16 Jahre Schiri : Pfeifen auf der schwersten Ebene

Bernhard Weber ist leidenschaftlicher Schiedsrichter: Dafür ist er aber wirklich nicht immer zu beneiden.
Bernhard Weber ist leidenschaftlicher Schiedsrichter: Dafür ist er aber wirklich nicht immer zu beneiden.

Schiedsrichter Bernhard Weber aus Jürgenshagen leitet seit 16 Jahren Fußballspiele in der Kreisklasse und Kreisliga

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05. März 2016, 05:00 Uhr

An diesem Wochenende starten die Fußballer in allen Ligen und fast allen Altersklassen wieder voll durch. Vom Nachwuchs- bis in den Männerbereich stehen etliche Punktspiele auf dem Plan. Für die ordnungsgemäße Durchführung sorgen dann wieder die Schiedsrichter: Einer von ihnen ist Bernhard Weber, der am Sonntag bei der Partie zwischen dem SV Pepelow und der SG Motor Neptun Rostock II (Kreisliga Warnow, Staffel I) im Einsatz ist. Der 63-Jährige ist ein bekanntes Gesicht im Kreisfußballverband Warnow, pfeift er doch schon seit dem Jahre 2000 auf Kreisebene von Woche für Woche Spiele. Zu beneiden ist er für seine Aufgabe in den untersten Klassen des Amateurbereichs aber nicht, ganz im Gegenteil: „Das ist das schwerste Pfeifen“, sagt der Jürgenshagener. Ohne einen Assistenten ist er auf dem Platz auf sich selbst angewiesen, muss in kürzester Zeit Entscheidungen alleine treffen. Dass er dabei nicht immer richtig liegt, weiß Bernhard Weber auch: „Fehler passieren, aber die mache ich doch nicht mit Absicht“, sagt der Unparteiische.


Kritik lässt ihn nicht immer kalt


Das wollen aber die wenigstens Fußballer und auch Zuschauer wahr haben. „Sie können alles, wissen alles, sind vollkommen. Nur der Schiedsrichter macht Fehler“, beschreibt Weber das teils aggressive Verhalten auf und neben dem Platz. Doch mit Kritik kann er inzwischen umgehen, wenngleich sie ihn nicht immer kalt lässt. „Ich bin auch schon mal nach Hause gefahren und habe mir gedacht, ich gehe nicht mehr pfeifen“, gibt Weber einen Einblick in seine Gefühlswelt. Alles in allem verfügt er aber über ein „dickes Fell“ und weiß mit den verbalen Anfeindungen umzugehen. Zu mehr ist es zum Glück noch nicht gekommen. „Mir persönlich wurde noch keine Schläge angedroht, aber ich kenne Kollegen, denen ist das schon passiert“, sagt Weber.

Da ist es doch kein Wunder, dass der Fußball im Kreisfußballverband Warnow als auch in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit Nachwuchsproblemen im Schiedsrichterwesen zu kämpfen hat. Immer mehr Vereine werden bestraft, weil sie das Schiedsrichtersoll nicht erfüllen können. „Am Geld liegt es meiner Meinung nach nicht. Die Umgangsweise der Spieler mit den Schiedsrichtern ist einfach zu schlecht“, sucht Bernhard Weber nach Gründen für den Missstand. Er selbst pfeift für den VfB Hohen Luckow, und somit nicht für seinen Heimatverein SV Grün-Weiß Jürgenshagen. „Das hat was mit meiner damaligen Arbeit zu tun“, sagt Weber.


Geringe Aufwandsentschädigung


Das Pfeifen macht ihm auch noch nach 16 Jahren Spaß, ein Ende ist deshalb noch nicht in Sicht. „Ich will mindestens so lange pfeifen wie der Herr Bösecke (u.a. Schiedsrichteransetzer im KFV Warnow – Anm. d. Red.)“, schickt Bernhard Weber einen Gruß an seinen Kollegen. Grundvoraussetzung sei dafür natürlich die Gesundheit. Von seiner Frau Ute hat er jedenfalls das Okay: „Das geht nur, wenn die Frau mitspielt“, sagt Bernhard Weber, der nebenbei auch noch die Ü50 des SV Grün-Weiß Jürgenshagen betreut. Seine Eignung als Schiedsrichter stellt er zweimal im Jahr bei Regeltests unter Beweis. Das ist ihm sein Hobby aber wert, wenngleich er davon nicht reich wird. 20 Euro pro Einsatz bekommt Weber in der Kreisklasse und Kreisliga, dazu kommen 30 Cent Fahrgeld pro Kilometer. Wenn man sich das mal mit An- und Abreise sowie der Spielzeit hochrechnet, bleibt da in der Stunde nicht viel übrig. „Ich mache das nicht für’s Geld, sondern eher für den Kontakt. So treffe ich immer wieder alte Bekannte“, sagt Bernhard Weber.

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