fussball : Niemanden vom Hocker gerissen

Kurz vor Schluss hatte Boris Baerwinkel das 2:1 für die SG 03 Ludwigslust/Grabow auf dem Fuß. Er brachte aber nicht genug Druck hinter den Ball und scheiterte am glänzend reagierenden HSV-Keeper Marvin Brall.
Kurz vor Schluss hatte Boris Baerwinkel das 2:1 für die SG 03 Ludwigslust/Grabow auf dem Fuß. Er brachte aber nicht genug Druck hinter den Ball und scheiterte am glänzend reagierenden HSV-Keeper Marvin Brall.

Fußballerische Höhepunkte hielten sich beim 1:1 zwischen SG 03 Ludwigslust/Grabow und Hagenower SV in Grenzen

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04. März 2019, 23:00 Uhr

Acht Gelbe und eine Rote Karte: Wer das Kreisderby der Fußball-Landesliga zwischen der SG 03 Ludwigslust/Grabow und dem Hagenower SV nicht live im Grabower Waldstadion verfolgt hat, der musste den Eindruck gewinnen, dass es da ordentlich zur Sache gegangen war. Doch der Eindruck täuscht. Es gab wenig Reibungspunkte, harte Fouls blieben die Ausnahme. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Landesfußballverband wollte sich der Hagenower Trainer Dirk Hoffmann nicht verkneifen: „Muss es wirklich sein, dass ein Schiedsrichter, der keine 24 Stunden zuvor noch ein Abendspiel in Pampow gepfiffen hat, so zeitnah schon wieder angesetzt wird?“

Es entwickelte sich ein Spiel mit nur wenig nennenswerten Szenen. Die erste führte gleich zur Führung für die Heimelf. Nach einer kurz ausgeführten Ecke wurde der Flankengeber überhaupt nicht gestört und Benjamin Orlovius köpfte zum 1:0 ein (4.). Vielleicht lag es ja an diesem frühen Rückstand, dass die Hagenower in der ersten Halbzeit so gar nicht in Tritt kamen. Der Auftritt wirkte ziemlich lethargisch, im Spiel nach vorne bremste sich die Mannschaft durch viele Fehler desöfteren selbst aus. So hatte Martin Jastram im SG 03-Tor nur eine brenzlige Situation zu überstehen. Nach einer verpassten Flanke reagierte er schnell genug, um den in Richtung Tor trudelnden Ball noch auf der Linie zu sichern (26.). Sein Gegenüber, Marvin Brall, bewahrte den HSV mit starken Paraden gegen Alexander Dahl (28.) und Alois Litz (36.) vor einem höheren Rückstand.

Der Gäste-Keeper konnte seine Klasse gleich nach dem Seitenwechsel erneut unter Beweis stellen. Mehrere Patzer seiner Vorderleute brachten Alois Lietz in eine gute Schussposition. Brall machte sich lang und klärte zur Ecke (46.). Insgesamt zeigten die Hagenower jetzt aber eine andere Körpersprache. Sie lauerten zwar weiterhin in erster Linie auf gegnerische Fehler, ließen mit deutlich mehr Konsequenz aber kaum noch etwas zu. Und ein schnell über die linke Seite vorgetragener Angriff reichte ihnen zum Ausgleich. Der gut in Szene gesetzte Marcel Konrad ließ seinen Gegenspieler schlecht aussehen und erzielte mit einem Schuss ins kurze Eck das 1:1 (53.). „Das ging viel zu einfach“, ärgerte sich SG 03-Trainer Rene Schwarz.

Nach dem Ausgleich fiel der Heimelf nicht mehr viel ein. Safety first lautete die Devise beim Tabellenvorletzten. Auch wenn die sich häufenden Querpässe auf der Tribüne mit Unmut bedacht wurden, so war angesichts der angespannten Situation doch verständlich, dass die Spieler das Risiko scheuten. Ab Mitte der zweiten Halbzeit wurde es bunt. Die Karten häuften sich. Zumeist wurden sie für taktische Fouls gezückt und hatten durchaus ihre Berechtigung. Dann wurde es auch fußballerisch noch einmal interessant. Boris Baerwinkel hatte das 2:1 auf dem Fuß, brachte aus kurzer Distanz aber keinen Druck hinter den Ball und scheiterte am allerdings auch erneut glänzend reagierenden Marvin Brall (82.).

Es folgte der einzige wirkliche Aufreger der Partie (85.). Der kurz zuvor gelb-verwarnte Johannes Franke leistete sich auf Höhe der Mittellinie ein hartes Foul. Vielleicht lag es am anschließenden Tumult, dass er um die Ampelkarte herumkam. Gravierender war nämlich, dass den Hagenowern durch den Pfiff ein klarer Vorteil genommen wurde. Enrico Grewe hätte freie Bahn gehabt. Dass sich HSV-Kapitän Danilo Grewe daraufhin zu einer verbalen Entgleisung in Richtung Schiedsrichter hinreißen ließ, konnte allerdings nur eine Konsequenz haben – Rot. Die letzte Chance hatte der für Franke eingewechselte Friedrich Schebela, der nach Kopfball-Verlängerung von Alexander Dahl das Ziel aber deutlich verfehlte (90.).

„Das ist schon ein bisschen deprimierend. Natürlich wären drei Punkte besser und aus meiner Sicht auch verdient gewesen. Andererseits stehen wir zumindest mal nicht mit leeren Händen da“, fühlte sich Rene Schwarz ein wenig hin und her gerissen. „Es war ein glücklicher Punkt. Wir können mit dem Ergebnis sicher besser leben als der Gegner“, räumte HSV-Trainer Dirk Hoffmann ein. „Von der ersten Halbzeit meiner Mannschaft war ich schon sehr enttäuscht. Entsprechend laut ist es in der Kabine geworden. Zumindest die Reaktion stimmte dann.“

SG 03 Ludwigslust/Grabow: Jastram – O. Baerwinkel, Thießen, Tiede, Wilk, Sasse, L. Baerwinkel (29. Lietz, 75. Franke, 89. Schebela), Dahl, Kretschmer, B. Baerwinkel, Orlovius

Hagenower SV: Brall – Bach, Brockmöller, Tügel, Vulic, Greitens (90. Homberger), E. Grewe, Wojatzky, D. Grewe, Konrad, Kanter (10. Jessel)

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