20 Jahre in der Schaltzentrale

Im August 1994 trat Michael Evers, Leiter des Olympiastützpunktes Schwerin, sein Amt in der Teamleitung des Schweriner SC an

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31. Juli 2014, 18:14 Uhr

Rundes Jubiläum für Michael Evers: Der Leiter des OlympiastützpunktesSchwerin und Vorsitzende der Volleyball-Bundesliga ist seit genau 20 Jahren fester Bestandteil der Schaltzentrale beim gesamtdeutschen Rekord-Volleyballmeister SSC. 1994 wurde er in die Teamleitung der Bundesliga-Volleyballerinnen vom Schweriner SC berufen, nachdem er drei Jahre zuvor Leiter des neuen Olympiastützpunktes Schwerin wurde. Dabei hatte der gelernte Diplomsportlehrer vorher mit Volleyball nichts am Hut gehabt. Denn von 1986 bis 1990 trainierte er den SV Post Schwerin im Handball-Oberhaus der DDR und wurde gleichzeitig in den Trainerrat des Handball-Verbandes der DDR berufen. Danach trainierte er den schwedischen Verein IF SAAB Linköping, den er später sogar in den Europapokal der Pokalsieger führen konnte.

Doch als ihn die Nachricht erreichte, Schwerin möchte einen Olympiastützpunkt aufbauen und er ist als Leiter vorgesehen, zog es ihn wieder nach Hause. Beim SSC rechnete Evers vorerst mit „einem Jahr, nur um auszuhelfen“, doch als gleich in seiner ersten Saison die Meisterschale gewonnen werden konnte, blieb Evers weiterhin und bejubelte in den folgenden zwei Jahrzehnten noch neun weitere Meistertitel sowie sechs Pokalsiege. Er trug einen maßgeblichen Teil dazu bei, dass sich der SSC heute gesamtdeutscher Rekordmeister nennen darf.

„Ich bin stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren so viele Erfolge feiern konnten und uns ohne jegliche Imageschäden in der Ligaspitze etablierten. Allerdings war das keineswegs ein Selbstläufer für mich, und ohne die Unterstützung von beispielsweise Dörte Techel und Burkhard Wiebe hätte ich das sicher nicht in der Form geschafft. Auch Johannes Wienecke und Holger Stenzel haben einen großen Anteil am Erfolg“, betont Evers bescheiden.

Größen des deutschen Volleyballs wie Ute Steppin, Dörte Techel oder Sylvia Roll spielten einst für den SSC, und auch heute zählt der Verein zu den Dauerfavoriten der Bundesliga. „Es würde mir sehr schwer fallen, eine Mannschaft aufzustellen mit den besten Spielerinnen, die jemals das blau-gelbe Trikot getragen haben“, untermauert Evers die beeindruckende Geschichte des Clubs. Und obwohl Handball immer eine Leidenschaft bleiben wird, plant er in nächster Zeit nicht, erneut den Ball zu wechseln. „Ich sollte auf dem Berg nicht die Pferde wechseln.“

Bedauerlich aus seiner Sicht ist allerdings, dass sich der SSC in den letzten Jahren immer mehr zu einem „Sprungbrett“ entwickelt. „Es ist häufig so, dass viele Spielerinnen hier zwei bis drei Jahre spielen, sich international präsentieren und dann ins Ausland wechseln, wo bessere finanzielle Bedingungen herrschen.“ Das kann man allerdings mit einem weinenden sowie einem lachenden Auge betrachten, denn die Aufmerksamkeit der europäischen Top-Klubs wurde sich über viele Jahre schwer erarbeitet. „Die Clubs in Europa, wissen die Schweriner Schule zu schätzen“, so Evers.

Schade ist seiner Meinung nach auch, dass die einheimischen Fans zu wenig schätzen oder eventuell nicht realisieren, wie beeindruckend die Kontinuität des Vereins ist in einer Sportart, die von finanziellen Engpässen geplagt ist. „Wir sind wie der FC Bayern München des Frauenvolleyballs, doch das realisieren im Umfeld leider noch zu wenige.“

Und mit dieser Aussage steht er keineswegs alleine, denn Schwerin gilt als absoluter Angstgegner für alle Mitkonkurrenten. So heißen die Ziele für die kommende Spielzeit auch wieder ganz klar „Meister und Pokalsieger werden“. Nach einer schwierigen vergangenen Saison und einem etwas enttäuschenden fünften Platz ist sich der Vorstand des SSC wieder sicher, in der nächsten Spielzeit heißer Kandidat auf die Goldmedaille zu sein. „Wir haben die Erwartungen, trotz erschwerter Bedingungen, mit dem fünften Platz nicht erfüllt. Ein Platz, der für eine Hälfte der Liga ein Riesenerfolg wäre. Das sagt schon eine Menge aus“, lässt Evers Revue passieren.

Auch in den nächsten Jahren plant Evers, so wie der gesamte Verein, weiterhin ein Wörtchen um die Titel mitreden zu können. „Ich werde hier nicht bis zum Umfallen arbeiten, aber es wäre natürlich schön, mit einem dritten Stern auf der Brust abzutreten, was bedeutet drei weitere Meisterschaften zu gewinnen“, prophezeit Evers.

Trainer-Legende Horst „Willy“ Holz hat die letzen 20 Jahre als Trainer des männlichen Nachwuchses hautnah miterlebt und sagt über Evers: „Als OSP-Leiter hat er den Verein nach der Wende in die Hand genommen und sich dem Volleyball sehr direkt gewidmet. Er hat versucht erfolgreich zu bleiben und schaffte es in einer strukturschwachen Gegend mit einem Verein für zwei Jahrzehnte in der höchsten Spielklasse anzutreten. Das kann sonst kein Club in Mecklenburg-Vorpommern von sich behaupten. Egal in welcher Sportart.“ Diese Erfolgsgeschichte soll auch in den nächsten Jahren weiter geschrieben werden und hoffentlich kann man in 20 Jahren erneut eine derart positive Bilanz ziehen.

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