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Landesliga : Kein Spaziergang für den FC Hansa

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lübzer-Pils-Cup: Landesliga-Fußballer des Hagenower SV ziehen sich beim 0:4 gegen Rostocker Profis gut aus der Affäre

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 08:08 Uhr

„Wir wollen die Mannschaft sehen“, schallte es nach dem Schlusspfiff minutenlang über den Hagenower Sportplatz in der Parkstraße. Gefeiert wurden die Landesliga-Fußballer des Hagenower SV. Und das, obwohl sie gerade mit 0:4 verloren hatten. Zugegeben, der Gegner war mit dem FC Hansa Rostock auch nicht irgendwer. Der Drittligist zog durch den ungefährdeten Sieg ins Viertelfinale des Lübzer-Pils-Cups ein. Die Reaktion der HSV-Anhänger spiegelt die allgemeine Stimmungslage an diesem Nachmittag wider. Dass die „Marke“ Hansa in der Region nach wie vor zieht, machte ein Blick ins weite Rund deutlich: Fahnen, Trikots und Fanschals in Weiß und Blau prägten das Bild. Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff schienen die beste Plätze vergeben. Am Ende lautete die offizielle Zahl 2500 zahlende Zuschauer. Nimmt man vergebene Freikarten und VIPs hinzu, dürften es wohl rund 3000 Fans gewesen sein, die sich dieses Spiel bei allerbestem Fußballwetter nicht entgehen lassen wollten. „In der ganzen Stadt war die Woche über ein Kribbeln zu spüren. Ich wurde immer wieder angesprochen, sollte unbedingt einen Tipp abgeben“, freute sich der HSV-Vereinsvorsitzende Sven Jegminat über Resonanz und reibungslosen Ablauf. Sein „Wunschergebnis“ hatte 5:4 nach Elfmeterschießen für das eigene Team gelautet. Auch Erik Selivanov und Florian Ben Schrauber sahen die Hagenower leicht vorne, mit 2:1 beziehungsweise 1:0. Die beiden Zehnjährigen, die für die E-Junioren des HSV aktiv sind, gehörten zu den Auflaufkids, die aufgeregt auf ihren Einsatz warteten. Mit der Abgeklärtheit des Alters verfolgten Günter Strübing (78) und Hans-Joachim Richers (79) von ihren Stammplätzen in der ersten Reihe aus das Geschehen. Beide kennen die Fußballgeschichte der Stadt aus dem Effeff. Richers hat schon für die Hagenower C-Junioren gekickt: „Wichtig wäre, dass sie nicht zu hoch eingehen. Eine Niederlage zwischen 1:2 und 1:4 wäre ein ehrenhaftes Ergebnis.“ Mit welcher Vorstellung gingen die Hanseaten in die Partie? Keeper Jörg Hahnel, der im diesjährigen Pokalwettbewerb noch nicht eingesetzt worden ist: „Jeder sollte heute die Möglichkeit nutzen, um Aufbauarbeit zu betreiben. Es ist kein Geheimnis, dass der Gegner hoch motiviert sein wird. Dennoch müssten wir in der Lage sein, das Spiel zu bestimmen und Hagenow früh den Zahn zu ziehen.“

So ganz wunschgemäß lief es aus Rostocker Sicht nicht. Zwar bestimmte der Drittligist erwartungsgemäß das Geschehen, leistete sich jedoch auffällig viele Ungenauigkeiten. Trainer Peter Vollmann war dann auch in seiner Bewertung der ersten Halbzeit wenig begeistert: „Wir wollten das Spiel breit anlegen, haben aber viel zu oft den Weg durch die Zentrale gesucht.“ Genau da machten die Hagenower dem Favoriten mit großem Einsatz das Leben schwer – ohne allerdings die Tore von Marcel Ziemer (13.) und Christian Bickel (36.) zur 2:0-Gästeführung verhindern zu können. Der HSV seinerseits kam nach einer Ecke und Kopfball von Christian Tügel zu seiner besten Chance. Hansa-Keeper Johannes Brinkies sicherte den Ball im Nachfassen (27.). In der Rostocker Kabine dürfte es klare Ansagen gegeben haben. Nach dem Seitenwechsel forcierten die Gäste ihr Flügelspiel und ließen den Ball wesentlich besser laufen, als das noch zuvor der Fall war. Aber obwohl die bis zuletzt ackernden Landesliga-Spieler zunehmend schwere Beine bekamen, musste der mehrfach glänzend reagierende Patrick Tack doch auch im zweiten Abschnitt nur zweimal hinter sich greifen. Sascha Schünemann war nach guter Vorarbeit von Aleksandar Stevanovic per Direktabnahme erfolgreich (54.), und Marcel Ziemer kam mit platziertem Kopfball zu seinem zweiten Treffer (70.).

Peter Vollmann registrierte eine Steigerung seiner Mannschaft, stufte die Effektivität aber als ungenügend ein: „Wir müssen natürlich höher gewinnen. Dass bei 19 Ecken kein Tor herausspringt, kann nicht sein.“ Ziemlich geschafft, aber entspannt zeigte sich HSV-Kapitän Christian Tügel: „Wir haben alles gegeben und gezeigt, was man mit Teamgeist und Kampfkraft zumindest eine Halbzeit lang auch gegen Profis erreichen kann. Ich bin stolz auf das Team. Dieses geile Feeling müssen wir mit in die Meisterschaft nehmen.“ Und HSV-Stürmer Dennis Steuwer als bekennender Hansa-Fan schwärmte: „Das ist echt Wahnsinn, vor so einer Kulisse gegen Spieler aufzulaufen, für die du sonst ins Stadion gehst, um sie anzufeuern.“

Die zahlreichen Hansa-Fans unter den Zuschauern kamen ebenfalls voll auf ihre Kosten. Die Profis erfüllten jede Menge Autogramm- und Fotowünsche. Bestens ins Gesamtbild passte die Einschätzung von Uwe Mathews. Der Erste Polizeihauptkommissar war als Einsatzleiter mit etwa 50 Kräften vor Ort: „Wir hatten nur einen Böller-Werfer, der identifiziert wurde und auf den jetzt eine Anzeige zukommt. Es ist top gelaufen.“ Und so dürfte der Pokalauftritt 2014 des FC Hansa Rostock als stimmungsvolles Fußballfest in die Hagenower Sportgeschichte eingehen.

Hagenower SV: Tack – Tügel, Klose, Tallig (60. Wosniak), D. Grewe, Geese, Wojatzky, E. Grewe, Pippirs (75. Rudolf), Banthin, Steuwer (48. Kaatz).

FC Hansa Rostock: Brinkies – Gröger (60. Jakobs), Ruprecht, Stuff, Schünemann (75. Krauße), Pett, Schwertfeger, Blacha, Stevanovic (75. Matern), Ziemer.

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