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Leichtathletik : Coole Nummer in brütender Hitze

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Leichtathletik: Clemens Prüfer erster Güstrower Jugend-Olympiateilnehmer / Sieger des Europaausscheids im Diskuswurf

von
erstellt am 07.Jun.2014 | 06:00 Uhr

Clemens Prüfer, der jüngere der beiden Diskus-werfenden Prüfer-Brüder aus Güstrow, wandelt jetzt auch international in Hennings Erfolgs-Ringen. Seine erste Bewährungsprobe im Dress der Nationalmannschaft bestand der 16-Jährige mit Bravour. Bereits im Februar nominiert, hatte der einst beim LAC Mühl Rosin Trainierende nur eine Chance, sich für das Großereignis der Sportjugend der Welt in diesem Jahr zu qualifizieren – für die Olympischen Jugendspiele, die vom 16. bis 28. August in Nanjing (China) zum zweiten Mal ausgetragen werden.

Baku – Stadt der Winde heißt im Persischen die Ölmetropole an der Kaspisee. Doch von Wind war im Tofik-Bakramov-Stadion, wo sonst der aserbaidschanische Spitzenklub Nefti Baku Fußball spielt, kaum etwas zu spüren. Schon am ersten Tag der Europatrials in Aserbaidschans Hauptstadt zeigte sich Clemens dennoch ganz frisch. Da stand die Qualifikation an, und die meisterte Clemens ganz souverän. 56 Meter waren gefordert, der Güstrower legte gleich im ersten Versuch 60,98m vor – abgehakt. Er blieb der einzige 60m-Werfer, und das sollte in Baku auch im Finale tags darauf so bleiben. Allerdings blieb überraschend der Pole Konrad Bukowicki, in der Jahresweltbestenliste vor Clemens an Position 2 rangierend, in der Quali hängen. Nach einem ungültigen ersten Versuch schlug der bei den beiden weiteren beim Anschwingen mit dem Hacken gegen den Diskus – so sprangen nicht einmal 50m heraus. Das bittere Aus für das polnische Supertalent, das schon vor einem Jahr bei der U18-WM in Donetsk im Kugelstoßen Lehrgeld zahlen musste.

Fühlte er sich in der Quali noch ganz ruhig, so stellte sich für das Finale dann doch etwas Nervosität ein, gesteht Clemens Prüfer. Doch schon nach dem ersten Versuch konnte mit 59,95m nichts mehr schief gehen. Das würde für den 6. Platz, zur Teilnahme der Spiele in Nanjing gefordert, mit Sicherheit reichen. Das war durchaus wichtig für den Güstrower, denn wie lange die Kräfte reichen würden bei amtlich 32 Grad im Schatten, im Stadionrund jedoch an 50 Grad Hitze, das wusste niemand. Tatsächlich bedeutete diese Weite sogar schon den Sieg! Warf Clemens die ersten beiden Versuche wie schon die Quali zur Sicherheit im Stütz, so stellte er jetzt auf den riskanteren, aber mehr Schwung versprechenden Umsprung um. „Wenn ich den erwische, kann ich weiter werfen“, erklärt der beim SC Potsdam von Bundes-Nachwuchstrainer Jörg Schulte betreute Güstrower. So schaffte er auch noch eine kleine Steigerung auf 60,15m, immerhin. Zufrieden war er damit freilich nicht, warf er dieses Jahr doch schon deutlich weiter. Das aber rückte sein Coach angesichts eines anderthalbstündigen Wettkampfs in brütender Hitze, immer wieder von Siegerehrungen unterbrochen, gerade: „Noch im sechsten Versuch eine Steigerung ist unter diesen Umständen beachtlich.“ Am Abend dann, als zur Siegerehrung schon die Trainingsjacke angesagt war und Clemens zu Ehren die deutsche Hymne erklang, waren die Strapazen des Tages sowieso vergessen.

Der Pole Bukowicki machte dann auch noch etwas aus seinem Baku-Trip. Anders als Clemens und sein früherer Trainingsfreund vom SC Neubrandenburg Merten Howe durfte der Pole in zwei Disziplinen starten. Und im Kugelstoßen revanchierte der sich mit einem schier unglaublichen Paukenschlag: Auf 23,13m wuchtete der den 5-kg-Stahl – die drittbeste Weite, die ein U18-Athlet jemals weltweit stieß! Merten Howe steigerte sich hinter dem Rumänen Toader (21,42m) auf 20,32m und sicherte sich damit in Nanjing das zweite Bett ins Clemens’ Hotelzimmer.

Offiziell nominiert der DOSB sein Nanjing-Aufgebot erst am 4. Juli. Am Sieger von Baku, zumal mit stabilen Leistungen in der Saison, dürfte kein Weg vorbei führen.

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