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Enduro : „Dalle“ hängt den Helm an den Nagel

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Rehnaer Frank Dallmann beendet erfolgreiche Endurosportlaufbahn

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Frank Dallmann ist einer der erfolgreichsten Endurofahrer des Motorsportclubs (MC) Rehna und im Land Mecklenburg-Vorpommern. Doch nach 19 Jahren Wettkampf auf höchstem Niveau ist es mit der Ernsthaftigkeit zum Jahresende vorbei. Der 37-Jährige hängt den Helm an den berühmten Nagel, will nicht mehr um Titel und Meisterschaften fahren.

In aller Ruhe steht der Familienvater am Abend im Stall seines Hauses, ganz in der Nähe des Vereinsheimes. Die Arbeit als Tischler ist für den Tag erledigt. Ruhe kehrt ein. Sieben Hühner, die er sich vor einigen Wochen gekauft hat, picken Weizenkörner auf. Dallmann hat dem Federvieh extra ein neues Gehege gebaut. Mit Grünfläche und Holzhaus. „Dalle“, wie er von vielen genannt wird, schaut sich die Hühner in aller Ruhe an, beobachtet ihr Verhalten. „Ein kleiner Traum von mir. Keine Ahnung, was das für Hühner sind, Hühner eben. Hauptsache ich habe welche. Die fetzen doch“, sagt der Rehnaer lachend. Die Rasse ist ihm völlig egal. Hauptsache er hat ein paar Minuten Ruhe, abseits von Familie, Beruf und Sport. Letzteres füllte ihn ganze 19 Jahre aus. Vor sechs Jahren wurde Sohn Till geboren, Freundin Sabine arbeitet in Schichten. Damit bleibt nicht mehr viel Zeit für sein bisher liebstes Hobby – das Motorradfahren durchs Gelände, auf zwei Rädern durch Wald und Schlamm zu fahren, völlig fertig nach zwei Stunden Fahrt zu sein und auch mal tatsächlich den Staub der Kontrahenten zu schlucken.

Dallmanns Elternhaus liegt direkt neben der seit Jahren bestehenden Rennstrecke des Motorsportclubs. Schon als Kind schaute er ständig den Zweiradspezialisten hinterher, wenn sie außerhalb der Straße der Verkehrsordnung entsprechend durch Rehna fuhren. „Der gewinnt hier immer“, erklärte dem damals 18-Jährigen ein Freund, der mit ihm an der Rennstrecke stand und zeigte auf einen Vorbeifahrenden. „Was?“, antwortete „Dalle“: „Das kann ich aber besser“, prophezeite er in jugendlichem Leichtsinn. Nur wusste der Rehnaer zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass hier langsam gefahren werden muss. Gesagt, getan. Wenige Wochen nach diesem Erlebnis kaufte sich der Klosterstädter sein erstes Motorrad, übte etwas und stand plötzlich genau neben dem Lokalfavoriten an der Startlinie – sein erstes Rennen.

„Ich habe mir damals einen Traum erfüllt“, sagt er. Das war im Frühjahr 1995. Platz zwei stand nach dem ersten Rennen zu Buche. Nur einer war schneller – der, der hier immer gewinnt. „Das war cool. Erstes Rennen und gleich Zweiter. Da musste ich weitermachen. Der Ehrgeiz packte mich“, erzählt Frank Dallmann. Drei Jahre brauchte der Endurospezialist, um endlich am Favoriten vorbeizukommen. 1998 feierte der heute 37-Jährige den ersten Landesmeistertitel. Dann allerdings ließ er nichts mehr anbrennen und gewann drei Mal in Folge. Im Jahr danach brach er sich den Arm, wurde nur Vierter. Doch das ärgerte ihn nicht, denn Dalle ist ein lebensfroher Mensch, konnte die anderen mit seiner Fröhlichkeit schnell anstecken. „Kurz darauf habe ich mir das Bein gebrochen“, sagt er und dreht sich wieder zu seinen Hühnern um.

Mittlerweile sitzt ihm fast das ganze Federvieh auf den Füßen, die Körner sind alle. „Dalle“ hat zu lange erzählt und sich nicht um sein neues Hobby gekümmert. Aber die Hühner sind schnell wieder beruhigt, als sie eine Handvoll Futter bekommen und so kann der Motorrad-Fan auch noch erzählen, dass es in seiner Karriere zu insgesamt fünf Landesmeistertiteln, zahlreichen Vizemeistertiteln im Endurosport und einer Mannschafts-Vizemeisterschaft im Motocross reichte. Mehr als 20 Motorräder hat der Sportler in dieser Zeit kaputt gefahren, mindestens 5000 Euro pro Jahr investiert. Auch deshalb weint der Endurospezialist seiner Entscheidung keine Träne nach. „Ich habe auf regionaler Ebene viel erreicht. Geld kann ich damit nicht verdienen. Und jünger werde ich auch nicht“, sagt Dallmann. „Ich fahre jetzt nur noch, wenn ich Lust habe.“

Doch wer weiß, vielleicht kommt Frank Dallmann schneller an die Rennstrecke zurück, als er sich vorstellt, denn schon jetzt fragt Sohn Till immer wieder nach, ob er auch mal Motorrad fahren darf. „Ich zwinge ihn nicht dazu. Das lasse ich ganz langsam auf mich zukommen“, sagt der 37-Jährige. Dagegen hätte er jedenfalls nichts.

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