MV-Liga Hinrunde : Handball-Teams mit zwei Gesichtern

Beim TSV ist man(n) zufrieden: Thomas Brandt und die Bützower Handball-Männer freuen sich über eine positive Hinrunde.
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Beim TSV ist man(n) zufrieden: Thomas Brandt und die Bützower Handball-Männer freuen sich über eine positive Hinrunde.

MV-Liga Hinrunde: Männer aus Bützow schweben auf der Euphoriewelle / Geplagte Schwaaner Herren nur Vorletzte

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21. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Nach der Halbserie ist vor der Rückrunde. Die Handball-Männer aus Bützow und Schwaan verabschiedeten sich vor einer Woche in den kurzen Winterurlaub, Zeit zum Abschalten bleibt da kaum. Beim TSV herrscht sowieso eine euphorisierte Stimmung, die Lust auf mehr macht. Mit nur einem Punkt Rückstand zur Spitze mischt die Mannschaft von Trainer Jörg Schröder ganz oben mit und bleibt den beiden Meisterschaftsfavoriten, Stavenhagener SV und Ribnitzer HV, dicht auf den Fersen. „Wer hätte das gedacht? Von der Platzierung und der Punktausbeute sind wir sehr zufrieden“, sagt Bützows Coach. Spielerisch konnte ihn seine Mannschaft bisher aber weniger überzeugen, doch das hat seine Gründe, deshalb macht Schröder ihr auch keinen großen Vorwurf: „Wir konnten bisher nicht einmal komplett mit der ganzen Mannschaft trainieren. Das geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir beklagen uns aber nicht, denn das haben andere Mannschaften auch.“ Also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, denn den TSV zeichnet dafür eine andere Qualität aus – die mannschaftliche Geschlossenheit. „Es herrscht ein super Zusammenhalt, auch außerhalb der Platte. Die Charaktere passen einfach toll zusammen. Dadurch kompensieren wir unsere Defizite“, lobt Schröder den Teamgeist. Aus dem Gefüge hebt der Bützower Trainer aber einen Spieler hervor – seinen Kapitän. Jan Dethloff rage durch seine beständig gute Form aus der Mannschaft heraus. Mit 56 Toren ist der Rühner treffsicherster Schütze seines Teams und absoluter Leistungsträger. Erfolgreich könne die Truppe aber nur gemeinsam sein. Diese weilt nun erst einmal bis Anfang kommenden Jahres im wohl verdienten Weihnachtsurlaub. Angesprochen auf die Zielstellung für die Rückrunde, tritt Schröder bei allem Optimismus um die Mannschaft aber auf die Euphoriebremse. „Wenn man oben steht, möchte man da auch bleiben. Schön wäre es, doch es wird ein schwerer Weg bis da hin“, sagt Schröder. Im zweiten Saisonabschnitt muss er z. B. des Öfteren auf Christian Böttner verzichten, der beruflich mehr eingespannt ist und der Mannschaft deshalb nicht mehr so häufig helfen kann.


„Wir können gegen alle gewinnen, aber auch verlieren“


Zudem sei nicht alles Gold, was glänzt. „Wir haben in der Hinrunde einige nur knapp gewonnen. Die können auch mal anders ausgehen“, legt Jörg Schröder den Finger in die Wunde. „Wir können gegen alle gewinnen, aber auch gegen alle verlieren“, untermauert der Trainer seine Aussage. Es gebe eben keine Topmannschaften mehr. Insgesamt sei das Liga-Niveau im Vergleich zu den vergangenen Jahren eher schlechter geworden, als es immer eine Mannschaft gab, die herausragte. Dennoch nennt er den Ribnitzer HV als Staffelfavoriten. Diesen gilt es so lange wie möglich zu ärgern, denn der TSV braucht sich vor keinem Team zu verstecken, das hat die Hinrunde gezeigt. Neben der guten Platzierung in der Liga rückten die Bützower im Landespokal schon bis ins Viertelfinale vor. In diesem Wettbewerb gastieren sie am 8. Februar beim Ligarivalen HC Empor Rostock.


Zentrale Figur fehlt dem Schwaaner SV die ganze Saison


Während die TSV-Sieben also mit einem guten Gefühl pausiert, bereitet dem Auftaktgegner der Rückrunde, dem Schwaaner SV, der bisherige Saisonverlauf eher Kopfzerbrechen. Nur zwei Siege, Vorletzter, kein Heimpunkt – so liest sich die magere Bilanz der Mannschaft von Trainer Detlef Lankowski. Das hatte man sich vor der Saison ganz anders vorgestellt, zumal die Vorbereitung sehr gut verlief. Dementsprechend steckten sich die Warnowstädter höhere Ziele und wollten im oberen Tabellendrittel mitmischen. „Das hat sich aber gleich nach dem Auftaktspiel gegen Bützow als hinfällig erwiesen, als die ersten Verletzungen kamen“, sagt Detlef Lankowski. Die Schwaaner plagten anschließend große Personalprobleme. „Wir konnten nicht einmal in der Besetzung spielen, mit der wir in der Vorbereitung gearbeitet haben“, sagt der 49-Jährige. Gerade der Ausfall von Leistungsträger Steffen Strube tat dem SSV richtig weh. „Er ist eine zentrale Figur in unserem Deckungssystem und nicht zu ersetzen“, erläutert Lankowski den Stellenwert von Strube. Auf ihn muss er aber auch in der Rückrunde verzichten, denn die Schulterverletzung macht einfach noch kein Mitwirken möglich. Strube ist aber nur eines von vielen Beispielen. Das Kuriose ist, dass sich die meisten Spieler nicht einmal beim Handball verletzten, sondern in ihrer Freizeit. Das Lazarett vergrößerte sich stetig, sodass auch der Trainingsbetrieb stark eingeschränkt war. Und es ist erst einmal keine Besserung in Sicht. „Ich hoffe mal, dass Ende Januar ein bis zwei Leute zurückkommen“, sagt Detlef Lankowski. Eine Prognose für die Rückrunde möchte und kann der Trainer nicht abgeben. „Wir wollen gucken, dass wir uns gut verkaufen. Allen Verantwortlichen ist klar, dass wir diese Saison keine großen Sprünge machen können“, sagt der Rostocker. Stattdessen schaut man im Schwaaner Lager der Situation realistisch entgegen und zählt sich in der Tabelle derzeit zu den letzten drei Teams.


Trotz Misserfolg: „Ich denke nicht ans Aufhören“


Viel zu verlieren hat der SSV aber ohnehin nicht, denn in dieser Saison gibt es keinen Absteiger aus der MV-Liga. Durch den Rückzug des Mecklenburger HC II vor der Saison steht bereits ein Regelabsteiger fest. Ernsthafte Existenzsorgen müssen sich die Schwaaner deshalb nicht machen, dennoch nagt der Misserfolg am Selbstbewusstsein. „Manchmal fragt man sich schon, warum man sich das alles antut. Mich reizt aber zu wissen, was wir erreichen können, wenn wieder alle Spieler an Deck sind. Deshalb denke ich nicht ans Aufhören“, hofft Detlef Lankowski auf eine rosigere Zukunft.

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