Leichtathletik : Bangen bei Tom Gröschels EM-Lauf

Gebannt verfolgten die LAC-Freunde des Badendiekers Tom Gröschels Rennen im Beamer-Livestream.
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Gebannt verfolgten die LAC-Freunde des Badendiekers Tom Gröschels Rennen im Beamer-Livestream.

Badendieker erreicht Zielstellung bei Cross-EM trotz Handicaps / Geprellte Rippe und abenteuerliche Anreise

Nach 24 Minuten und 39 Sekunden war die Tortur für Tom Gröschel zu Ende. Unbedingt wollte er seine Schlappe des Vorjahres, als er bei der Cross-Europameisterschaft nur 42. wurde, vergessen machen. Anknüpfen dort, wo er in der U20 schon mal 19. war wollte der Badendieker bei seinem vierten EM-Auftritt.

Dabei war die Ausgangslage in Belgrad ungünstig. Tage zuvor hatte er sich in der Judo-Ausbildung an der Polizeischule eine Rippe angeknackst. Die machte im Training und auch beim Einlaufen im Park der Freundschaft von Serbiens Hauptstadt noch „Alarm“. Gröschel: „Beim Rennen selbst habe ich dann gar nichts gemerkt.“ Das Adrenalin wirkte zuverlässig. Doch auch die Anreise verlief alles andere als optimal. Winterorkan „Xaver“ sorgte bekanntlich für Flugausfälle, auch für die Anreisenden zur EM. Zwar reiste Tom schon am Donnerstagabend los, doch Berlin war wegen Schnees „dicht“, Hamburg sowieso. Die Folge waren acht Stunden ungewollter Aufenthalt auf dem Münchner Flughafen, was ihn dann erst Freitag gegen Mitternacht in Belgrad landen ließ. Wenigstens lag noch ein Tag vor seinem Start am Sonntag zur Mittagszeit dazwischen.


Trotz geprellter Rippe „Punktlandung“ mit Platz 20


Gebannt verfolgten derweil in der Heimat seine früheren Vereinsgefährten vom LAC Mühl Rosin gemeinsam vor dem Beamer den Livestream mit Toms Rennen. Als der Fiko-Athlet dann um 12.45 Uhr nach 8 Kilometern ins Ziel lief, und nach der 16, 17, 18 und 19 endlich hinter der 20 der Einlaufliste Tom Gröschel auftauchte, jubelten und klatschten die großen und kleinen LAC-Sportler begeistert. „Punktlandung“ rief LAC-Trainer Jan Möde spontan über die erreichte persönliche Zielvorgabe, was Tom Gröschel selbst später mit dem genau gleichen Wort bestätigte. Als bester Deutscher der U23 zudem im Ziel, was seiner Leistung zusätzlich Gewicht verleiht, wenn auch der aktuell beste deutsche Nachwuchsläufer nicht in Belgrad starten konnte. Dass Homiyu Tesfaye fehlte, er weilte beim schwer erkrankten Vater in seiner Heimat Äthiopien, war denn auch der entscheidende Punkt, dass die Mannschaft ihr Vorhaben 6. Platz nicht ganz erreichte. Denn war Nico Sonnenburgs 25. Platz dafür noch gut, fielen die anderen deutschen Starter als 49. und 52. doch zu weit ab. Immerhin: Mit Rang 7 hat man sich gegenüber dem Vorjahr um einen verbessert.

Das Riesenfeld der 84 Läufer rennt zunächst bis etwa Hälfte in einem einzigen Pulk. Immer vorne unter den ersten rund 20 Tom Gröschel. Doch dann bricht alles auseinander, erst langsam, dann, als der spätere Sieger, der Belgier Hannes immer mehr forciert, selektiert das Feld stark. Und Tom Gröschel hat Probleme, dranzubleiben! Sein Gefährte Nico Sonnenberg bleibt vorne drin, dahinter eine größer werdende Lücke. Und weiter reißt alles auseinander – das ist vielleicht Toms Glück, der sich wie üblich für die letzte Runde noch Körner „aufhebt“.


Gröschel muss weiter lernen, Kräfte besser einzuteilen


„Das war ja nicht das erste Mal, dass ich den Anschluss verliere. Eigentlich wollte ich bis zwei Drittel vorne drin bleiben, aber Vorstellung und Realität“, schätzt der 22-Jährige selbstkritisch ein, „lagen wieder einmal etwas auseinander. Die Beine wollten nicht mehr so wie ich.“ Soll heißen: Lernen müsse er weiterhin, sich die Kräfte an der richtigen Stelle einzuteilen. Drei Mann habe er auf dem letzten Abschnitt noch überholen können, doch im Ziel war zunächst nicht klar, was das am Ende bedeutete. „Nach kurzem ,Sterben’ im Ziel hat mir später dann im Zelt ein Trainer mitgeteilt, dass ich 20. bin.“

Ob Gröschel am kommenden Wochenende in Rostock bei der Hallen-Landesmeisterschaft über 3000 Meter noch sein allerletztes Rennen in der Nachwuchsklasse U23 angeht, war gestern nicht klar. Viel Kraft habe das Rennen – das war es in Belgrad auf sehr flacher, weicher Strecke mit knapp 3:05 min Kilometer-Durchschnitt in der Tat – gekostet, auch die „Beule“ auf der Brust noch nicht weg, als die SVZ den angehenden Polizeimeister auf seiner 16-km-Traingsstrecke in den Heidbergen erreichte. Zudem beansprucht die Ausbildung an der Güstrower Fachhochschule den Badendieker gerade in diesen Tagen stark: Morgen ist eine Prüfung, kommenden Montag und Mittwoch stehen weitere an. „Vielleicht mache ich Sonnabend auch nur den Hasen für die Triathleten, mal sehen, was der Trainer sagt“, will sich der Langstreckler noch nicht ganz aus dem Jahr 2013 verabschieden.

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