fussball : In Unterzahl den Kürzeren gezogen

Kurzzeitig war die Polzer Fußballwelt in Ordnung: Yannick Albs traf zur 2:1-Führung. Am Ende hieß es aber 2:4.  Fotos: thomas Willmann
Kurzzeitig war die Polzer Fußballwelt in Ordnung: Yannick Albs traf zur 2:1-Führung. Am Ende hieß es aber 2:4. Fotos: thomas Willmann

Polzer halten trotz 2:4-Niederlage gegen SC Parchim die Klasse / Verbandsgericht des Landesfußballverbandes hebt Sportgerichtsurteil auf

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02. Juni 2019, 00:00 Uhr

Begeistert war im Lager des SV Blau-Weiß Polz verständlicherweise niemand über die 2:4-Heimniederlage gegen den SC Parchim, die eine ziemlich verkorkste Saison abschloss. Trotzdem herrschte relative Gelassenheit. Das war auf die Mail zurückzuführen, die die Polzer am Vortag vom Verbandsgericht des Landesfußballverbandes (LFV) erhalten hatten: „Wir haben entschieden, dass das Urteil des Sportgerichts aufgehoben wird. Die Strafzahlung entfällt, und das Spiel wird so wie tatsächlich ausgetragen gewertet“, heißt es darin vom Vorsitzenden, Ralf Schulz.

Noch einmal kurz zur Erläuterung: Das Sportgericht des LFV hatte das Punktspiel der Polzer gegen den Lübzer SV, das am 22. Spieltag 4:1 endete, mit 3:0 für die Lübzer gewertet, weil die Blau-Weißen einen Spieler eingesetzt hatten, der nicht im Spielberichtsbogen eingetragen war. Dass der Schiedsrichter vor dem Anpfiff informiert war, reichte laut Sportgericht nicht (SVZ berichtete). Die Polzer gingen in Berufung und bekamen Recht – die schriftliche Begründung soll Anfang der Woche folgen. Das hieß, dass sie ihre 28 erzielten Punkte behalten und unabhängig vom Ausgang des jeweils letzten Spiels von der SG 03 Ludwigslust/Grabow nicht mehr vom 14. Tabellenplatz verdrängt werden konnten. Die 28 Punkte sind darüber hinaus insofern eine wichtige Marke, als dass der 14. der Ost-Staffel, der PSV Rostock, mit 24 Zählern in sein Saisonfinale ging und so trotz des gestrigen 5:0 -Sieges gegen Einheit Strausberg schlechter abschnitt als die Polzer. Das bekommt Bedeutung, falls der FC Anker Wismar aus der Oberliga absteigen sollte. Das würde sich neben der Verbandsliga auch auf die Landesligen auswirken. Dann müsste zusätzlich der schlechtere der beiden Meisterschaftsvierzehnten (Staffel Ost oder West) den Weg in die Landesklasse antreten.

Zum Spiel im Waldstadion. Das vermeintliche frühe 1:0 erzielte Fabian Weidmann, der einen Bilderbuch-Konter erfolgreich abschloss. Doch die Fahne des Assistenten ging hoch – abseits (10.). Richtig bitter aus Polzer Sicht wurde es, als ein missglückter Rückpass die beiden Innenverteidiger in die Bredouille brachte. Ronny Schult versuchte zu retten, traf aber nur den SCP-Spieler. Die logische Konsequenz: Platzverweis (19.). Die Gäste-Führung ließ nicht lange auf sich warten. Steven Auras schloss nach guter Einzelaktion platziert ab (29.). Da gab es für Stefan Dröge nichts zu halten. Der 38-Jährige, der zuletzt vor drei Jahren im Polzer Tor gestanden hatte, half noch einmal aus. Bis zur Pause passierte nicht mehr viel in einem auf überschaubarem Niveau stehenden Spiel.

Dafür erwischten die Blau-Weißen nach dem Seitenwechsel einen Blitzstart. Mit rechts angenommen, mit links abgeschlossen – das 1:1 von Yannick Albs war ein technisch anspruchsvolles Tor (46.). Wenig später kam Pascal Bunge im gegnerischen Strafraum zu Fall. Die Polzer forderten lautstark Elfmeter und schienen vom fahne-wedelnden Assistenten Unterstützung zu erhalten. Doch der Schiedsrichter überstimmte nach kurzer Beratung (49.). Das beeindruckte die Heimelf in ihrer besten Phase wenig. Nach einem weiten Einwurf legte Fabian Weidmann per Kopf ab und Yannick Albs markierte seinen zweiten Treffer (54.).

Die Führung hielt nicht lange. Nach einer abgefälschten Ecke beförderte Mutassem Shehada den Ball per Hechtkopfball zum 2:2 über die Linie (66.). In der Folge wendete sich das Blatt entscheidend zu Gunsten der Gäste. Der sträflich allein gelassene Tom Schätz hatte alle Zeit der Welt, das 3:2 zu markieren (68.). Auch beim 4:2 stand Schätz völlig frei. Er ließ zwei Abwehrspieler schlecht aussehen und jagte den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte (73.). Die Parchimer hätten angesichts weiterer hochkarätiger Konterchancen am Ende leicht noch höher gewinnen können. Zumal die Blau-Weißen nur noch zu neunt waren. Man hatte bereits dreimal gewechselt, als sich Keeper Stefan Dröge am Oberschenkel verletzte und nicht mehr weitermachen konnte (79.). „Das passt zu unserer Saison. Wir haben es praktisch in jedem Spiel geschafft, uns mit gruseligen Pässen das Leben selbst schwer zu machen“, resümierte Thilo Wilkens, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mitmischen konnte und den verhinderten Trainer Steffen Willuweit vertrat.

Emotional wurde es nach dem Abpfiff in der Polzer Kabine bei der Verabschiedung von Stadionsprecher Andreas Hermann und Mannschaftskapitän Fabian Weidmann. Der 21-Jährige, der in Rostock studiert, wechselt zum Verbandsligisten Güstrower SC.

SV Blau-Weiß Polz: Dröge – Jesse, Schult, Becker (46. Sawatzki), Kies, Uller, Albs, Richter (77. F. Permin), Krogmann, Bunge (70. Köster), Weidmann

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