Lokalsport : Ihr Herz hängt an der Leichtathletik

Ehre, wem Ehre gebührt: Burkhard und Brigitte Beck (v.l.) und Katrin Michels (r.) wurden vom Leichtathletikverband Mecklenburg-Vorpommern mit der Ehrennadel in Gold und Silber ausgezeichnet. Die Drei haben über Jahre hinweg den LAV Gymnasium Bützow geprägt.
Ehre, wem Ehre gebührt: Burkhard und Brigitte Beck (v.l.) und Katrin Michels (r.) wurden vom Leichtathletikverband Mecklenburg-Vorpommern mit der Ehrennadel in Gold und Silber ausgezeichnet. Die Drei haben über Jahre hinweg den LAV Gymnasium Bützow geprägt.

Brigitte Beck hört nach 22 Jahren beim LAV Gymnasium Bützow auf und gibt damit auch den Vorsitz ab

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20. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Normalerweise fehlen Brigitte Beck nicht so schnell die Worte, wenn es darum geht, vor vielen Menschen zu reden. Für die Sport- und Geografie-Lehrerin am Bützower Gymnasium gehört dies schlichtweg zum Alltag, doch auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Leichtathletikverein (LAV) war sie kurz davor, dass es ihr die Sprache verschlägt. Das Gründungsmitglied machte nämlich offiziell, dass sie ihr ,,Baby“ aus der Hand gibt und sich zum Jahresende vom Amt als Vorstandsvorsitzende und auch als Trainerin zurückzieht.

Dass ihr dieser Schritt nach 22 Jahren nicht leicht fiel, wurde in ihrer emotionalen Rede vor einem Teil der rund 100 Vereinsmitglieder deutlich. „Viele Nächte habe ich mir um die Ohren geschlagen, habe mir diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, aber mein Körper hat gesagt: Schluss“, sagt die 62-Jährige. Im gleichen Atemzug hat auch Katrin Michels gesagt, dass sie zum Jahresende ihr Amt als Stellvertreterin niederlegen wird. „Wir waren – Gott sei dank – auf der Suche nach Nachfolgern erfolgreich“, erzählt Brigitte Beck. Jan Dombrowski als Vorsitzender und Frank Endjer als Stellvertreter übernehmen die Aufgaben. „Ich bin sehr froh, dass sich beide dazu bereit erklärt haben, diese Posten zu übernehmen“, bedankt sich Brigitte Beck. Zunächst einmal vorläufig, denn im März 2020 findet die nächste geplante Mitgliederversammlung statt. „Beide werden im nächsten Quartal zur Wahl stehen“, verrät Brigitte Beck und ergänzt: „Ich habe beide schon ein bisschen eingeführt. Wir hoffen, dass wir ihnen ein gewisses Rüstzeug mitgegeben haben.“

Dass Jan Dombrowski ein schweres Erbe antritt, ist ihm bewusst. „22 Jahre Ehrenamt sind eine ungeheuer lange Zeit. Es ist eine super Leistung von beiden, was sie auch an Zeit investiert haben. Es fühlt sich an wie ein Halbtagsjob. Das darf man nicht unterschätzen. Die Stabilität im Verein hat mich letztendlich davon überzeugt, das weiterzumachen und dieses dicke Brett anzunehmen“, erklärt der 44-Jährige.

In der Ära von Brigitte Beck gab es Jahre, da liefen die Athleten vom LAV den Leistungszentren aus Schwerin, Neubrandenburg oder Rostock teilweise den Rang ab, die Bützower zählten zur Elite Mecklenburg-Vorpommerns. Doch diese Glanzzeiten sind nun vorbei, inzwischen konzentriert sich der Verein auf den Breitensport. Die Voraussetzungen haben sich aber auch grundlegend geändert. Wurden die Nachwuchshoffnungen Ende der 1990er beziehungsweise Anfang der 2000er Jahre bis zu viermal wöchentlich gefördert, bietet der LAV aktuell zwei Trainingseinheiten (montags und mittwochs) pro Woche an. Mehr (Frei-)Zeit ist den wenigen ehrenamtlichen Übungsleitern einfach nicht zuzumuten – Familie, Beruf und der Sport müssen schließlich in Einklang gebracht werden. Umso bemerkenswerter ist es, dass Brigitte Beck so viele Jahre in Amt und Würden war.


Ehrennadel in Gold und Silber

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist aber auch ihr Steckenpferd. „Bis heute sind sehr viele Kinder durch meine Hände gegangen“, sagt sie. Vor 40 Jahren kam Brigitte Beck nach Bützow, stieg sofort als Trainer in die Leichtathletik ein. „Ich hatte auch Angebote vom Handball. Emil Schrammedei, der sicherlich vielen ein Begriff ist, hat mich gefragt, ob ich da Trainer machen würde, weil ich auch viele Jahre Handball gespielt habe, aber mein Herz schlug einfach für die Leichtathletik, dabei bin ich dann auch geblieben“, erklärt die Pädagogin.

1997 gründete sie schließlich mit mehreren Mitstreitern den Leichtathletikverein Gymnasium Bützow. Anfangs waren sechs Schüler dabei. Ebenfalls seit der ersten Stunde dabei ist Peter Wegner. Inzwischen ist er Präsident des Leichtathletikverbandes Mecklenburg-Vorpommern und ließ es sich nicht nehmen, beim Abschied Brigitte Becks dabei zu sein. „Zunächst ist mir wichtig zu sagen, dass das kein trauriger Anlass ist. Es ist eine gute Truppe nach wie vor da. Es wurden Nachfolger gefunden. Das ist übrigens in Mecklenburg-Vorpommern nicht selbstverständlich bei den vielen Vereinen. Wir kämpfen wirklich mit dem Thema Ehrenamt, insofern bin auch ich als Gründungsmitglied sehr froh, dass das so geklappt hat“, sagt Peter Wegner.

Umso wichtiger war es ihm, das jahrelange Engagement Brigitte Becks und das ihres Mannes Burkhard, aber auch Katrin Michels’ zu würdigen, die ebenfalls großartige Arbeit im LAV geleistet haben. „Die Leichtathletik in MV lebt durch solche Vereine wie in Bützow. Es sind nicht immer die Großen, die vielleicht mal jemand zu Olympia schicken, sondern es sind immer die Vereine, die an der Basis sind. Die Komponente, Breitensport zu machen, die Leute zu bewegen, das ist ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger in der heutigen Zeit. Und dafür möchte ich Danke sagen. Ich möchte es aber nicht beim Danke belassen, weil es Leistungen sind, die hier gezeigt wurden, die es zu ehren gilt“, sagt Wegner. Und prompt zückte er zur Überraschung aller Beteiligten die Ehrennadel des Verbandes in Gold und Silber aus seiner Tasche. Die höchste Auszeichnung erhielten Brigitte und Burkhard Beck. „Danke für die gemeinsame Zeit. Danke, dass ihr das so weitergeführt habt“, entgegnet Peter Wegner den Preisträgern.

„Das bekommt einen Ehrenplatz. Ich möchte auch einfach Danke sagen, all denjenigen, die mir in dieser Zeit geholfen haben, beziehungsweise ein tolles Team mit uns gebildet haben. Wir hatten nicht den Spitzensport im Blick, sondern den Breitensport. Unser Ansinnen ist es, den Kindern Spaß an der Bewegung zu erhalten“, sagt Brigitte Beck abschließend.

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