Saisonstart : Herkulesaufgabe mutig angehen

Mit dem 2:1 gegen die SpVg Cambs-Leezen startete die SG Aufbau Boizenburg (in Rot) die entscheidende Siegesserie, die zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte führte. Fotos: willmann/privat
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Mit dem 2:1 gegen die SpVg Cambs-Leezen startete die SG Aufbau Boizenburg (in Rot) die entscheidende Siegesserie, die zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte führte. Fotos: willmann/privat

Fußballer der SG Aufbau Boizenburg starten morgen mit Heimspiel gegen den Torgelower FC Greif in die Verbandsliga-Saison

svz.de von
31. Juli 2014, 22:14 Uhr

„Wir sind uns der Situation absolut bewusst. Das wird eine echte Herkulesaufgabe“, steht für Trainer Christoph Hachtmann außer Frage, dass die morgen beginnende Saison in der Fußball-Verbandsliga für sein Team, die SG Aufbau Boizenburg, eine außergewöhnliche sportliche Herausforderung darstellt. Der Auftaktgegner könnte für den Aufsteiger schon ein Fingerzeig in diese Richtung sein. Mit dem Torgelower FC Greif läuft ein ambitionierter Oberliga-Absteiger um 15 Uhr auf der Sportanlage An der Fliesenfabrik auf.

Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen die Staffelsieger der Landesliga West auf den Gang in die höchste MV-Spielklasse verzichteten, wollen sich die Elbestädter dem Sprung ins kalte Wasser mutig stellen. Denn was die Mannschaft konkret erwartet, weiß keiner so genau. „Wir wollen versuchen, die Fahne Westmecklenburgs hochzuhalten und beweisen, dass unsere Staffel nicht so schlecht ist wie ihr Ruf. Wo der Weg konkret hinführt – keine Ahnung. Wir würden uns riesig freuen, wenn wir die Chance bekämen, die Klasse zu halten“, formuliert Hachtmann betont zurückhaltend seine und die Erwartungen des Umfeldes – auch mit Blick auf die jüngere Vergangenheit. Die Boizenburger Vorgänger aus der West-Staffel, PSV Wismar, Schweriner SC und zuletzt die SG Roggendorf, gingen in der Verbandsliga nacheinander bekanntlich sang- und klanglos unter. Und dass das Aushängeschild des MV-Fußballs in der neuen Spielzeit keinesfalls schlechter besetzt sein wird, liegt für den Aufbau-Übungsleiter auf der Hand. Zu den bärenstarken Spitzenteams der vergangenen Saison kommt noch der schon erwähnte Oberliga-Absteiger aus Torgelow hinzu. Und selbst die Mitaufsteiger FC FK Rene Schneider und FSV Einheit Ueckermünde dürften nicht von Pappe sein.

Aber Bange machen gilt bekanntlich nicht. Hervorzuheben bleibt die starke Saisonleistung, mit der man sich diese Chance erarbeitet hat. Auch wenn die Boizenburger erst am vorletzten Spieltag den Sprung auf Platz eins geschafft haben, so war die Meisterschaft für Christoph Hachtmann letztlich alles andere als unverdient: „Ich denke, wir waren die konstanteste Mannschaft, haben die wenigsten Gegentreffer kassiert, und die erzielten Ergebnisse hatten in aller Regel wenig mit Glück zu tun.“ Als Ausnahme lässt er in der Rückrunde einzig das 2:1 gegen die SpVg Cambs-Leezen gelten, das der bis dahin die Tabelle anführenden Spielvereinigung einen ordentlichen Knacks mitgab. Ein Acht-Punkte-Polster gegenüber den Elbestädtern war nach zwei weiteren Niederlagen komplett aufgebraucht. Dagegen gab die SG Aufbau in ihren letzten sechs Spielen keinen Punkt mehr ab und holte auch alle weiteren „big points“, wie beim 1:0 gegen den am Ende zweitplatzierten FC Anker Wismar II.

Als eigentliche Wendemarke stuft Christop Hachtmann allerdings die bittere 0:1-Heimniederlage gegen Dynamo Schwerin am 20. Spieltag ein: „Danach hatte uns keiner mehr auf dem Schirm und für uns selbst war jeglicher Druck weg.“ Der baute sich erst am letzten Spieltag wieder auf, als man als Spitzenreiter zum „Gejagten“ wurde und in Crivitz mit dem großen Ziel vor Augen plötzlich in der Pflicht war. Diese Aussicht blieb nicht ohne Wirkung. Alle Messen schienen angesichts eines 1:3-Rückstandes gesungen, als die Mannschaft in der Schlussviertelstunde doch noch zum großen Schlag ausholte und mit fünf Toren Staffelsieg und Aufstiegsoption perfekt machte.

Diesen Teamgeist, der durch das Winter-Trainingslager in der Türkei zusätzlich befördert wurde, benennt Hachtmann als ein wesentliches Qualitätsmerkmal. „Bei uns war die Mannschaft der Star, nicht einzelne Spieler.“ Noch darüber, als entscheidenden Faktor, stellt er das schnelle Begreifen und Umsetzen des Systems, das seine Jungs an den Tag gelegt hätten. Nicht unwesentlich seien natürlich auch gute Physis und allgemeine Fitness gewesen. Das alles zusammen im „Paket“ begründete die Boizenburger Erfolgsgeschichte, mit der der Trainer zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht gerechnet hatte. „Mein persönliches Ziel sah so aus, mit einer starken Mannschaft erst in dieser Saison oben anzugreifen.“ Entsprechend früh waren die Fühler nach Spielern ausgestreckt, die zu dieser Planung passten. Sechs der sieben Neuzugänge wären auch ohne den Verbandsliga-Aufstieg an die Elbe gewechselt. „Wir haben richtig Qualität dazu bekommen.“ Frank Owe kehrt nach einer Saison, in der er sich beim künftigen Liga-Konkurrenten MSV Pampow einen Stammplatz erkämpft hatte, zu seinem Heimatverein zurück. Jonni Jahnke (FC Schönberg) bringt ebenfalls Erfahrung auf dem geforderten Niveau mit. Vom Güstrower SC kommt Philip Kraatz. Im Kader stehen außerdem aus der näheren Umgebung Andreas Blasius und Jens Hogrefe (beide SV Tessin/Zahrensdorf), Sebastian Ader (Rodenwalder SV) und mit dem 19-jährigen Jonas Swenson ein junger Stürmer, der beim TSV Empor Zarentin sein Talent angedeutet hat. Den umgekehrten Weg geht Sebastian Brandt, der von Boizenburg an den Schaalsee wechselt. Alexander Motzkus und Henning Stehr werden künftig für Aufbaus Zweite auflaufen.

Zuwachs gibt es auch auf der Bank. Das Trainerteam um Christoph Hachtmann, Dirk Fedder (Co) und Jan Ferber (Torwart-Trainer) erhält Unterstützung von Michael Heintz (Co-Trainer) und Michael Harder, der seit dem 1. Juli die neue Funktion des sportlichen Leiters bekleidet. Nach seiner Einschätzung der Vorbereitung gefragt, bricht Hachtmann nicht eben in Begeisterungsstürme aus. Ein Kardinalproblem lag in dem Aufstieg an sich begründet. Dass es bedingt durch diesen Triumph nur eine Woche nach dem Landesliga-Abschluss schon wieder los gehen würde, hatten viele Spieler in ihrer Jahresplanung nicht auf dem Schirm. Der Trainer selbst stornierte kurzerhand seinen bereits gebuchten Urlaub. Die Integration der Neuzugänge ist erwartungsgemäß alles andere als ein Selbstläufer. Fünf Spieler aus dem 22er-Kader laborieren zudem an Verletzungen. Besonders bitter hat es Erik Ragnar Schünemann getroffen, für den die Saison nach einem Kreuzbandriss schon vor dem ersten Anpfiff beendet ist.

Vor dem Hintergrund dieser nicht ganz einfachen Situation waren die Vorbereitungsspiele einzuordnen. Es fehlte oft noch an Kontinuität und Abstimmung. Dabei sah man gegen stärkere Gegner, wo höchste Konzentration gefordert war, oft besser aus, als gegen vermeintlich gleichstarke bzw. schwächere. Im vorletzten Test mussten die Boizenburger noch diverse Rückschläge verkraften. Frank Owe zog sich beim 2:0-Sieg gegen Cambs-Leezen eine schwere Knieverletzung zu. Die zunächst befürchtete Operation ist zwar nicht notwendig, aber der wichtige Mittelfeldspieler wird nicht vor Anfang September ins Geschehen eingreifen können.

Auch Tom Skornik und Christopher Muuß „erwischte“ es in Leezen. Letzterer wird es morgen gegen Torgelow nach Aussage seines Trainers zumindest versuchen: „Der Start wird dadurch natürlich noch schwieriger. Generell müssen wir in der Verbandsliga ergebnisorientiert arbeiten. Es geht um die Disziplin im System. Wir haben das in der vergangenen Saison hingekriegt. Warum soll uns das nicht wieder gelingen“, will Christoph Hachtmann bei allem Bewusstsein für die Schwere der Aufgabe, vor der seine Mannschaft in der höchsten Landesspielklasse steht, doch auch keine Schwarzmalerei betreiben.

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