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Fussball : Fußballer hören auf ihren Pfiff

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Schiedsrichterin Patrizia Schütz aus Krakow am See gibt beim Fußball den Ton an

Es ist die 70. Spielminute in der B-Jugend-Begegnung zwischen dem Güstrower SC II und dem Rostocker Fußballclub. Kurz vor dem Strafraum wird GSC-Stürmer Jan Erik Küster in der Schlussphase des Spiels unsanft von den Beinen geholt. Der Pfiff von Patrizia Schütz ertönt postwendend, ein paar mahnende Worte an den RFC-Spieler sowie ein Freistoß für die heimischen Barlachstädter folgen. Widerrede gibt es seitens der 15- und 16-Jährigen Nachwuchsspieler keine, denn die junge Krakower Schiedsrichterin ist in der Männerdomäne Fußball längst akzeptiert.

Obwohl die 18-Jährige einer fußballverrückten Familie entstammt, kam sie eher durch Zufall zu ihrer Aufgabe als Unparteiische. „Der FSV Krakow bekam damals Strafgeld und Punktabzug verhängt, weil er das Schiedsrichtersoll nicht erfüllte“, erinnert sich die frisch gebackene Abiturientin zurück. Zunächst traten die Vereinsverantwortlichen an ihren Bruder Niklas heran, der selbst in der C-Jugend des Vereins kickt. Da er dem Fußballspielen jedoch den Vorzug gab, schlug Mutter Sandra Schütz kurzerhand vor, ihre damals 16-Jährige Tochter zu fragen. Gesagt getan, ging es für Patrizia Schütz seit diesem Tag vor anderthalb Jahren quasi „Knall auf Fall“, wie die junge Frau es selbst formuliert. Nicht nur der 14-jährige Bruder, sondern auch ihre Freunde reagierten zunächst übrigens skeptisch, hätten sich aber mittlerweile längst an ihr neues Hobby gewöhnt, ist sich Patrizia Schütz sicher. Nach drei Wochenenden Schiedsrichterausbildung in Bützow bestand sie bereits Ende März 2013 erfolgreich ihre Prüfung. Das erste Spiel – eine D-Jugendpartie in Teterow – folgte nur wenige Wochen später. Patrizia Schütz meisterte auch diese Herausforderung mit Bravour, Beobachter Hans-Jürgen Delzepich war zufrieden mit seiner jungen Schülerin und stellte ihr endgültig die Schiedsrichter-Erlaubnis aus.

Seitdem spielt sich das Leben von Familie Schütz vor allem an den Wochenenden überwiegend auf den Fußballplätzen dieser Region ab. Während die eine Hälfte bei den Spielen des Sohnes weilt, ist es meist Mutter Sandra, die ihre Tochter zu ihren Spielen begleitet. „Da ich noch keine 18 war, musste meine Mutter mich fahren. Das lässt sie sich nach wie vor nicht nehmen, obwohl ich mittlerweile selbst einen Führerschein habe“, erzählt Patrizia Schütz mit einem Schmunzeln. Gerade die ersten Spiele beschreibt die junge Frau als herausfordernd. „Nicht selten schauten die Männer skeptisch, wenn ich am Spielort eintraf. Auch Sprüche wie ‚Was will denn eine Frau hier, die hat doch keine Ahnung‘, gab es durchaus“, erinnert sich die 18-Jährige zurück. Für die ehrgeizige Krakowerin jedoch kein Grund aufzugeben: „Nach der bestandenen Prüfung habe ich mir ein neues Ziel gesetzt, irgendwann einmal in der Bundesliga pfeifen, das wäre schon was“, sagt die junge Frau, die Bibiana Steinhaus als ihr Vorbild angibt, selbstbewusst. Den ersten Schritt in diese Richtung hat sie dabei bereits gemeistert. Erst vor wenigen Wochen wurde sie in die Kreisoberliga hochgestuft und in die Schiedsrichter-Fördergruppe des KFV Warnow aufgenommen.

Auch nach dem bestandenen Abitur am Güstrower John-Brinckman-Gymnasium und dem folgenden FSJ an einer Lübzer Schule möchte die 18-Jährige ihrem Hobby weiterhin nachgehen. „Pfeifen kann ich dann an den Wochenenden trotzdem“, ist Patrizia Schütz, die sich darüber hinaus im Krakower Karnevalsverein und Ruderclub engagiert, überzeugt.

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