Motorsport : Das härteste Rennen seines Lebens

Der Roduchelstorfer Björn Feldt ist seit heute in Chile. Dort startet er für das Team Deutschland bei den Six-Days, der Mannschaftsweltmeisterschaft im Enduro.
Der Roduchelstorfer Björn Feldt ist seit heute in Chile. Dort startet er für das Team Deutschland bei den Six-Days, der Mannschaftsweltmeisterschaft im Enduro.

Björn Feldt vom MC Grevesmühlen ersetzt Rehnaer Tilman Krause bei der Enduro-Mannschaftsweltmeisterschaft in Chile

svz.de von
06. November 2018, 23:09 Uhr

Es ist die wohl größte Herausforderung für Björn Feldt vom MC Grevesmühlen. Der 30-Jährige ist seit heute in Chile. Dort beginnen am kommenden Montag die „Six Days“. Die Mannschaftsweltmeisterschaft im Enduro gilt als das härteste Endurorennen der Welt. Zusammen mit Robert Riedel (Woltersdorf/Brandenburg), Edward Hübner (Penig/Sachsen) und Davide von Zitzewitz (Karlshof/ Ostholstein) fährt Feldt für das Team Deutschland in der Trophy-Wertung.

„Ich weiß, dass es kein einfaches Unterfangen wird“, blickt Björn Feldt respektvoll auf die wohl anstrengendsten Rennen seines Lebens. Fünf Tage lang wird der Roduchelstorfer bis zu acht Stunden auf dem Motorrad sitzen, dabei verschiedene Sonderprüfungen absolvieren. Für Hobbyfahrer eine Extrembelastung. Am sechsten Tag, am Sonnabend, steht für die Fahrer eine Motocrossprüfung auf dem Programm. „Ich freue mich sehr, bin happy, aber auch aufgeregt“, sagt Feldt, der weiß: „Wir sind eine gute Mannschaft. Deshalb hoffe ich, dass wir auch Erfolg haben werden.“

Edward Hübner ist aktueller deutscher Meister, Robert Riedel wurde wie Feldt in Zschopau Vizemeister. Davide von Zitzewitz ist sogar deutscher Meister im Enduro und Motocross. Er kommt aus einer überaus erfolgreichen Sportfamilie. Sein Opa Volker, Vater Bert und Onkel Dirk wurden ebenfalls deutsche Enduro-Meister.

Björn Feldts Entscheidung, in Chile mitzufahren, fiel kurzfristig. Vor einer Woche rief ihn sein Kumpel Tilman Krause (MC Rehna) an. „Er hatte sich das Schlüsselbein gebrochen und mich deshalb gefragt, ob ich nicht Lust hätte, für ihn die Six Days zu fahren“, erzählt Feldt. Seine spontane Antwort: „Nee, das wird nichts. Ich habe keinen Urlaub und außerdem kostet es viel Geld.“ Als der 30-Jährige seiner Frau von dem Anruf Tilman Krauses und dessen Aus bei den Six Days berichtete, sagte Ulrike Feldt zur Überraschung ihres Mannes: „Na ja, es wäre aber schon cool, wenn du da mitfahren würdest.“ Eine große Hürde hatte Björn Feldt damit genommen. „Das war sehr wichtig für den Kopf“, strahlt der Roduchelstorfer. Das Problem mit dem Urlaub war auch schnell gelöst: Feldts Chef, Heribert Höhr (Druckguss Service Deutschland) ist ebenfalls motorsportbegeistert. „Er war sofort Feuer und Flamme und hat gesagt: Na klar.“ Blieb nur noch eine Sorge: die Kosten. Dank seiner Sponsoren, die kurzfristig einsprangen, zahlt Björn Feldt für seinen Traum nur rund 2000 Euro aus der eigenen Tasche – für unbezahlten Urlaub und zusätzlichem Gepäck wie neuen Reifen und Benzin.

Nur auf eins muss Björn Feldt in Chile verzichten – auf seine 4-Takt-KTM (500 ccm). Der Grund: Die Maschinen von Davide von Zitzewitz, Edward Hübner, Robert Riedel und Tilman Krause sind schon vor gut sechs Wochen in einem Container verladen und auf dem Seeweg gen Südamerika geschickt worden.

Die Mannschaftsweltmeisterschaft in Chile wird Feldt deshalb auf der 2-Takt-KTM (300 ccm) von Tilman Krause fahren. Für den Roduchelstorfer, der bis vor zwei Jahren selbst noch eine Zweitakter gefahren ist, kein Problem. „Damit kann man auch schnell fahren.“

17 Stunden dauerte der Flug von Hannover. Ab morgen beginnen für den Nordwestmecklenburger die Vorbereitungen für die Rennen. Dann geht er die Sonderprüfungen ab, versucht, sich die Strecken mit all den Tücken so gut wie möglich einzuprägen. Auch der Teamcontainer muss aufgebaut und das von Tilman Krause geliehene Motorrad so gut wie möglich hergerichtet werden.

Die eigenen Erwartungen von Björn Feldt bei den Six Days sind hoch. Vor einer Woche feierte der 30-Jährige seinen bislang größten sportlichen Erfolg – den Vizemeistertitel bei der DM in der Klasse E3 im sächsischen Zschopau. „Ich bin gut drauf, allerdings müssen wir vier erst einmal durchkommen. Sechs Tage sind nicht ohne.“

Wie schwer die Six Days sind, wissen Jens Hinrichs und Julian Schramm vom MC Rehna nur allzu gut. Vor drei Jahren starteten sie zusammen mit dem Roduchelstorfer Ingo Lange bei der Mannschaftsweltmeisterschaften in der Slowakei. Schramm und Hinrichs fielen dann am ersten Tag mit Verletzungen aus. Das soll Björn Feldt in Chile natürlich nicht passieren. Schließlich will er die größte Herausforderung auch bis zum Ende genießen.

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