Leichtathletik : Rekordzeit krönt Triathlon-Saison

Sichtlich stolz: Ralf Bick erzielte beim Barcelona-Triathlon eine neue persönliche Bestzeit. Die Teilnehmer-Medaille wird ihn zusätzlich für immer an diesen Wettkampf erinnern.
Sichtlich stolz: Ralf Bick erzielte beim Barcelona-Triathlon eine neue persönliche Bestzeit. Die Teilnehmer-Medaille wird ihn zusätzlich für immer an diesen Wettkampf erinnern.

Der Bützower Ralf Bick vom Tri Fun Güstrow erzielt beim Ironman in der spanischen Metropole Barcelona mit 9:51 Stunden eine neue persönliche Bestmarke

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02. November 2019, 05:00 Uhr

Dass im Triathlon auf der Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen) keine Grenzen gesetzt sind, hat nicht zuletzt der Ironman-Rekord-Sieger von Hawaii, Jan Frodeno, bewiesen, sondern auch der Bützower Ralf Bick. In Barcelona verbesserte der 39-Jährige seine bisherige Bestmarke um eine Stunde auf 9:51 Stunden. Das sind zwar zwei Stunden weniger als Frodeno für seinen neuen Streckenrekord auf Hawaii benötigte, für Bick ist es aber trotzdem ein unvergessener Moment. „Es fällt mir noch immer etwas schwer, das Erlebte in Worte zu fassen“, war er kurz nach dem Rennen total überwältigt. Was Ralf Bick in Barcelona geleistet hat, war der krönende Abschluss einer erfolgreichen Saison. „Es ist mein bestes Jahr geworden“, sagt Ralf Bick. Ende Juli hatte er in Parchim – allerdings auf der Sprintdistanz (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) – sein erstes Rennen gewonnen, nach zuvor zig zweiten Plätzen anderswo. Doch dann kam Barcelona, das alles übertrumpfte.

Dieser Erfolg kommt aber nicht von ungefähr, vielmehr ist er der Lohn harter Arbeit und viel Geduld. 16 Jahre hat es gedauert, bis Ralf Bick soweit gekommen ist. Sechs Mal die Woche trainiert er, das bedeutet jede Menge Schweiß und Anstrengung. Und dieser Sport kostet nicht nur jede Menge Kraft, sondern auch Geld. Allein für die Anmeldung beim Triathlon im kommenden Jahr in Kopenhagen musste Bick 620 Euro hinblättern. An- und Abreise sowie Übernachtung sind da noch gar nicht eingerechnet. Doch die Kosten sind eher nebensächlich, vielmehr spornt Ralf Bick der eigene Ehrgeiz an: „Ich habe immer die Devise, nicht mit leeren Händen nach Hause zu kommen.“ In Barcelona hatte der Triathlet aber noch einen weiteren Antrieb. „Bereits zwei Tage zuvor bekamen meine Freundin Anja und ich unerwarteten und spontanen Besuch von zwei tollen Freunden und das hat mich innerlich unheimlich gepusht. Ich war so happy. Spätestens da war klar, dass das Ganze positiv ausgeht. Da kann man sich doch nicht hängen lassen“, erzählt Ralf Bick.


Keine optimale Vorbereitung

Und der Wettkampf lief dann auch wie geschmiert für den 1,90 Meter Modellathleten, obwohl die Vorbereitung alles andere als optimal war. „Ich bin fünf Wochen vor Barcelona nicht einen Meter gelaufen“, sagt Ralf Bick, den eine Hüftverletzung zu schaffen machte. Allerdings musste er vorher erst einmal 3,8 Kilometer im Mittelmeer Schwimmen, ehe es dann auch noch auf die Radstrecke ging. „Ich habe eigentlich eine große Schwimmschwäche, das hat sich aber durch ein paar Tipps gebessert“, erklärt Ralf Bick. „Im glasklaren Wasser konnte ich mich auch unter Wasser super an den Anderen orientieren“, erzählt Bick. Nach für ihn unglaublichen 76 Minuten hatte er die 3,8 Kilometer geschafft, war damit 18 Minuten schneller als bei seiner bisherigen Bestmarke im französischen Nizza.

Doch das war nur der Anfang, denn auf dem Fahrrad flog Ralf Bick nur so über den Asphalt. „Ich hatte auf dem Rad noch nie so klasse Beine“, berichtet er. 180 Kilometer in 4:41 Stunden, das machten im Schnitt 38,2 Kilometer pro Stunde. „Hammer“, blickt Bick auf seine zweite persönliche Bestzeit an diesem Tag zurück. Allerdings wollte er sich nicht zu früh freuen, vielmehr „wartete ich immer auf den Moment, einzubrechen“, sagt Ralf Bick. Doch das passierte nicht, obwohl er immer die Befürchtung haben musste, dass ihn beim Marathon die lädierte Hüfte bremsen könnte. „Sie hat sich aber nicht mehr gemeldet“, sagt Bick. Und so stand Bestzeit Nummer drei nichts mehr im Wege. Nach 3:45 Stunden waren auch die 42,195 Laufkilometer abgespult und Ralf Bick erreichte überglücklich und in persönlicher Bestzeit das Ziel. „Es war der perfekte Tag“, fasst es Ralf Bick kurz und knapp zusammen.

Dass er einen Triathlon eines Tages so schnell absolvieren wird, hätte er sich vor 16 Jahren, als er mit dem Sport angefangen hat, niemals erträumt. „Nach meinem ersten Rennen habe ich sofort geheult und gesagt, ich mache den Scheiß nie wieder“, blickt Ralf Bick mit einem Lächeln zurück. Stattdessen hat er sich noch am selben Tag für den nächsten Triathlon angemeldet und ist dem Sport bis heute treu geblieben. Von Mai bis September ist Ralf Bick nahezu jedes zweite Wochenende auf Wettkämpfen unterwegs, seit 13 Jahren auch für den Tri Fun Güstrow. Trainieren tut der Justizvollzugsbedienstete in der Regel alleine, ist somit immer flexibel. „Ich habe eine gute Eigenmotivation, kann im Training unwahrscheinlich gut abschalten“, erklärt Ralf Bick. Und obwohl er unheimlich viel Fleiß aufbringt, achtet er bei der Ernährung nicht so streng auf das, was er isst: „Ich kenne niemanden, der mehr nascht als ich. Der Körper sagt einem schon, wenn irgendwas ist.“ Anzusehen ist ihm die Schwäche für Süßigkeiten bei seinen 80 Kilogramm Körpergewicht nicht. Bei einem Wettkampf ist der körperliche Zustand zwar wichtig, doch „50 Prozent sind mentale Stärke. Es tut so oder so weh“, erklärt Bick. Um den Kopf mal wieder frei zu kriegen, legt Ralf Bick bis zum 1. Dezember eine wohlverdiente Trainingspause ein, um dann wieder mit neuem Elan angreifen zu können. Dann beginnen allerdings die „Leiden“ wieder von vorne.

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