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Serie Ehrenamt : „Jedes Kind hat Platz im Herzen“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Serie Ehrenamt: Diana Oganjan (34) aus Armenien beginnt Ausbildung und muss Klavierunterricht aufgeben

Diana Oganjan aus Armenien will in ihrem Leben etwas verändern. Mehr als zehn Jahre als Klavierlehrerin ehrenamtlich bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) tätig, wird die 34-Jährige im September eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnen. Dafür muss sie den Klavierunterricht, den sie zuerst an der Mädchenorientierungswerkstatt und zuletzt im Mehrgenerationenhaus gegeben hat, aufgeben. „Das wird wehtun“, weiß sie schon jetzt.

Musik ist schließlich ein Teil des Lebens der verheirateten Mutter dreier Kinder. Geboren in Jerewan, begann sie in Armenien schon früh ihre musikalische Ausbildung. Sie absolvierte sieben Jahre Musikschule in Artaschat und drei Jahre am Konservatorium. Wegen der Kinder brach sie das Studium ab, doch die Musik begleitete sie weiterhin. In ihrer zweiten Heimat Güstrow brachte sie sich mit ihrem Talent ein, zuerst ehrenamtlich. Ab 2002 war Diana Oganjan in der Mädchenorientierungswerkstatt aktiv. Kein Fest wurde ausgelassen, immer war sie mit Musik dabei. Doch sie entwarf auch Kostüme und nähte Kleider für die Tanzgruppe „Fiesta“.

Durchschnittlich unterrichtet sie acht Kinder, zum Teil mit Migrationshintergrund. In Ihrem Klavier-Unterricht, den sie hier gab, stand längst nicht nur klassische, sondern auch aktuelle Musik auf dem Stundenplan. Daneben war ihr aber auch immer wichtig, dass die Kinder gern zum Unterricht kommen. Nicht der Drill am Instrument stehe im Vordergrund, sondern vielmehr möchte sie Liebe zur Musik vermitteln. „Manche Eltern sagen, der Unterricht sei wie eine Therapie für ihre Kinder“, erzählt Diana Oganjan.

Für die Awo war dies ein Angebot, das sich viele Eltern so überhaupt erst leisten konnten. „Wir möchten ihr dafür recht herzlich danke sagen“, betont Elvira Kelling, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, in dem das Klavier seit einigen Monaten steht. Der Unterricht hier konnte bisher weiter gehen, doch nun wird Diana Oganjan neue Wege einschlagen. „Ab September wird das Lernen im Vordergrund stehen, wenn ich die Ausbildung beginnen werde“, sieht sie schon jetzt in die Zukunft. Es sei schade, doch die Zeit reiche dann für Familie und den Unterricht nicht mehr aus.

Die Schüler werden ihre Lehrerin sicherlich vermissen. „Ich habe erst seit einem Jahr Unterricht, aber doch einiges gelernt. Es macht Spaß“, sagt Anastasia Kondraschov (10). Und auch Diana Oganjan werde etwas fehlen. „Die beiden Unterrichtstage, jede Woche jeweils drei Stunden lang, waren eine völlig andere Welt für mich, die ich genossen habe“, sagt sie. Es sei für sie selbst Therapie gewesen. Und wenn sie ab September neue Wege geht, dann wird sie die Erinnerung an diese schöne Zeit mitnehmen. „Jedes Kind hat einen Platz in meinem Herzen“, sagt sie.



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