephan Krakow (vorn) auf der Strecke des Mainova Marathons in Frankfurt.

Stephan Krakow verfehlt bei Frankfurt-Marathon den Prignitz-Rekord knapp

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03. November 2017, 22:25 Uhr

Bei der 36. Ausgabe des Mainova Marathons in Frankfurt hatten sich 14 513 Läufer für die 42,195 Kilometern angemeldet, 11 146 Läufer erreichten das Ziel in der Festhalle der hessischen Bankenmetropole. Zu den Finishern gehörten auch Prignitzer Laufsportler. Einer von ihnen war Stephan Krakow, der einen starken Gesamtplatz 347 und in seiner Altersklasse (Männer) den 84. Rang belegte. Doch der 27-Jährige schwankte nach dem achten Marathonlauf seine Karriere zwischen Stolz und Enttäuschung.

Denn eigentlich wollte der in Perleberg aufgewachsene und jetzt im niedersächsischen Stade arbeitende Rechtspfleger beim – nach Berlin – zweitgrößten Marathon Deutschlands den von ihm gehaltenen Prignitzer Kreisrekord (2:45:38 Stunden) verbessern. Den hatte er erst im April beim Marathon in Wien aufgestellt. Am Ende blieb die Uhr für ihn bei 2:46:45 Stunden stehen. Die zweitbeste Zeit, die ein Prignitzer je gelaufen ist. „Ich hatte mich drei Monate intensiv vorbereitet. Die Form hat gestimmt und ich war eigentlich auch gut drauf. Schade, dass es am Ende nicht ganz gereicht hat“, gibt Krakow Einblicke in sein Seelenleben.

Die Bedingungen waren für den Rekordversuch alles andere als ideal. Es war kalt und Ausläufer von Sturmtief Herwart machten sich bemerkbar. „Wir hatten meist starken Gegenwind“, erzählt Krakow, bei dem es zum Anfang noch ganz gut lief. Nach einigen Kilometern durch die Innenstadt, vorbei am Eschenheimer Turm und der Alten Oper folgte die Main-Überquerung über die Alte Brücke mit fabelhaftem Blick auf die Frankfurter Skyline. Weiter ging es entlang des Sachsenhäuser Mainufers über die Schwanheimer Brücke zurück auf die andere Main-Seite in den Stadtteil Höchst. Es folgte die quälend lange und nicht enden wollende Mainzer Landstraße.

Bei Kilometer 32 fingen die Füße an zu schmerzen, wurden die Schritte zur Qual und auch der erhoffte Rückenwind blieb aus. Krakow lief nach eigenen Angaben am Limit. „Bei Kilometer 34 war ich kurz am überlegen aufzugeben“, gibt er zu. Doch dann sah er in das Gesicht seines ihm am Streckenrand zujubelnden Bruders, der ihn gemeinsam mit den extra nach Frankfurt gereisten Eltern, der Schwester, einem Cousin sowie einigen Freunden unterstützte. Die wollte er nicht enttäuschen. „Es war schon wichtig für mich, dass die Familie da war. Ich brauche diese Unterstützung schon. Das war super“, erzählt der für den SSV Einheit Perleberg startende Ausdauerläufer.

Ein Marathonlauf sei auch immer Kopfsache. Und sein Kopf sagte: „Die restlichen sechs Kilometer schaffst du auch noch.“ Krakow biss weiter auf die Zähne. „Bei Kilometer 36 ging es dann wieder. Aber bei Kilometer 40 habe ich gewusst, dass es für die von mir anvisierte Zeit von unter 2:45 nicht mehr reichen wird.“ Auch die erhoffte zweite Luft kam nicht und am Ende blieb der Rekordversuch unbelohnt. „Man muss das akzeptieren. Ich bin trotzdem stolz auf meine Leistung“, sagt der derzeit beste Prignitzer Läufer.

Stolz sein können auch drei andere Prignitzer Teilnehmer des Frankfurter Marathons. Gerd Böcker vom Pritzwalker Lauftreff kam nach 4:02:03h als 5818. (AK 60: Platz 125) ins Ziel, sein Vereinskollege Andreas Kramer belegte in 4:55:33 Gesamtplatz 8223 (AK 45: Platz 1436). Und auch der Breeser Jörg Toppel konnte bei den schwierigen Bedingungen mit seinem 5950. Platz (AK 45: 1034) und einer Zeit von 4:04:13 h zufrieden sein.

Apropos Andreas Kramer: Der Hobbyläufer vom Pritzwalker Lauftreff war der eigentliche Gewinner unter den Prignitzern. Lief er doch mit einem Zylinder auf dem Kopf ins Ziel ein und machte dort vor Tausenden Zuschauern seiner Liebsten einen Heiratsantrag. Und sie hat Ja gesagt.

Jörg Toppel genoss den Zieleinlauf ist in der vollbesetzten Messehalle mit Scheinwerfern, Musik und der Ansage der Läufer. Er empfand es als „schon etwas Besonderes, wenn man auf einem roten Teppich ins Ziel einläuft.“ Und auch noch Sportprominenz trifft. So führte Toppel ein Fachgespräch mit Joey Kelly.

Stephan Krakow, der sich nach eigener Aussage wieder schnell von den Strapazen erholt hatte, will die Laufschuhe erst einmal in die Ecke stellen, „etwas Fußball oder Handball in der Halle spielen.“ Erst Anfang des neuen Jahres wird er das Trainingspensum wieder erhöhen. Denn seinen nächsten Marathon hat er schon im Visier. „Im Mai will ich beim Marathon in Prag starten.“ Und hier wird er den Prignitzer Rekord erneut angreifen.

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