Leichtathletik : Glanzpunkt für deutsches Team

Mental blendend drauf, technisch sicher und kraftvoll zeigte sich Henning Prüfer in Eugene im Diskusring.
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Mental blendend drauf, technisch sicher und kraftvoll zeigte sich Henning Prüfer in Eugene im Diskusring.

Leichtathletik: Nervenstarker Diskuswerfer Henning Prüfer aus Güstrow gewinnt sein drittes WM-Silber

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29. Juli 2014, 23:00 Uhr

Mit seinem dritten WM-Silber im Gepäck ist Henning Prüfer am Dienstag in Berlin wieder gelandet. „Tracktown“, wie Eugene im US-Staat Oregon bei Leichtathletikfans genannt wird, brachte den Güstrower im „Field“ wieder ein Stück näher an den Männersport heran. Nach Doppelsilber voriges Jahr in der Jugend (U18) mit Diskus und Kugel gelang ihm, jetzt bei den Junioren (U20), die Wiederholung mit der um 0,25kg schwerer gewordenen Scheibe. Damit sorgte Henning, neben Silber-Dreispringer Max Hess, für den aus deutscher Sicht glanzvollsten Augenblick dieser Weltmeisterschaft.


Nach der Kugel-Pleite mental klasse drauf


Vor einem Jahr in Donetsk, damals dem Australier Matthew Denny unterlegen, hatte Henning mit Blick auf Eugene den Angriff auf den Titel angekündigt. Galt 2013 noch Denny als Maß aller Dinge im Nachwuchs-Diskuswurf, so ging der Australier diesmal leer aus (62,73m/4.). Dem Sieger 2014 vermochte auch Prüfer dennoch nicht Paroli zu bieten. Zu überlegen war diesmal der Kroate Martin Markovic, der die 1,75kg-Scheibe auf 66,94m warf – als jetzt Drittbester aller U20-Werfer! Nur der jugendliche Überflieger Nesterenko (Ukraine) und der Este Hunt warfen den 1,75kg-Diskus mal weiter.

Doch was der ehemalige Mühl Rosiner LAC-Sportler am Sonntag ablieferte, hat seine vielen Fans am Live-Blog der IAAF, bei Eurosport2, in den Netzwerken oder bei irgendeinem amerikanischen, schwedischen oder sonstigen Livestream elektrisiert. 62,20m im ersten Versuch ließ der bis dahin Fünfte der Weltjahresbestenliste mit 63,70m persönliche Bestweite folgen. Von Anfang an hatte er seinen 2. Platz abonniert und gab diesen auch nicht wieder her. Im Gegenteil: Schüchternen Annäherungsversuchen des Australiers und des Norwegers Sven M. Skagestad, bis Eugene der Weltjahresbeste (65,66m), setzte der Schützling von Trainer Jörg Schulte nach einem ungültigen und einem weiteren 62er-Wurf beeindruckende 64,18m entgegen. Markovics 64,70m vom Auftakt waren ungefährdet, so konnte der bärenstarke Sieger vier Fehler folgenlos folgen lassen. Skagestad wurde mit 63,21m Dritter.

Nichts zu bestellen hatte Maximilian Klaus (LV Erzgebirge), der zweite deutsche Werfer in Eugene. Ohne Quali-Norm erreicht zu haben, als nur Zwölfter gerade so ins Finale gekommen, versagten dem besten deutschen 1,75kg-Werfer des vergangenen Jahres die Nerven. Weit unter seinem Potenzial liegende 55,10m bedeuteten auch hier nur Platz 12.

Henning Prüfer aber wirkte zwei Tage nach seiner Kugelstoß-Pleite mit dem 11. Platz nach enttäuschenden 19,00m wie ausgewechselt. Schon in der Quali hatte er den vermaledeiten Vorabend verdaut gehabt. Da schied mit dem Litauer Domantas Poska (dieses Jahr schon 63,83m) immerhin einer der Topfavoriten kläglich aus, bevor die WM überhaupt erst richtig losging. Obwohl speziell Denny und Skagestad natürlich immer für einen Wurf über 64 gut sind, ging Henning in sich ruhend und scheinbar gelassen seine Versuche an. „Ich bin gut in den Wettkampf gekommen, das gab mir Sicherheit. Nur, Martin war so stark, das konnte ich nicht kontern. So bin ich glücklich über Silber. Mein Ziel für Eugene war eine Medaille, und die habe ich. Nach dieser Steigerung auf über 64 Meter will ich nächstes Jahr den Deutschen Rekord angreifen“, markierte sich der seit zwei Jahren beim SC Potsdam trainierende Güstrower schon ein nächstes hohes Ziel.


Kugel schon zum alten Eisen gelegt?


2015 kündigt sich mit der U20-EM (in Schweden) auch schon die Revanche für Eugene an. Gut möglich, dass Prüfer dann nur noch im Diskusring anzutreffen ist. Frisch unter dem Kugel-Schock stehend, hatte er schon in Eugene vermeldet: „20-Meter-Stoßer, das war einmal. Mit dem Kugelstoßen habe ich abgeschlossen.“ Bleibt es dabei, wäre Henning Prüfers Weg zur endgültigen Spezialisierung wohl abgeschlossen. Vor elf Jahren hatte er bei den kleinsten Schülern für den LAC Mühl Rosin seinen ersten Landesmeistertitel errungen – im Sprint. Seine Trainerin damals war Sabine Beutling. In der Nacht zum Sonntag gehörte sie zu den ersten Gratulanten: „Ich war gerade auf der Rückfahrt aus dem Urlaub und wurde von Vereinsfreunden immer auf dem Laufenden gehalten. Als Hennings Silber feststand, habe ich ihm gleich eine Glückwunsch-SMS geschickt. Ich hoffe, sie hat ihn auch erreicht!“

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