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Speedway : Kai Huckenbeck „Sieger der Herzen“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

5000 Zuschauer erleben den Europameisterschaftslauf im Speedwaybeim MC Güstrow. Deutscher Wildcard-Fahrer verpasst nach Sturz Finale.

„Es war ein tolles Rennen, ganz nach meinem Geschmack“, urteilte Ottomar Blüher Sonnabend nach dem 2. Finallauf um die 5. Speedway-Europameisterschaft. Der ehemalige Finanz-Vorstand des MC Güstrow war sich da mit den meisten der 5000 Zuschauer einig. Blüher: „Die Rennen waren spannend bis zum Schluss. Nur schade, dass es Kai Huckenbeck nicht ins Finale schaffte. Verdient hätte er es gehabt.“

Huckenbeck stahl trotz Sturz allen die Schau

Auch wenn am Ende der Russe Artem Laguta vor dem Letten Andrejs Lebedevs gewann und sich Lebedevs nach zwei Rennen mit 25 Punkten an die Spitze der Gesamtwertung setzte. Die Schau stahl allen, auch den etablierten EM-Startern, der deutsche Wildcard-Fahrer. Damit knüpfte er an seinen 3. Platz vor Jahresfrist an. Er konnte ihn nur nicht toppen, weil er im Rennen um die „Last Chance“ stürzte. Am Ende jubelte Ottomar Blüher trotzdem mit ihm über einen sehr guten 5. Platz.

Weniger erfreulich fand Blüher die überwiegend englische Moderation des Rennens. Am wenigsten konnte Maciej Kiwak dafür. Er erfüllte nur eine Aufgabe des polnischen Veranstalters One Sports. Der begründete das mit den TV-Übertragungen, bei denen die deutschen Fans seit 2015 außen vor bleiben, außer wenn sie über You Tube auf einem Portal – in Englisch – fündig werden.

Sehr zufrieden mit dem Rennen waren die Güstrower Klub-Chefs Torsten Jürn und Thomas Koch. Sie freuten sich über die Zuschauerzahl, das gute Wetter – vor einem Jahr musste das Rennen nach den Vorläufen abgebrochen werden – und die Stimmung, für die natürlich Kai Huckenbeck mit seinem Fahrstil besonders sorgte. Glücklicherweise ist die Blessur am linken Bein nicht so tragisch, so dass er z. B. in seinem Ligarennen bei den King’s Lynn Stars am Mittwoch gegen Rye House eventuell wieder starten kann.

Diese internationalen Rennen waren auch dieses Mal ein Garant dafür, dass sich Fahrer von einst erstens solch ein Rennen nicht entgehen lassen und sich zweitens mal wiedersehen. So traf Onkel Joachim Mell, mehrfacher DDR-Meister auf der Speedway- und Sandbahn, seinen Neffen, den Güstrower Steffen Mell. Jochen Mell urlaubt an der Ostsee und unternahm zum EM-Lauf einen Abstecher nach Güstrow. Steffen Mell wiederum unterhielt sich mit Maik Ebensink, der in Henningsdorf zu Hause ist, über gemeinsame Speedway-Zeiten.

Auch in der Box sah man altbekannte Gesichter. So gab der mehrfache tschechische Meister, Auslandsprofi und Pardubicer Goldhelm-Gewinner von 1996, Tomas Topinka, Vaclav Milik Schützenhilfe.

Kleine Yamahas und große Bikes zum Beginn

Kein internationales Rennen ohne die schmucken Maschinen der Biker-Gemeinschaft „Grey Bulls“. Präsident Torsten Köpnick musste dieses Mal aber wegen Urlaub und anderer Verpflichtungen einige Biker-Freunde bitten auszuhelfen. Köpnick: „Mit unserer Truppe sind wir wieder am 8. September beim zweiten Lauf um die U21-WM voll im Rennen.“ Sonnabend mussten sich die „Grey Bulls“ ihren Auftritt allerdings mit den PW-50-Yamaha-Fahrern teilen. Die kleinen Fahrer, die aus Güstrow und Parchim sind, fuhren mit ihren 50-ccm-Maschinen vorne weg. Darunter Tyler Haupt, Filius von Roberto Haupt, der für den MC Güstrow viele Rennen bestritt. Der Siebenjährige fuhr schon zwei Rennen und ist mit seinem Papa auch auf der Cross-Bahn zu finden – der Apfel fällt eben bekanntlich nicht weit vom Baum.

Dieses besondere Bild war auch ein Motiv für Wolfgang Radszuweit. Der Hamburger ist Fotograf und u.a. für die Fachzeitschrift „Bahnsport aktuell“ tätig. Rennen im Osten erlebt er seit 30 Jahren, sowohl auf dem Bergring als auch in Güstrow. Für das Jubiläum sorgte 1987 eine Privatreise, die ihn nach Teterow führte, dann nach Güstrow. Seitdem verpasst der 62-Jährige möglichst keine Rennen in beiden Städten. Den Güstrowern – Radszuweit plaudert gern und interessant – half er in ersatzteilarmen DDR-Zeiten oft mit Mangelware aus. Das öffnete ihm danach beim Güstrower Speedway-Nestor, Fritz Suhrbier, Tür und Tor.

Güstrower Bahn half Laguta zum Sieg

Nach dem EM-Lauf bestätigte sich übrigens etwas für die Güstrower Bahn, was Bernd Weldner, ADAC-Hansa-Obmann für Speedway/Bahnsport, in seiner jahrelangen Tätigkeit als Schiedsrichter immer wieder feststellte. In Güstrow hat der Fahrer einen Vorteil, der von den Außenbahnen Gelb oder Weiß startet. Bei diesem EM-Lauf siegte zehnmal Gelb und fünfmal Weiß. Bis zum Finale hielt aber auch die rote Innenbahn mit: fünf Siege. Der Sieger Artem Laguta hatte wohl mitgezählt, wählte die rote Farbe und – siegte. Über den Erfolg freute er sich riesig. In der Pressekonferenz vermutete er, dass dazu die Güstrower Bahn einen Beitrag leistete. „Bisher habe ich hier immer gut gepunktet“, erzählte er. 2015 siegte er z.B. bei den Best Pairs mit Bruder Grigorij. Den Sieg widmete er seinem fünfjährigen Sohn Adam, den er mit aufs Siegerpodest nahm, und seiner Frau Awelin, mit der er in Bydgoszcz (Bromberg) lebt, denn er fährt in der polnischen Liga.

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erstellt am 17.Jul.2017 | 05:00 Uhr

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