Leichtathletik : Schwarzer Tag statt Silberchance

Die vielen Kampfrichter-Argusaugen waren sicher nicht mitschuldig an Henning Prüfers  enttäuschendem Abschneiden in Eugenes Kugelstoßring.
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Die vielen Kampfrichter-Argusaugen waren sicher nicht mitschuldig an Henning Prüfers enttäuschendem Abschneiden in Eugenes Kugelstoßring.

Leichtathletik-Junioren-WM: Enttäuschender 11. Platz für Henning Prüfer im Kugelstoßen / Heute Nacht Diskusfinale

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25. Juli 2014, 22:00 Uhr

Mit dem 11. Platz musste sich Henning Prüfer bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Kugelstoßen begnügen. Mit 19,01m blieb der Güstrower deutlich unter seinen Möglichkeiten: 20,60m hat er aus der Hallensaison in den Wertungslisten zu stehen. Da sitzt die Enttäuschung tief, nicht mal den Endkampf erreicht zu haben.

Überhaupt, es war ein ganz schwarzer Tag für die deutschen Kugelstoßer, die vor einem Jahr, bei der Jugend-WM in Donetsk, noch alles in Grund und Boden gestoßen hatten. Denn auch Hennings kongenialer früherer Trainingsfreund beim SC Neubrandenburg, U18-Weltmeister Patrick Müller, patzte. Mit genau 19,00m musste Müller dem U18-Vizeweltmeister diesmal sogar den Vortritt lassen.

Besonders ärgerlich wird das Abschneiden der beiden Zimmerkumpels in Eugene bei Betrachtung der Konkurrenz. Es patzten nämlich auch andere. Der Ägypter Hassan, nach Oregon mit Jahresweltbestweite (21,79m) gereist, hungerte sich mit 19,20m gerade so in den Endkampf und blieb mit fünf (!) Fehlversuchen als 8. hängen. Der US-Boy Days, der in diesem Jahr schon 21,16m aufweisen kann, rettete mit 20,01m immerhin die avisierte Bronzemedaille.

Die Gunst der Stunde nutzte der Niederländer Comenentia. Mit übrigens gleichem Ausgangswert wie Henning im Freien (19,89m) angereist, steigerte der sich auf 20,17m und gewann damit überraschend Silber.

Jörg Schulte, beim SC Potsdam Hennings Heimatcoach und zugleich Bundes-Nachwuchstrainer Diskus, musste dem für ihre Möglichkeiten seltsamen Treiben der beiden Deutschen im Ring zusehen, ohne helfend eingreifen zu können: „Leider konnten beide Jungs nicht ihr Leistungspotenzial abrufen. Normalerweise hätten beide deutlich über das Silber-Ergebnis stoßen müssen.“ Ein Erklärungsversuch: „Ich denke, dass der Grund bei Henning hauptsächlich im Saisonaufbau liegt. Das Krafttraining im Kugelstoßen unterscheidet sich deutlich von dem im Diskuswurf. Im Kugelstoßen muss man deutlich intensiver und näher an den Saisonhöhepunkt rantrainieren. Da wir im Hinblick auf den Diskuswurf sehr früh aus den Kraftbelastungen rausgegangen sind, fehlte Henning mit der Kugel nun einfach die Kraft. Die guten Kugelleistungen hat Henning in dieser Saison immer aus der vollen Kraftbelastung gestoßen.“


Fokus schnell auf Diskuswurf richten


Den Titel holte sich der Pole Konrad Bukowiecki in überragender Manier. Obwohl noch ein Jahr jünger als die jüngeren U20er-Jahrgänge wie Prüfer und Müller, stieß der erst 17-Jährige mit 22,06m über eine Marke, die vor ihm erst zwei Athleten mit der 6-kg-Kugel knacken konnten: der Neuseeländer Jacko Gill und der spätere zweifache Männer-Weltmeister David Storl aus Rochlitz. Bukowiecki, der schon in Donetsk zu den Topfavoriten zählte und dem dort die Nerven einen Streich spielten, ist Drehstoßer, wie übrigens die beiden weiteren Medaillengewinner auch. Anders als Comenentia und Days, „rutschte“ ihm aber nicht mal nur einer so weit raus, sondern er hatte mit 22,01m sogar noch einen Stoß dieser Güte.

Für seinen Schützling wollte Coach Schulte am Freitagmorgen nach der Kugel-Pleite dennoch nicht alles schwarzmalen: „Ich denke trotzdem, dass wir im Hinblick auf das Diskusfinale den richtigen Aufbau gewählt haben. Ich habe gleich nach dem Wettkampf mit Henning noch mal eine Diskus-Technikeinheit durchgeführt und das sah sehr gut aus. Henning schien auch sehr fokussiert und optimistisch.“

Dennoch stand für den Güstrower nach diesem Donnerstagabend (Eugene-Zeit) die große Frage, ob er die Enttäuschung über Nacht aus den Kopf bekommt: 10 Uhr früh stand die Quali für den Diskuswurf an. 59,00m waren zu bewältigen, um sicher im Finale zu stehen.

Das schaffte der 18-Jährige, der beim LAC Mühl Rosin das Leichtathletik-Abc erlernte, im 2. Versuch (59,93m). Das Diskusfinale findet nach deutscher Zeit in der Nacht zum Sonntag ab 01 Uhr statt.

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